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Politik - Villach
LH Peter Kaiser (ganz links) und Nadine Hell (erste Reihe, rechts) mit Teilnehmern des Integrationsleitbildes des Landes Kärnten © LPD/Steinacher

Integrationskonferenz in Cap Wörth

Hilfe vor Ort statt Mauern

Velden – Im Rahmen des Integrationsleitbild-Prozesses des Landes Kärnten fand gestern, Montag, im Jugend- und Familiengästehaus Cap Wörth die dritte Integrationskonferenz statt. Auf dem Programm standen neben einem Prozessrückblick die Präsentation des Integrationsleitbildes "Gemeinsam in Kärnten" sowie eine Podiumsdiskussion und das Statement von Integrationsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser.

„Das Integrationsleitbild war eine selbstgestellte Aufgabe im Regierungsprogramm der Koalition, das im Jänner von der Landesregierung beschlossen wurde und nun zur Behandlung im zuständigen Ausschuss im Landtag vorliegt“, berichtete der Landeshauptmann.

Positive Entwicklung weiter vorantreiben

Man tendiere dazu, viele positive Entwicklungen als normal einzustufen, sagte Kaiser und bezog sich dabei auf beispielsweise den polylogen Dialog der Religionen oder den Bildungsbereich. „Im tertiären Bildungssektor – wie beispielsweise FH, Uni und pädagogische Hochschule – haben Integrationsmaßnahmen einen fixen Stellenwert und werden überall mitgedacht.“ Auch im Sport gelinge Integration sehr gut und Integrationsmaßnahmen seien bereits Bestandteil der Verwaltungsakademie des Landes Kärnten. Es sei schon einiges bewegt worden, aber die positiven Beispiele müssten fortgesetzt und intensiviert werden.

LH Peter Kaiser mit Kathrin Stainer-Hämmerle und Esad Memic bei der Präsentation des Integrationsleitbildes des Landes Kärnten - © LPD/Steinacher

Nächster Schritt: Umsetzungsgruppen

„Manchmal ist weniger weiterführender, daher müssen wir jetzt das Augenmerk auf Fokussierung legen“, sagte der Landeshauptmann. Der nächste festzumachende Schritt sei die Einrichtung von Umsetzungsgruppen. Vorgeschlagen hat der Landeshauptmann auch einen Integrationsbeirat, der beim jeweiligen Referenten in der Landesregierung angesiedelt sein soll, damit die Ergebnisse dorthin kommen, wo die Umsetzung politisch machbar sei.

95 % anerkannter Asylwerber verlassen Kärnten

Integrationsbemühungen gebe es in Schulen und in ganz besonders hohem Ausmaß in Kinderbetreuungseinrichtungen. „Das ist aber nicht reduziert auf Asylwerber, sondern betrifft alle kleinen Erdenbürger, die eine andere Sprache haben“, so Kaiser. Der Landeshauptmann wies auf ein Problem hin, das positive Asylbescheide angehe: „Mehr als 95 Prozent der Menschen, die Asyl zuerkannt bekommen haben, verschwinden innerhalb der nächsten Monate aus Kärnten.“ Das mache mittel- und langfristige Konzepte wie beispielsweise eine Lehrlingsausbildung zunichte. In dieser Frage gebe es eine enge Zusammenarbeit mit dem AMS.

Hingewiesen hat der Landeshauptmann auch auf die Wichtigkeit des Sprachenerwerbs, der ein Indikator für erfolgreiche Integration sei. Besonders kritisiert hat Kaiser den Umgang in sozialen Medien, der „an Verbrechen grenze bzw. überschreite“. Die Welt der Anonymität werde zur immer größer werdenden Quelle von Halbunwahrheiten und Lügen, aber es mache ein klein wenig Hoffnung, dass sich nun auch schon große Medien diesem Problem stellen würden.

Maßnahmen vor Ort sollen helfen

„Wollen wir mit Steuergeld Mauern bauen, die immer höher werden, oder sollte nicht der reiche Teil der Erde dem ärmeren – mit einer Art Marshallplan – Mittel zur Verfügung stellen, um im eigenen Land ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Wir werden für die Ungerechtigkeiten der Welt so oder so zahlen müssen, daher würden Maßnahmen vor Ort allen Menschen helfen.“ Der Integrationsreferent bedankte sich bei allen, die geholfen haben, ein so umfassendes Integrationsleitbild für Kärnten zu erstellen.

„Das Leitbild soll nicht statisch, sondern dynamisch sein, also immer wieder weiterentwickelt werden, und zwar gemeinsam – für ein friedliches Zusammenleben. Die in diesem Leitbild festgehaltenen Maßnahmen verstehen sich als Ideen- und Vorschlagskatalog. Er darf als lebendige Arbeitsunterlage verstanden werden, als Orientierungshilfe, die uns ein Zusammenleben in Pluralität erleichtert“, so Kaiser.

Rolf Holub: „Ich stehe voll hinter dem, was Ihr erarbeitet habt“

„Ich stehe voll hinter dem, was Ihr erarbeitet habt“, sagte Landesrat Rolf Holub. Es sei schön, dass sich Menschen trauen würden, etwas in die Hand zu nehmen. „Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, ist wichtig, denn Menschenrechte müssen gelebt werden und jeder hat seine Menschenrechte.“ Aus Angst vor Fremden würden wir uns selbst beschneiden. „Wir müssen lernen die Angst zu überwinden und brauchen viel Toleranz und Liebe“, betonte Holub.

Marika Gruber von der FH Kärnten gab einen Rückblick zum Integrationsleitbild-Prozess und Nadine Hell aus dem Flüchtlingsreferat der Kärntner Landesregierung betonte, dass das Leitbild ein lebendiges Dokument sei, das weiter offen diskutiert werden soll.

Unter den zahlreichen Anwesenden waren auch Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger und Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle.

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