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Reportage
Manfred Tisal
Manfred Tisal hat das Ohr am Volk: Hier in Staubers Stadtschenke mit Wirt Klaus Stauber © KK

Vom Smutje zum Prangerredner:

Als Demokrat im Land, beiß‘ ich auch die Fütterhand

Villach – Wenn Manfred Tisal alias der EU-Bauer seine Sprüche klopft, geht es um mehr als nur witzig sein. Die Attribute humoristisch, volksnah und kritisch scheinen für den 63-jährigen Villacher nicht nur im Künstlerdasein ein Thema zu sein - man könnte meinen er lebt seine Figur auch im Alltag. 5 Minuten Villach verabredete sich mit ihm auf ein Villacher Bier in Staubers Stadtschenke.

Als Smutje am Holzfrachter

Der gelernte Koch startete seine berufliche Laufbahn am Bahnhof in Villach – im Bahnhofsrestaurant. Danach führte ihn sein gastronomischer Weg weiter auf Saison nach Innsbruck, Salzburg und am Schluss zum Wörthersee. „Ich war aber auch am Schiff als Smutje unterwegs in der Welt. In Südamerika und Asien waren wir auf einem Holzfrachter unterwegs, wo auch Edelhölzer transportiert wurden,“ lacht Tisal.  „Als bodenständiger Mensch kam ich aber zur Erkenntnis, dass man nur etwas verdienen kann, wenn man auswärts ist. Aber ich habe es nicht ausgehalten und wollte zurück in die Heimat. Geblieben von meiner Zeit in der Gastronomie ist mir die Freude am Essen.“

Journalistische Laufbahn

„Als ich zurück nach Kärnten kam, habe ich eine journalistische Laufbahn eingeschlagen und war von Anfang bis zum bitteren Ende Sprecher und Redakteur bei Tele Uno,“ erklärt er uns. Tele Uno war damals der erste österreichische Privatfernsehsender, der von Italien aus nach Österreich strahlte. Mit seiner dortigen Tätigkeit traf er auf Persönlichkeiten wie den deutschen Politiker Franz Josef Strauss oder Englands Premierministerin Margaret Thatcher: „Ich habe zuerst die Welt und dann die Menschen kennen gelernt und viele Stars und Musiker interviewt.“ Nach Tele Uno folgte die Mitarbeiter bei der Kleinen Zeitung Redaktion in Villach, ein Engagement im Bereich der Gratismagazine und dann die Selbstständigkeit als Moderator, Autor und Kabarettist.

Tisal: „Der Bauer ist wesentlicher Bestandteil der Kultur unseres Landes!“ - © KK

EG-Bauer Manfred Tisal

1990 trat Tisal dann der Villacher Faschingsgilde bei und es folgte 1995 der erste Auftritt als Prangerredner. „Kanzler Gernot Bartl hat mich gefragt, ob ich eine Prangerredner-Rolle übernehmen könnte und mir ist damals spontan der EG-Bauer eingefallen.“ Wieso EG-Bauer? „Der Bauer war ja auch im Wandel der Zeit – damals hieß es ja Europäische Gemeinschaft,“ lacht Tisal. „Der Bauer hat aber auch immer etwas zu sagen und ist wesentlicher Bestandteil der Kultur unseres Landes – daher habe ich diese Figur ausgewählt,“ erzählt er weiter. Faschingsaktivist Tisal war aber auch vier Jahre im Vorstand der Gilde, fast acht Jahre im Ministerrat und drei Jahre als Regisseur und Spielleiter bis 2015 aktiv.

„Ich beiße auch die Fütterhand!

Seit ungefähr 10 Jahren ist der EU-Bauer aber auch im ORF kein unbeschriebenes Blatt mehr, moderiert er doch immer wieder die beliebten Frühschoppensendungen und tritt bei unzähligen Veranstaltungen auf. Bei all diesen Engagements geriet er aber auch in die Kritik der Medien. „Ich werde von meinen Kunden engagiert um einen Frühschoppen zu moderieren und nicht damit ich politische Aussagen mache. Einmal wurde ich kritisiert, weil ich für einen Bundespolitiker aufgetreten bin. Aber mein Grundprinzip kennen die Auftraggeber: Als Demokrat im Land, beiß ich auch die Fütterhand!“ Tisal lässt sich von keiner Partei vereinnahmen, denn er sieht seine Aufgabe darin „Menschen zu unterhalten, auf Missstände aufmerksam zu machen und Diskussionen anzuregen!“

