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Würden alle Menschen so verschwenderisch wie die ÖsterreicherInnen leben, befände sich die Erde heuer bereits seit 11. April im ökologischen Defizit.
Würden alle Menschen so verschwenderisch wie die ÖsterreicherInnen leben, befände sich die Erde heuer bereits seit 11. April im ökologischen Defizit. © fotolia.com © Schlegelfotos

Jahreseinkommen an erneuerbaren Umweltressourcen verbraucht:

Welterschöpfungstag 2017

Villach/ Klagenfurt – In knapp sieben Monaten hat die Menschheit heuer ihr gesamtes Jahreseinkommen an erneuerbaren Umweltressourcen verbraucht. Heute, dem 2. August ist der so genannte Welterschöpfungstag.

 5 Minuten Lesezeit (629 Wörter) | Änderung am 02.08.2017 - 11.23 Uhr

Vom 2. August an leben wir für den Rest des Jahres von den Vorräten der Zukunft und zehren dabei unwiederbringliches Naturkapital auf. Diese alarmierende Meldung ergibt sich aus den jährlich durchgeführten Berechnungen des Global Footprint Network, ein internationaler Think Tank zum Thema Nachhaltigkeit, an dem die Österreichische Plattform Footprint in Allianz mit den größten heimischen Umwelt-NGOs aktiv beteiligt ist.

Drei Planeten für Ressourcen

„Dabei ist zu bedenken, dass weltweit immer noch viele Milliarden Menschen in bitterer Armut und mit sehr kleinen Footprints leben.  Die Übernutzung passiert nur durch eine globale Minderheit, zu der auch wir EuropäerInnen gehören. So verursachen die reichen Länder 60 Prozent des weltweiten ökologischen Fußabdrucks allein durch ihren CO2-Ausstoß.Würden alle Menschen so leben wollen wie wir, bräuchte es drei Planeten, um die Ressourcen bereit zu stellen. Wir müssen also bei uns anfangen, den Fußabdruck zu verkleinern!“ sind sich die Umweltorganisationen WWF und GLOBAL 2000 einig.

In Österreich muss noch viel getan werden

Auch Österreich ist noch keinesfalls auf einem zukunftsfähigen Weg. Teile der Bundesregierung wollten im Kontext mit der dritten Flughafenpiste in Schwechat sogar ernsthaft das Wirtschaftswachstum auf Kosten des Umweltschutzes zum offiziellen Staatziel erklären, anstatt endlich Kostenwahrheit im Flugverkehr zu verwirklichen. Umgekehrt geht die Umsetzung der UNO-Nachhaltigkeitsziele nur sehr schleppend voran. Würden alle Menschen so verschwenderisch wie die ÖsterreicherInnen leben, befände sich die Erde heuer bereits seit 11. April im ökologischen Defizit.

Aus WWF-Sicht kann die Öko-Schuld der Alpenrepublik nur durch die systematische Halbierung des Energieverbrauchs und den nahezu 100prozentigen Umstieg auf naturverträgliche, erneuerbare Energieversorgung abgebaut werden. „Das wichtigste Instrument dabei ist ein wirksames CO2-Preissignal. Und umweltschädliche Subventionen wie etwa für den Flugverkehr oder für Dieseltreibstoff müssen endlich gestoppt werden!“ fordert Jurrien Westerhof vom WWF Österreich.

Verbauung sorgt für Unmut

Auch die Verbauung der österreichischen Natur schreitet voran. Nach wie vor gehen täglich rund 15 Hektar wertvoller Boden unter Asphalt und Beton verloren, das Sechsfache des Zielwertes in der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie mit 2,5 Hektar. Durch diese Verbauung wird dem Boden die Fähigkeit zum Speichern von CO2 und Wasser genommen, wodurch Hochwasserereignisse immer schlimmere Folgen haben. „Österreich muss mit dem unnötigen Versiegeln von Flächen aufhören, wenn es Ernährungssicherheit erreichen und besser auf die Auswirkungen des von uns verursachten Klimawandels vorbereitet sein will!“, so Bernhard Wohner von GLOBAL 2000.

Südliche Länder am stärksten betroffen

Besonders vom Overshoot betroffen sind die Länder des Südens, die meist am wenigsten dazu beitragen. Ihnen fehlen die finanziellen Mittel, die fehlenden Ressourcen  und Naturleistungen kaufen zu können. „Unsere Freiheit, einen ressourcenintensiven Lebensstil auf Kosten des Planeten zu wählen, endet dort, wo sie die Freiheit anderer Erdenbürger beschneidet, ein menschenwürdiges Leben zu leben – oder überhaupt zu überleben!“ sollte die goldene Regel global neu formuliert werden.

“Angeblich wird bereits viel für Nachhaltigkeit unternommen, doch die Tatsache, dass der Overshootday nicht in Richtung  Jahresende wandert, zeigt einmal mehr, dass alle bisherigen Maßnahmen zu kurz gegriffen haben“, so Pekny.

Footprint fordert Reduktion des Ökologischen Fußabdrucks

Die Plattform Footprint fordert als ein zentrales Staatsziel die Umsetzung aller (ohnehin verbindlichen) Sustainable Development Goals (SDG) bei gleichzeitiger Reduktion des Ökologischen Fußabdrucks auf ein global verträgliches Maß. Zur Erfüllung dieses Ziels müssen zuallererst die Treibhausgasemissionen reduziert werden. Verbindliche Klimaschutzgesetze müssen für die neue Bundesregierung deshalb oberste Priorität haben.

Nicht zuletzt muss mit fairen Verteilungs-Mechanismen dafür gesorgt werden, dass der volkswirtschaftlich gewonnene Mehrwert für alle Menschen nutzbar wird. „Ein solches, zukunftsfähiges Wirtschaften ist nicht nur notwendig sondern auch machbar und würde entscheidende Vorteile bringen – für die Umwelt, die Menschen und die nachhaltig ausgerichteten Unternehmen gleichermaßen“, so die NGOs abschließend.