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Hannes & Martina auf ihrem Deutz © Hannes Schmid

Mit dem Traktor zum Großglockner

Ein echter Prinz kommt mit dem Traktor

Maria Gail/Großglockner – Hannes, Martina und Johannes aus Niederösterreich reisen zu Freunden nach Maria Gail. Erstmal nichts Ungewöhnliches. Doch im Schlepptau haben sie einen schwer beladenen Anhänger. Eine schon lang zuvor geplante Tour sollte endlich Wirklichkeit werden.

Das Ziel der Reise?

„Wir bezwingen den höchsten Berg Österreichs – mit unserem 81 Jahre alten DEUTZ-Traktor!“ lautet das Motto der Reise.

Mit dem Traktor?  Auf den Großglockner? Ganz so leicht geht das natürlich nicht. Der Tour gingen Tage, Wochen, Monate und Nächte voller Rückschläge voraus. Doch schließlich sollten alle Strapazen belohnt werden.

Am 25. Mai machten sich Hannes, Martina und Johannes auf den Weg nach Maria Gail: „Es brauchte nicht viel Überzeugungskraft und unsere Kärntner Freunde Hermann und Brigitte waren mit ihrem WACHARLOVSKI WT 20 mit dabei“, schildert uns Hannes Schmid.

Es geht los!

„Bereits am folgenden Tag, Freitag, den 26. Mai, war es so weit. Aufgeladen reisten wir frühmorgens nach Heiligenblut. Aufgeladen hatten wir, Hannes und Martina, unseren DEUTZ F1M414 von 1936, die PUCH MV 50 S Baujahr 1975 unseres Sohnes Johannes  und natürlich Hermann und Brigitte mit ihrem WACHARLOVSKI WT 20 von 1959“, so Hannes. Wer sich jetzt fragt, was ein Deutz, eine Puch und ein Wacharlovski sind: Der Deutz und Wacharlovski sind Traktoren, die Puch ein Moped.

Händisch einspritzen, Glühfix rein, schnell und kräftig kurbeln, Dekompressor umlegen – wie ein Donnerschlag klingt die erste Zündung. Hannes eklärt: „Angekurbelt! Ja, unser DEUTZ besitzt keine Elektrik, sprich auch keinen elektrischen Anlasser, er muss noch angekurbelt werden.“

Mit stolzen 7,7 km/h zur Mautstelle

Kaum gestartet lässt Hannes Hermann und Brigitte wissen: „Klar seid ihr schneller – aber wir sind vor euch!“ – Hermanns WACHARLOVSKI erreicht laut Werksangabe mit seinen 18 PS ca. 25,7 km/h. Der DEUTZ hingegen „nur“ 7,7 km/h.

Trotzdem scheint man bei der Fahrt jede Menge Spaß gehabt zu haben, wie dieser nicht ganz ernstgemeinte Erlebnisbericht beweist… 😉

Entschleunigen statt Beschleunigen

Auf der langen Geraden rasen wir mit unserem 11er DEUTZ mit Vollgas auf den Bremspunkt der ersten Kehre zu. Schon lange sind wir daran vorbeigefahren und ich steh immer noch voll am Gas. Das kann so nicht gut gehen. Am Punkt, wo ich gefühlsmäßig die Bremse wieder lösen würde, steige ich erst in die Eisen. Der Kopf wird nach vorn gezogen und mit jedem Zentimeter steigt das Gefühl, mit einer Giraffe verwandt zu sein. Kaum den Scheitelpunkt erreicht, steige ich schon wieder voll aufs Gas, um binnen Minuten den Top Speed von 7,7 km/h zu erreichen. Einfach unvorstellbar. „Ihre Tabletten, Herr Schmid!“, schallt eine Stimme aus dem Hinterkopf.

Endlich am Ziel

Die Großglockner Passstraße führt mit ihren Kurven und Kehren tief hinein ins Zentrum des größten Nationalparks Österreichs. Kehre für Kehre – die immer dünner werdende Luft – steigen die Oldtimertraktoren immer höher. Wallackhaus – Hochtor – Mittertörl – Fuscherlacke – Fuschertörl – um 18.15 Uhr erreicht die ungewöhnliche Gruppe nach 42 gefahrenen Kilometern auf 2.571 m die Edelweißspitze.

Zahlreiche Dreitausender öffnen sich dem staunenden Blick, aber der Größte von allen ist der Großglockner. Mit 3.798 m überragt der markante Berg, bei klarer Sicht und strahlend blauen Himmel, die gesamte Region und ist gleichzeitig der höchste Gipfel der Alpenrepublik.

„Mit Sekt besiegeln wir vor der Kulisse eines traumhaften Sonnenunterganges um 20.52 Uhr unseren Sieg! Wir parkten unsere Traktoren und das Moped verdient in Österreichs wahrscheinlich höchst gelegener Garage“, schwärmt Hannes.

Am nächsten Morgen, um 5.15 Uhr, erwartete die Gruppe schließlich noch ein herrlicher Sonnenaufgang in den Bergen, ehe es wieder bergab ging. Unten angekommen bemerkte der Fahrer seines original nur mit einer Getriebehandbremse ausgelieferten DEUTZ: „Mit de Bremsen hät i heit liaba ka frische Unterhosn auziagn solln!“

Fazit der verrückten Reise?

„Mit dem Traktor auf den Glockner? Ein Mann muss tun was er tun muss“, lautet das Schlusswort von Hannes.

Hermann und Brigitte aus Maria Gail am Ziel - © Hannes Schmid

Und übrigens...

…sollte euch irgendwo auf den Straßen unseres Landes ein alter grüner „langsam reisender“ DEUTZ-Traktor, das eine oder andere alte nach Gemisch „riechende“ HMW-Moped oder ein „fliegendes“ HOREX-, YAMAHA- oder TRIUMPH-Seitenwagen-(renn-)gespann in die Quere kommen, lächelt und winkt – es könnte Hannes Schmid sein!

Ihr habt auch verrückte Reiseberichte? Dann schreibt uns an redaktion@5min.at

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