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Politik
Integrationspass1
© Stadt Villach

Weichen für gesellschaftliches Zusammenleben

Einführung eines Integrationspasses

Villach – Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser präsentiert den Villacher Integrationspass und will damit Integration beschleunigen: „Flüchtlingen wird mit dem neuen Pass in Form von mehreren zu absolvierenden Kursen alle Informationen über unsere Art des Zusammenlebens, unsere Rechtsstaatlichkeit und den Umgang miteinander vermittelt!“

„Schon heute werden die Weichen für den gesellschaftlichen Frieden und Wohlstand in der Zukunft gelegt. Wichtigste Frage: Wie kann es uns gelingen, jene Menschen, die bei uns bleiben werden, frühzeitig, also vom ersten Tag an, zu integrieren?“ betont Villachs Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser. Faktum sei, so Sandriesser, dass derzeit von vielen Flüchtlingen Kurse gar nicht beziehungsweise gleich mehrfach besucht werden oder sogar Frauen verboten wird, daran teilzunehmen. „Mein Vorschlag ist deshalb die Einführung eines ,Integrationspasses´ mit verpflichtenden Kursen für Flüchtlinge.“ Darin seien Pflichten und Angebote festgehalten, die erfüllt und angenommen werden müssen. Bund aber auch das Land Kärnten sind gefordert, diesen Pass dringend umzusetzen. Das Land, das derzeit ja bekanntlich ein Integrationsleitbild für Kärnten erarbeitet, soll den Pass verpflichtend darin verankern.

„Im Bund fehlt ein zielorientierter Aktionsplan!“

Vergleichbar dem „Mutter Kind Pass“ begleitet der Villacher Integrationspass den Asylwerber von Beginn an bis zu dessen Asylbescheid und darüber hinaus. Er enthält verpflichtende Tätigkeiten, die für den Erhalt freiwilliger Leistungen notwendig sind. Der Pass sorgt von Beginn an für eine strukturierte Vorgehensweise bei der erfolgreichen und nachhaltigen Integration von Asylberechtigten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. „Im Moment fehlt leider ein zielorientierter Aktionsplan zur verpflichtenden Weiterentwicklung der Asylberechtigten“, kritisiert Sandriesser insbesondere den Bund!

Integration gelingt nur gemeinsam!

Sandriesser: „Weil Bund und Land säumig sind, setzen wir jetzt in Villach mit einem eigenen Integrationspass einen ersten Schritt. Wir wollen Ihnen in Form von mehreren zu absolvierenden Kursen alle Informationen über unsere Art des Zusammenlebens, unsere Rechtsstaatlichkeit und den Umgang miteinander deutlich machen. Hier werden Asylwerbern beispielsweise die Position von Frauen in unserer Gesellschaft und Kinderrechte vermittelt. „Nämlich“, so Sandriesser, „dass Frauen selbstbestimmt sind und es eine Schulpflicht gibt.“ Es gehe „gar nicht, dass ein Junge die Anordnungen einer Lehrerin verweigert, weil sie eine Frau ist.“ Wir erwarten uns – so Sandriesser – von den Asylwerbern, dass auch Sie Ihren Beitrag für eine gelungene und nachhaltige Integration leisten. Denn: Integration und ein gutes und friedliches Miteinander kann nur gemeinsam gelingen!“

Erstgespräch

Ziel der Integrationsmaßnahmen ist, den Flüchtlingen ab dem ersten Tag Orientierung, Sprache und Qualifikation anzubieten. Sandriesser: „Die integrationspolitische Systembruch zwischen Asylgewährung und Asylverfahren soll sozusagen aufgelöst werden. Deshalb planen wir auch Flüchtlinge zu einem Erstgespräch einzuladen und Ihnen dann den Integrationspass auszuhändigen. Dabei wird Ihnen auch der Pass und die einzelnen Module entsprechend vorgestellt.“

Die Module des Integrationspasses:

Modul 1: Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Sicherheit

Behörden, die Polizei und Gerichte dürfen nur aufgrund der Gesetze handeln. Die Staatsmacht ist auf mehrere Stellen verteilt, welche sich gegenseitig kontrollieren. Jeder Mensch kann sein Leben frei gestalten, solange er nicht gegen das Gesetz verstößt. Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich. Alle staatlichen Stellen und Behörden dürfen nur auf Basis der Gesetze handeln. Vorstellung der wichtigsten Gesetze.

