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jochen kohlweiss
Mit 21 Jahren übernahm er seinen ersten Nachtclub und ist seiner Meinung nach "immer von hübschen Frauen umgeben" - Jochen Kohlweiss mit Magdi: "Ich brauche niemanden mehr etwas beweisen" © KK

Bad Guy oder Freund & Familienmensch:

„Die Rotlicht-Branche wird sich verändern“

Villach-Landskron – Auf die Rotlichtszene in Villach kommt in den nächsten Jahren einiges zu. Die Politik geht deutlich und mit klaren Ansagen gegen die Bordellbetreiber der Draustadt vor. Der gebürtige Treffner Jochen Kohlweiss (45) eröffnete mit 21 Jahren seinen ersten Nachtclub in der Trattengasse, hatte in den Glanzzeiten neun Clubs und war mit Szenegrößen wie Helmut Süssenbacher auf Du und Du.

Für die einen ist er ein „Bad-Guy“, für die anderen ein Freund und Familienvater wie jeder andere auch. Er polarisiert mit seiner Tätigkeit und seinen sicher auch mit seinen Ansichten. Kohlweiss ist in der Szene kein unbeschriebenes Blatt und braucht wie er selbst meint „niemanden mehr etwas zu beweisen“. Wir waren anfangs skeptisch ob wir es wagen sollten, einen Einblick in die Rotlichtszene in Villach und die Veränderungen in der Branche zu geben. Dennoch wagten wir einen Blick hinter die Kulissen eines Mileus, welches normalerweise wenig über seine Arbeit preis gibt. Die Vorstellungen des ehemaligen „Workaholic“ und der Kärntner „Rotlichtgröße“ vom Leben, sehen heute für ihn ganz anders aus. Er widmet seine Zeit lieber anderen Dingen, als dem unentwegten Drang nach vorne und der Sucht nach Erfolg.

Der La Cocotte Gentlemen’s Club in Landskron – wir wagten den Blick in eine Branche die sich normalerweise sehr bedeckt hält … - © KK


Wie sind Sie überhaupt in die Rotlichtszene gerutscht?
Kohlweiss: Ich habe ursprünglich das Konditor-Handwerk gelernt und war beim „Stanglwirt“ in Going angestellt. Naja, in der Gastronomie kannst du halt nicht allzu viel Geld verdienen und der Lohn ist mau. Da hab ich mich verändert, wollte weiter kommen und mehr. Vor 25 Jahren habe ich dann als Kellner in einem Nachtclub begonnen. Das war die EVE-Bar in Millstatt. Dann bin ich ins La Cocotte in Villach in die Trattengasse gewechselt. Drei Monate später habe ich den Laden übernommen.

… und dann?
Kohlweiss: Dann begannen meine Sturm- und Drangjahre. Nachdem das La Cocotte ein Erfolg war, habe ich in Mattighofen in Oberösterreich den zweiten Club gekauft. Dann ging es rasant vorwärts. Beide Betriebe liefen gut und so kam eines nach dem anderen.

Kohlweiss: „Ich bin ruhiger geworden und der Drang nach vorne ist endgültig Geschichte“ - © KK

Was war Ihr Höhepunkt in all den Jahren?
Kohlweiss: In meinen Glanzzeiten hatte ich neun Clubs in ganz Österreich und 130 bis 140 Mitarbeiter in allen Betrieben. Ich war 1997 bis 2000 ganz oben in der Branche. Da lief es richtig gut und auch die wirtschaftliche Situation in Österreich war optimal. Wir machten gute Geschäfte, dann kam der Euro… (lacht).

Ein wirtschaftlicher Umbruch?
Kohlweiss: Ja, der gesamte Markt hat sich verändert. Es kamen Laufhäuser und Saunaclubs – und die wirtschaftliche Lage in Österreich ging nach unten. Diese Entwicklung hat sich auf die Zahlen ausgewirkt. Die Veränderungen in Italien haben wir auch massiv gespürt. In Italien ist Prostitution verboten und wir haben ja auch viele italienische Gäste. Die Leute hatten einfach weniger Geld zur Verfügung und das traf natürlich auch unser Geschäft.

Einblick in eines der Zimmer im La Cocotte Gentlemen’s Club Landskron - © KK

Und heute?
Kohlweiss: Ich gehe es ruhiger an, bin am Optimieren und brauche niemanden mehr etwas zu beweisen. Die Prioritäten haben sich ziemlich verändert. Die Zeit mit der Familie, mit Freunden und auch für mich selbst hat mehr an Bedeutung gewonnen. Ich bin ruhiger geworden und der Drang nach vorne ist endgültig Geschichte.

Wie hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert? Gibt es ein Miteinander?
Kohlweiss: Der Mitbewerb wurde in den letzten Jahren härter. Damals in den Hochzeiten spielten Leute wie Stefan Wetzl oder Helmut Süssenbacher in Kärnten eine Rolle. Wir waren so zu sagen die „Top-Drei“. Mit Helmut Süssenbacher waren wir auf Augenhöhe, trafen uns hie und da auf einen Kaffee und einen Plausch. Man tauschte sich aus, aber das gibt es heute nicht mehr. Der Zusammenhalt fehlt und jeder verfolgt sein eigenes Konzept.

