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Hintergrund
© pixabay

Das Frauenhaus Villach hilft!

Tabuthema: Häusliche Gewalt

Villach – Häusliche Gewalt ist ein Tabuthema. Betroffene Frauen trauen sich oft aus Angst oder Scham nicht, aus einer gewalttätigen Beziehung auszubrechen oder darüber zu sprechen. Eine Anzeige erfolgt häufig nicht, die Dunkelziffer ist dementsprechend hoch. Vereinzelt erreichen unsere Redaktion dennoch Meldungen der Polizei über eskalierende Ehestreitigkeiten. Anlass genug, um einmal näher zu Beleuchten, an wen man sich wendet, wenn die Situation ausweglos erscheint.

Was tun, wenn man in einer gewalttätigen Beziehung gefangen ist? Das Frauenhaus Villach bietet dafür seit 20 Jahren eine anonyme Zufluchtsmöglichkeit. Unerheblich ist es dabei, ob Frauen zum Opfer körperlicher Gewalt wurden oder ob sie psychischer Gewalt ausgesetzt sind.

Der erste Schritt

Jede von Gewalt betroffene Frau kann sich telefonisch (aber auch ambulant in einem persönlichen Gespräch) zuerst informieren, welche Möglichkeiten sie hat, aus ihrer Situation zu entkommen. Natürlich kann auch jede Frau das Frauenhaus besichtigen, bevor sie sich zu einem Einzug entscheidet.

Hilfe rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr:


Frauenhaus Villach: 04242/31031
Polizei: 133
Rettung: 144

Viele weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Frauenhauses

Im Frauenhaus werden die Betroffenen dann durch ausgebildete Betreuerinnen bestmöglich unterstützt. Die Frauen sollen sich erholen und Selbstvertrauen tanken. Im Zentrum der Bemühungen steht jedoch das Ziel, Frauen ein selbständiges Leben zu ermöglichen.

Auch das kommt vor: Der Weg zurück

Etwa 20 Prozent der betreuten Frauen in Villach gingen in den letzten beiden Jahren wieder zurück zu ihrem Partner. Wir wollten wissen warum und haben uns daher mit der Geschäftsführerin des Frauenhauses Villach, Gerith Laure-Kelz, unterhalten:

Warum gehen Ihrer Erfahrung nach Frauen so häufig zu einem gewalttätigen Partner zurück?


Natürlich kommt es immer wieder vor, dass Klientinnen der Partnerschaft noch eine Chance geben wollen, zumal (Ex-)Partner gerne viele Versprechungen machen, was sich alles zum Positiven ändern wird, sollte die Frau zurückkommen. Eine Trennung ist neben der emotionalen Belastung vielfach auch eine finanzielle Herausforderung, außerdem verlässt frau nicht nur den Partner, sondern auch das Umfeld, die Familie, den Freundeskreis. Eine Frau z.B. aus dem Gailtal muss für die Kinder einen Schulwechsel organisieren, in Villach muss sie sich ein neues soziales Umfeld aufbauen, Freunde und Familie, die bei der Kinderbetreuung unterstützt haben, fallen weg, u.v.m.

Außerdem hinterlässt jahrelange Gewalterfahrung Spuren. Wenn frau laufend hört, dass sie es alleine nicht schafft, dass sie nichts kann und nichts wert ist, wirkt sich dies auf das Selbstbewusstsein aus, die ständige Angst in der Partnerschaft lähmt, nimmt Kraft und führt dazu, dass sich Frauen viel zu wenig zutrauen. Es ist ein riesen Schritt, öffentlich zu machen, dass es Probleme in der Partnerschaft gibt und um Hilfe zu bitten. Wenn Klientinnen erfahren, welche Rechte sie haben, wo sie sich Hilfe holen können, welche Drohungen haltlos sind, ist ein erster Schritt dahin getan, dass sie sich von häuslicher Gewalt befreien. Wenn der Schritt der endgültigen Trennung auch noch nicht geschafft wurde, ist trotzdem einiges erreicht – die Klientinnen wissen zumindest, wo sie Hilfe erhalten und können bei Bedarf jederzeit wiederkommen – vielleicht ist beim zweiten Anlauf dann der richtige Zeitpunkt für eine endgültige Trennung erreicht.

