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Trecolore-Architekt Dipl.-Ing.Hermann Dorn
Trecolore-Architekt Dipl.-Ing.Hermann Dorn © Trecolore Architects, Ingomar Leitner

Interview

„Impulsgeber für ein ganzes Viertel“

Villach – Interview mit dem Architekten des neuen Wohn- und Geschäftsgebäudes am Hans-Gasser-Platz, Dipl.-Ing. Hermann Dorn von Trecolore Arcitects, zur neuen Platzgestaltung und dem Konzept hinter dem von ihm entworfenen Gebäude.

Das neue Gebäude am Hans-Gasser-Platz sowie der Platz selbst sind nun fertig gestellt und wurden auch schon offiziell eröffnet. Bitte beschreiben Sie, wie Sie dieses moderne Gebäude in das bestehende Stadtbild integriert haben?

Trecolore-Architekt Dipl.-Ing. Hermann Dorn: Die Bebauungsvorgaben für den Neubau wurden von der Stadt Villach vorgegeben. Das gilt sowohl für die Baulinien, als auch für die Gebäudehöhe und die grundsätzliche Baumasse. Hinsichtlich der architektonischen Gestaltung ist es unsere Überzeugung, dass sich ein Neubau im Umfeld der zahlreichen großartigen historischen Gebäude am Hans-Gasser-Platz (der Palazzo Candolini, die ehemalige Hauptfeuerwache und das Bank Austria Gebäude stehen unter Denkmalschutz) nur dann harmonisch in das Stadtbild einfügt, wenn er sich durch zeitgemäße und selbstbewusste Architektur charakterisiert. Ein nüchterner Zweckbau oder gar ein Anbiedern an vergangene Epochen wären aus unserer Sicht nicht denkbar. Glücklicherweise haben die Projektinvestoren und auch die Stadt Villach unser Projekt mit Entschlossenheit und Mut unter-stützt.

Wie würden Sie Ihre Intention für die Gestaltung des neuen Gebäudes beschreiben? Was soll es neben seiner Funktion als Wohn- und Geschäftsgebäude bewirken?

Unsere Entwurfsüberlegungen greifen das Thema der mittels freistehenden Säulen und Pilastern sowie ausladenden Gesimsen sehr plastisch gegliederten Fassade des gegenüberliegenden Palazzo Candolini auf und modellieren es kontemporär weiter. Ebenso wie die vertikale Dreiteilung der Umgebungsgebäude mittels Mittelrisalit eine prägende Gestaltungsüberlegung der dem Hans Gasser Platz zugewandten Fassade bildet, findet der Eckturm des Bank Austria Gebäudes seine formale Entsprechung bei der Eckausbildung zur Ringmauergasse und schafft eine neue Torsituation.

Insbesondere die gerasterte Strukturfassade aus Weißbeton, welche den exklusiven Wohn- und Büroräumen trotz der großzügig lichtspendenden Verglasungen ein hohes Maß an Intimität spendet und im Erdgeschoss eine Arkade entstehen lässt, gibt dem Gebäude ein stark identitätsstiftendes Charakteristikum. Ein luftiger, steinerner Vorhang, der dem Baukörper – etwas metaphorisch formuliert – eine gewisse Porosität verleiht.

Blick auf den neuen Hans-Gasser-Platz und das neue Wohn- und Geschäftsgebäude

Was soll das neue Gebäude bewirken? Ganz klar – es soll impulsgebend für das gesamte Viertel sein. Es ist ganz natürlich, dass im Laufe der Zeit einzelne Liegenschaften oder gar ganze Stadtviertel an Bedeutung verlieren. Die Gründe dafür können vielfältig sein, liegen aber historisch betrachtet oft an veränderten Lebensgewohnheiten und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Dann wird eine Erneuerung notwendig, um den geänderten Bedürfnissen gerecht zu werden. Das muss nicht unbedingt ein Neubau sein, auch eine Renovierung kann eine Revitalisierung bewirken. Das Kastner & Öhler Gebäude war jedoch ganz auf die Bedürfnisse eines Warenhauses der 1980er-Jahre zugeschnitten; ein Umbau für eine geänderte Nutzung aufwendig und unwirtschaftlich. Das zeigt sich auch darin, wie lange das Gebäude letztendlich ungenützt blieb. Darüber hinaus ergab sich erst durch den Rückbau des alten Gebäudes die Möglichkeit zur Neugestaltung eines innerstädtischen Platzes.