Polster Bordell Rotlicht

Wie darf man sich die Preissituation vorstellen?
Kohlweiss: Die halbe Stunde liegt bei 95 Euro. Das kleine Bier kostet 9 Euro. Das mag beim ersten Eindruck viel Geld für ein Bier sein, aber dafür können unsere Gäste schöne Mädchen sehen und ein tolles Variete-Programm erleben. Alles in allem sind die Preise aber gesunken und es gibt Billigkonkurrenz wie die Laufhäuser.

Woher kommen die Frauen und wie kommen sie zu Ihnen?
Kohlweiss: Großteils aus dem Osten – Rumänien, Ungarn oder der Slowakei. Die Mädels sind zwischen 18 und 30 Jahren alt und wohnen dann meist in Villach, teilweise Privat oder in Wohnungen von mir. Sie bewerben sich bei uns – meist aufgrund der langjährigen Bekanntheit. Entweder über das Internet oder sie rufen an. Dann kommt es zum Bewerbungsgespräch und wir entscheiden ob die Damen in unser Konzept und unser Team passen. Das Verhältnis ist familiär. Aber ich trenne Geschäft und Privates strikt.

Wenn die Nacht zum Tag wird: Täglich ab 17 Uhr geht es los, dann bis in die frühen Morgenstunden - © KK

Der Unterschied zum „Saunaclub“? Klären Sie uns bitte auf?
Kohlweiss: Das ist leicht erklärt: Bei uns kommen die Leute angezogen bei der Tür herein, schauen sich eine Show an, Trinken etwas und dann entscheiden sie wie es weiter geht. Im Saunaclub ist das anders. Man muss sich Ausziehen, bekommt einen Bademantel, zahlt Eintritt. Du brauchst im Saunaclub also wesentlich mehr Zeit.

Thema „Wohnungsprostitution“?
Kohlweiss: Straßenprostitution gibt es nicht mehr in Kärnten – aber dafür wird in Privatwohnungen gearbeitet. Das System ist einfach aber problematisch: Damen inserieren in Zeitungen bei den Kleinanzeigen und holen sich die Kunden in die Wohnung. Diese Art der Prostitution ist illegal. Leider gibt es sowas auch in Villach. Die Polizei führt aber laufend Razzien durch. Die Mädchen werden gesundheitlich nicht kontrolliert und haben natürlich auch keine entsprechenden Atteste. Bei uns erfolgte jede Woche die Kontrolle beim Gesundheitsamt des Magistrates. Die Kontrollen sind jetzt gratis, bis vor kurzem mussten die Damen 15,- Euro zahlen.

Wie steht es um unangekündigte Kontrollen und Razzien bei Ihnen?
Kohlweiss: Die gibt es natürlich. Circa einmal im Monat wird auch bei uns kontrolliert. Die „Sittenpolizei“ schaut laufend vorbei. Zwei Beamte sind dann vor Ort. Es gibt aber auch Schwerpunktkontrollen mit mehreren Leuten. Da kommen dann auch Dolmetscher mit, die überprüfen ob Themen wie Menschenhandel oder Zuhälterei vorliegen. Alle Mädchen werden dann interviewt, ob bei uns alles in Ordnung ist und sie gut behandelt werden.

Für Ihre Branche wird es eng, wenn es nach den neuen Reglements und Gesetzen geht. Soviel steht jetzt schon fest …
Kohlweiss: Ja. Wenn es nach den neuen Regelungen zum Kärntner Prostitutionsgesetz geht, gibt es nur mehr Bordelle außerhalb von Villach. Es gäbe letzten Endes nur mehr einen Saunaclub in Villach, denn der Rest muss in den nächsten Jahren zusperren.

Wo sehen sie sich in zehn Jahren?
Kohlweiss (denkt nach): .. ich lasse mich überraschen. Ob ich überhaupt noch in der selben Branche bin, kann ich nicht sagen.

Schnelle Autos, Fallschirmspringen, Reiten, Skifahren und vieles mehr – Kohlweiss ist auch bei seinen Hobbies jemand der gerne polarisiert – auf seiner Facebook-Page legt er viel Privates offen - © Kohlweiss Facebook

Wie geht es dann weiter?
Kohlweiss: 
Ich habe bereits ein neues Projekt in der Pipeline. Es geht nicht mehr um Rotlichtthemen, sondern um Erlebnisgastronomie. All zu viel möchte ich noch nicht verraten, aber es wird ein neues Gastronomiekonzept starten – in Kärnten.

Was machen Sie privat – ihre Hobbies zum Beispiel?
Kohlweiss: Ganz klar Fallschirmspringen und Skifahren. Aber die wichtigste Zeit gilt meinen zwei Kindern und meinen Freunden!

Und ihre Familie – wie gehen sie mit Ihrer beruflichen Tätigkeit um?
Kohlweiss:
 Alle standen von Anfang an hinter mit. Vor allem in den harten und auch schweren Zeiten war mein familiäres Umfeld immer für mich da. Dafür bin ich sehr dankbar.

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