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Reportage
Nicht nur in der Innenstadt, auch bei den Einkaufszentren, nicht mehr zu übersehen: Die vermeintlichen Zeitungsverkäufer © KK

Wer sind diese aufdringlichen Personen?

Rumänische „Zeitungsverkäufer“ oder „Bettler“?

Villach – Wem sind Sie noch nicht begegnet? Die äußerst aktiven Verkäufer von Zeitungen, die in der Villacher Innenstadt oder an gut frequentierten Standorten rund um Villach ihr Produkt an den Mann bringen wollen. „Wollen Sie eine Zeitung kaufen“, lautet die erste Frage. Bei einem „Nein“ folgt „Eine Spende bitte, 50 Cent?“. Die Grenze zwischen dem Verkauf von Straßenzeitungen und Bettelei ist nicht immer klar. Wir fragten nach.

Das System

Junge, vitale rumänische Staatsbürger im Alter zwischen 18 und maximal 25 Jahren tummeln sich bei Sonnenschein an gut frequentierten Plätzen in Villach Stadt und den umliegenden Einkaufszentren, sprechen Passanten mit der Bitte „eine Zeitung zu kaufen“ an. Bei uns in Villach wird so zum Beispiel die Zeitung „Talk Together“ verkauft, die von einem Salzburger Verein herausgegeben wird.

„Die Leute stammen meist aus ärmlichsten Verhältnissen“, bestätigt uns die Kassiererin des Vereins, Beate Wernegger im Telefonat. „Wir produzieren circa 3.000 Zeitungen und das vier Mal im Jahr. Diese Zeitungen geben wir zum Großteil an Wiederverkäufer weiter – zum Preis von circa 1,25 Euro“, erklärt sie uns.

Ausgegeben werden die Zeitungen einmal wöchentlich in Salzburg. Auf der Straße kostet das Produkt dann 2,50 Euro, wovon 1,25 Euro dem Verkäufer zu Gute kommen sollen. Das System ist analog bereits bekannter Straßenzeitungen wie dem „Augustin“: Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, in soziale Not geraten sind mit einem Zusatzverdienst zu helfen.

Die Zeitung TALK TOGETHER, mit Vereinssitz in Salzburg, soll den Verkäufern einen „Zusatzverdienst“ ermöglichen. - © KK

Rumänische Verkäufer?

Auf die Frage warum gerade rumänische Verkäufer in Villach aktiv sind antwortet Wernegger: „Unsere Zeitung ist von und für Migranten und Nicht-Migranten. Wir wollen mit dem Produkt helfen!“. Wie lange sich die Personen in Österreich aufhalten, ist Wernegger nicht klar. „Aber es gibt auch Regeln von uns“, informiert Wernegger: „Unsere Leute sind mit einem Ausweis gekennzeichnet – eine Art Berechtigung die Zeitungen überhaupt verkaufen zu dürfen!“

Täglich anzutreffen: Die vermeintlichen Zeitungsverkäufer in der Innenstadt - © KK

20 Verkäufer aktiv

Die Zahl der Wiederverkäufer liegt laut Wernegger bei „20 Personen, die bei uns auch registriert sind. Aber wir wissen natürlich nicht genau, wie unser Produkt weitergereicht wird. Das lässt sich nur schwer nachvollziehen“. Die Verkäufer holen die Zeitungen und sorgen dann meist für eigene Vertriebswege. „Wir wollten nie eine Straßenzeitung machen, aber es hat sich im letzten Jahr so ergeben, da wir darum gebeten wurden, hier zu helfen“, erzählt uns Wernegger, deren Verein seit 2003 die Zeitung publiziert.

Gibt es Beschwerden?

„Ja, die gab es teilweise“, gesteht Wernegger. „Unsere Verkäufer sollen eigentlich die entsprechenden Standorte um eine Erlaubnis abfragen, ob sie dort aktiv werden können. Das funktioniert aber leider nicht immer. Unter den Verkäufer gibt es auch einen Kampf um den besten Standort – ein Konkurrenzkampf so zu sagen“, klärt sie auf.

Aus der Offenlegung der Zeitung - © KK

Ein Vorwand zum Betteln?

20 Verkäufer und 3.000 Zeitungen. Naja, dass wären dann bei 1,25 Euro die dem Verkäufer bleiben, knapp 190 Euro – und das für drei Monate! Leben wird davon wohl keiner können, aber die Überleitung der Verkäufer zum „Betteln“ ist Gang und Gebe. „Jedes Bundesland regelt seine Bestimmungen zur Bettelei selbst – die Gemeinden können dies mittels Verordnung noch konkretisieren“, schildert der Anwalt Mag. Hanno Stromberger und „Ein absolutes Bettelverbot ist unzulässig und stellt laut VfGH einen Verstoß gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung dar“.

Und das ist Verboten!

„Verboten ist in Kärnten das sogenannte aggressive Betteln wie zum Beispiel durch Anfassen, unaufgefordertes Begleiten oder gar Beschimpfen. Aber auch das Betteln in gewerbsmäßiger Weise, als Beteiligter an einer organisierten Gruppe, sowie das Veranlassen oder Mitführen unmündiger minderjähriger im Alter zwischen 7 und 14 Jahren als Personen zum Betteln, zieht eine Verwaltungsübertretung und damit eine Geldstrafe von bis zu € 700,- nach sich,“ klärt Stomberger auf.

„Die Grenze zwischen dem Verkauf von Straßenzeitungen und Bettelei ist nicht immer klar“, erklärt Rechtsexperte Mag. Hanno Stromberger - © 5min.at

Stilles Betteln erlaubt

Sogenanntes „stilles (passives) Betteln“ ist laut dem Rechtsexperten erlaubt und erfolgt zum Beispiel am Boden sitzend und mit Hand aufhalten. „Die Grenze zwischen dem Verkauf von Straßenzeitungen und Bettelei ist nicht immer klar. Wenn beispielsweise alte Zeitungen verkauft werden oder die Straßenzeitung nicht gekauft wird und stattdessen um eine Spende gebeten wird, liegt jedenfalls Betteln vor“, verrät der Anwalt.

Problem bekannt

Die Probleme mit den Zeitungsverkäufer, die in die Bettelei übergehen und in Gruppen auftreten, sind wie aus Polizeikreisen in Erfahrung gebracht werden konnte, bekannt. Es finden immer wieder Identitätskontrollen der Zeitungsverkäufer statt und die einzelnen Verkäufer werden laufend beobachtet. Wie die Gruppen organisiert sind, ob die Gelder und Spenden dann tatsächlich beim Verkäufer bleiben, ist unbekannt. Wir sind gespannt auf eure Meinung zu dem Thema, schreibt uns!

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