Mit der Konzeption des neuen HGP9-Gebäudes haben wir ganz bewusst nur wenige neue Flächen für den Handel bzw. Gastronomie (ein Herrenmodefachgeschäft sowie ein Restaurant) im Erdgeschoss geschaffen. Dem Trend zum Rückgang von Handelsflächen kann nicht mit der Schaffung neuer Handelsflächen begegnet werden; das führt in erster Linie zur Verlagerung. Vielmehr war es unser Ziel, attraktiven Wohnraum zu schaffen. Das stärkt die Innenstadt nachhaltig. Sehr wertvoll ist auch der Umstand, dass Verwaltungsbehörden (Magistrat der Stadt Villach, Jugendabteilung bzw. die Landesschulbehörde) sowie weitere Büros in das neue Gebäude eingezogen sind. Diese ausgewogene Nutzung sorgt für eine Belebung des Platzes, ohne dass es zu einer nennenswerten Verlagerung von Handelsflächen kommt. Wir erachten diese Mischnutzung als zukunftsweisend für eine moderne Stadt mittlerer Größe.

Wie haben Sie persönlich die Fertigstellung erlebt? Ist dies auch für einen routinierten Architekten ein emotionaler Moment?

Die Fertigstellung eines Gebäudes ist immer ein besonderer Moment. Man ist stetig bemüht, seine Überlegungen, Ideen und konstruktiven Ausführungen umzusetzen. Die Wirtschaftlichkeit spielt ebenfalls eine sehr große Rolle und es ist daher erforderlich, bereits bei der Entwicklung die gesteckten Ziele genau zu definieren. Das ist nicht immer leicht. Wenn das gelingt, ist das ein gutes Gefühl. Projekte mit einem so starken Erneuerungsimpuls lösen aber immer auch eine kontroverse Debatte aus. Sowohl Lob und als auch Kritik motivieren mich für neue Aufgaben.

Ist die Symbiose zwischen neuem Gebäude und dem neu konzipierten Platz für Sie gelungen?

Auf die Platzgestaltung hatten wir natürlich keinen Einfluss. Die neue Weitläufigkeit und sein großzügiger urbaner Charakter (insbesondere, wenn im kommenden Jahr auch der westliche Teilbereich fertiggestellt sein wird) bilden aber ein ansprechendes Passepartout für unser Gebäude. Davon profitieren aber auch die historischen Gebäude wie der Palazzo Candolini, die ehemalige Hauptfeuerwache und das Bank Austria Gebäude. Heute haben wir einen Platz mit einer großzügigen Ausdehnung, der das gesamte Ensemble zu einem neuen Stadtviertel vereint.

Die Diskussion über den Platz sehe ich positiv; sie kann dazu beitragen, dass er bestmöglich genutzt wird. Denn ob ein Platz gelungen ist, zeigt sich letztendlich darin, wie er von der Bevölkerung angenommen wird. Das ist nicht ausschließlich eine Frage der Gestaltung, sondern vordergründig der Bespielung – also den Platz mit Leben zu füllen. Das sollte gelingen, denn der Platz hat nach wie vor viele Funktionen zu erfüllen: Er ist Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs, ein historisches Eingangstor zur Innenstadt; beherbergt Handel, Gastronomie und neuerdings auch Verwaltungsbehörden und ist Schauplatz für Märkte und Veranstaltungen. All das wird dazu beitragen, dass der Platz einen Charme entwickelt. Das muss von der Stadtverwaltung unbürokratisch unterstützt werden.

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