Modul 2: Frauen und Gleichberechtigung

In Österreich gibt es verschiedene Modelle des Zusammenlebens: Mann und Frau, mit oder ohne Kind(er), verheiratet oder unverheiratet, Homosexualität, AlleinerzieherInnen, Väterkarenz, Großfamilien eher selten, jede Person darf selbst entscheiden, wie sie leben möchte. Die PartnerInnen darf sich jede Person selbst aussuchen. Das Gesetz verbietet körperliche und/oder psychische Gewalt gegen PartnerInnen und/oder Kindern und es drohen harte Strafen. Sexuelle Belästigung (Beispiele!) sind ebenso verboten. Anlaufstellen für Frauen vorstellen (z.B.: Frauenhaus), Wegweisungsrecht, Entzug des Sorgerechts. Langer Kampf bis zur Emanzipation, Frauen dürfen und sollen eine Ausbildung machen und arbeiten. Frauen und Männer haben die gleichen Rechte und Pflichten. Frauen können daher auch in Österreich eine Führungsposition inne haben und somit Vorgesetzte in der Arbeit oder Lehrerin/Direktorin in der Schule sein.

Modul 3: Bildungssystem

Deutsch zu lernen ist absolut notwendig, um in Villach einen Beruf zu finden und sich im Alltag zurechtzufinden. Das Bildungssystem ist für alle offen. Der Staat finanziert diese Bildung größtenteils. Kinder müssen in die Schule gehen und die Eltern sollten sie unterstützen. Lerncafés vorstellen! Kindergarten-, Schul- und Mitwirkungspflicht! Vorstellung Schulen und Kindergarten, Angebot der Erwachsenenbildung (Nachholen des Hauptschulabschlusses etc.)

Modul 4: Harmonisches Zusammenleben in Villach

Verschiedene Formen des Zusammenlebens (WG, Eigentum, Mietwohnung, geförderte Wohnung), Einhaltung der Hausordnungen, Input Mülltrennung, Input Energie sparen durch das Team von Christian Salmhofer, Ruhezeiten und Nachtruhe sind einzuhalten, informelle Regeln: wenn man NachbarInnen sieht: grüßen, Rücksicht auf ältere Personen oder Kinder nehmen (z.B.: helfen den Kinderwagen über die Treppe tragen), bei Neueinzug: Vorstellen!

Modul 5: Arbeitsmarkt, Sozialsystem und Gesundheit

Unselbstständiges vs. Selbstständiges Arbeitsverhältnis, Mindestsicherung, Arbeitslosengeld, Pension, Karenzgeld, Familienbeihilfe, Pflichtversicherung – woher kommt das Geld?

Gesundheitssystem durch SteuerzahlerInnen finanziert, erste Ansprechperson außer bei akuten Verletzungen (z.B.: Beinbruch etc.): der/die HausärztIn. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: z.B.: Gesundenuntersuchung, weibliche Gynäkologin, Besuchszeiten im Krankenhaus, Notfallnummern.

Modul 6: Sport, Freizeit, Vereine

Vorstellung der einzelnen Vereine, warum ist es gut, sich in einem Verein einzubringen? In Villach gibt es viele Vereine, sie tun Gutes für alle. Viele Leute arbeiten in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Vereinen. Ohne diese Vereine und Organisationen könnten viele Dinge nicht so gut funktionieren.

Grundsätzliches Verhalten: Hand geben zur Begrüßung und Verabschiedung, den Personen in die Augen schauen, sollte man einen Termin nicht einhalten können, ist die Person unbedingt darüber zu informieren

Modul 7: Bräuche, Kultur und Festivitäten

Villach lebt viele Bräuche und Feste, z.B.: Villacher Kirchtag, Fasching, Religiöse Feste und dazugehörige Bräuche (z.B.: Ostern), Vorstellung der gängigen Bräuche.

Villach ist offen für verschiedene Religionen, solange sie im Zusammenhang mit der individuellen Freiheit stehen. Die Religion darf jede Person selbst wählen, ausüben, verschweigen oder aufgeben. Ab dem Alter von 14 Jahren darf man sich selbst für oder gegen eine Religion entscheiden. Wir trennen nicht zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“. Partizipation bei Festivitäten und Bräuchen erwünscht.

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