Wie lange sind Frauen im Schnitt in einer gewalttätigen Beziehung, bevor sie den Schritt ins Frauenhaus wagen? Was gibt meist den Ausschlag? Ein Schlüsselerlebnis?


Unsere Klientinnen haben meist jahrelange gewaltvolle Beziehungen hinter sich, bevor sie sich Hilfe und Unterstützung holen. Warum sie dann den Schritt ins Frauenhaus schaffen, ist unterschiedlich. Oftmals deshalb, weil sie über die Kinder- und Jugendhilfe oder eine andere Organisation von dieser Möglichkeit erfahren, manchmal weil die Kinder mitbetroffen werden, weil es gesundheitliche Folgen gibt. Oft ist der Grund, dass sich etwas verändert – z.B. die Art oder Intensität der Gewalt. All unsere Klientinnen kommen nicht nach dem ersten Übergriff zu uns, es gibt verschiedenste „Problemfelder“, die es zu beseitigen gilt, um wieder gewaltfrei und selbstbestimmt leben zu können.

Kann man als Außenstehender helfen? Was raten Sie zum Beispiel einem Nachbarn, der bemerkt, dass seine Nachbarin psychisch/physisch misshandelt wird?


Oft fällt der Rat, wenn sich ein Paar streitet: „… ja dann trennst du dich halt….“ Sagen sollte man aber: „Wenn du dich zu einer Trennung entscheidest, pass besonders auf deine Sicherheit und Gesundheit auf.“ Außenstehende sollen keinesfalls wegschauen. Wenn Gefahr im Verzug ist und Nachbarn mitbekommen, dass eine Frau oder Kinder in akuter Gefahr sind, sollte unbedingt die Polizei kontaktiert werden, diese hat dann die Möglichkeit, den Gefährder wegzuweisen. Eine Trennung kann nicht erzwungen werden. Auch wenn das gesamte Umfeld nicht verstehen kann, dass die Frau den Partner nicht verlässt – sie wird es erst dann schaffen, wenn sie selbst soweit ist. Es ist daher sehr sinnvoll, die Frau über Hilfsmöglichkeiten zu informieren – Beratungsstellen, Frauenhäuser, Kinder- und Jugendhilfe etc. Sie soll von Möglichkeiten der Beratung und Betreuung erfahren. Diese Beratung dann selbst aktiv in Anspruch zu nehmen, ist der erste und sicherlich schwierigste Schritt – aber auch der erste Schritt in ein mögliches Leben ohne häusliche Gewalt!

Mag.a Gerith Laure-Kelz, Geschäftsführerin Verein Frauenhaus Villach - © KK

Zahlen und Daten aus dem Frauenhaus Villach

2016 wurden in Villach insgesamt 27 Frauen beherbergt. Abgesehen von den Aufnahmen wurden weitere 299 telefonische und 31 ambulante Beratungen durchgeführt. Weitere zwei Beratungen erfolgten per E-Mail.

Das Frauenhaus Villach ist auf Unterstützung angewiesen

Der Verein Frauenhaus Villach ist eine soziale Einrichtung, die auf Subventionen, Spenden und die Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen angewiesen ist. Ohne diese wäre es nicht möglich, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Hilfe und Rat für von Gewalt betroffenen Frauen zu gewährleisten.

Die Unterstützung kann durch Geld- oder Sachspenden (Bekleidung, Geschirr, Spielsachen,…) geschehen. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Zahlen & Daten: Gewalt gegen Frauen in Österreich

  • 20 % erlebten seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt
  • 15 % erlebten Stalking
  • 35 % erlebten eine Form der sexuellen Belästigung
  • 38 % erlebten psychische Gewalt durch ihren (Ex-)Partner

Quelle: FRA-Studie. Gewalt gegen Frauen. Eine EU-weite Erhebung. 2014

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