Die Finger seit neuem immer am Handy: „Meine Facebook Seite erreicht tausende Menschen. Ich möchte die Leute zum Nachdenken anregen!“ - © KK

EU-Bauer ist Facebook-Fit

In seinem täglichen Kommentar, der auf Facebook zum „Kuhmentar“ wurde, greift er immer wieder heikle Themen auf. „Ich will die Menschen zum Nachdenken anregen, möchte das mitdiskutiert wird und sich die Leser meiner Postings auch mit den Problemen anderer befassen. Meine Linie ist kritisch und humoristisch und das Feedback ist gut,“ erklärt er uns. Dafür gibt es dann aber unter zig hunderten Likes auch kritische Kommentare der Leser. „Wenn jemand kritisch kommentiert, gefällt mir das trotzdem – weil ich daraus lernen kann,“ meint er schmunzelnd und setzt auch bei kritischen Kommentaren immer den „Daumen hoch“-Button.

Der Bauer und die Politik

Was wenige wissen, der EU-Bauer war auch einmal im Gemeinderat in Arnoldstein. „Hier haben wir damals eine unabhängige Liste gegründet – die ULA – Unabhängige Liste Arnoldstein. Unser Vorhaben war aus Arnoldstein einen sauberen Standort zu machen. Es drehte sich alles um die BBU und die Schadstoffausstöße und wir gründeten eine Bürgerinitiative. Diese Initiative wurde dann zur Unabhängigen Liste bei der Gemeinderatswahl. Wir zogen als Zünglein an der Waage in den Gemeinderat ein. Nachdem wir das Ziel erreicht hatten, war aber klar, wir müssen uns nicht mehr um Kleinigkeiten wie Frostaufbrüche bei den Gemeindestraßen und andere Themen kümmern. Das haben wir dann anderen überlassen,“ erklärt er.

Der harte Stand des Bauerns

„Um dem Bauernsterben entgegenzuwirken, bedarf es einer Zusammenarbeit der Bevölkerung mit den Landwirten. Wir müssen mehr einheimische Produkte kaufen um damit die Existenz der Bauern zu sichern,“ stellt Tisal fest. Aber wie lebt er das Thema selbst? „Ich kaufe bevorzugt beim Bauernmarkt ein und habe bekannte Landwirte von denen ich mich mit bodenständigen Produkten versorge. Ich will schließlich wissen was ich Esse“, schildert der Kabarettist und Autor. „Die Schweine die ich esse, haben alles das gegessen, was ich auch gegessen habe,“ witzelt er abschließend.

Treffpunkt Stadtschenke – Tisal’s Stammlokal - © KK

Immer gut drauf?

Wir wollen aber auch wissen, ob er denn immer gut drauf ist, auch fernab seiner Figur des EU-Bauers. „Ja, für einen Schmäh bin ich immer zuhaben. Der Rest richtet sich nach der Tagesverfassung. Es gibt Zeiten die nicht immer zum Jubeln sind, aber ich versuche immer das zu leben, was die Leute von mir erwarten,“ schildert er. Die traurigsten Momente waren sicherlich „die Todesfälle in meiner Familie als mein Vater und Bruder von uns ging“. Und der schönste Moment (Tisal lacht wieder): „Die Hochzeiten mit meinen beiden Partnerinnen sowie tolle Erlebnisse bei den Veranstaltungen die ich moderieren durfte“.

Der Autor Tisal

Der Tausendsassa Tisal ist aber auch gerade dabei, ein weiteres Buch zu veröffentlichen. „Zur Zeit schreibe ich Kärntner Alltagsgeschichten, also wieder etwas Lustiges zum Schmunzeln,“ verrät er. Bisher hat er bereits 15 Bücher geschrieben. Kritik übt Tisal bei all der Hektik: „Das Lei Los‘n ist ein Begriff der leider ausstirbt. Die Gemütlichkeit, das unbeschwerte in den Alltag gehen, wird immer seltener. Alles ist nur mehr in Eile. Das Handy ersetzt das Gespräch, der Computer verbindet uns mit der Welt und man übersieht bei alle dem das Umfeld in der näheren Umgebung. Es interessiert viele nicht einmal mehr wie es den Nachbarn geht. Eine Entwicklung die bedenklich ist.“

Immer am Boden geblieben und für einen guten Schmäh zu haben – Villachs Original mit österreichweiter Bekanntheit – unser EU-Bauer Manfred Tisal. - © KK

„Für das Ende meines Lebens wünsche ich mir, dass mir ein Lächeln übrig bleibt.“
Manfred Tisal – EU-Bauer, Kabarettist, Moderator, Autor

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