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Wirtschaft - Villach
Reportage
Top 5 © KK

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„Als Wirt fühlt man sich wie ein Idiot!“

Villach – Auf ein letztes Bier im Gasthof „Zum frustrierten Wirt“? Oder „Die Perversion der Gesetze und ihre Folgen für uns“, alles passende Titel für eine Story, die Tag ein und Tag aus von vielen unserer Wirte erzählt werden könnte. Eine Allergenekennzeichnung für die Schinkensemmel, eine elektronische Registrierkasse mit Bondrucker und Barrierefreiheit für eine Hütte auf 2.500 Meter Seehöhe – Themen die seit Jahren für heiße Diskussionen an der Theke und für so manche geschlossene Lokaltür sorgen. Und diese Verordnungen reißen nicht ab: Das Nichtrauchergesetz und eine Farbtabelle für die Zubereitung von Pommes Frites stehen nun vor der Türe.

Wie heiß dürfen deine Pommes frittiert werden? Keine Sorge, diese Frage regelt nun die EU. Acrylamid heißt die gefährliche Substanz, die es nun aus unseren Speisen zu verbannen gilt. Diese entsteht beispielsweise beim Rösten oder frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln oder Mehr. Was ist zu tun? Frittieröl darf 175 Grad Celsius nicht übersteigen, Kartoffeln nicht unter sechs Grad aufbewahrt werde und die rohen Kartoffelstücke sollen blanchiert oder eine halbe Stunde eingeweicht werden, damit die Stärke verschwindet.

Richtige Färbegrad bei Schinken-Käse-Toast

Du magst deinen Toast gerne knusprig? Nix da, „Gastronomiebetreiber haben dafür zu sorgen, dass alle Toasts eine optimale Farbgebung haben. Bei Weißbrot soll die optimale Kombination aus Farbe und Acrylamidgehalt anhand von Farbtabellen ermittelt werden“, heißt es in einem aktuellen Gesetzesentwurf der EU-Experten. Da bleibt einem ja der Toast im Hals stecken – wenn man in der Gastroküche die Farbtabelle über dem Toaster entdeckt und es stellt sich wirklich die Frage, sind das unsere Probleme, die es sofort zu lösen gilt?

Wie knusprig deine Pommes sind, könnte bald schon die EU entscheiden… - © Pixabay

„Fühle mich wie ein Idiot!“

„Verkohlt“ müssen sich ja dabei unsere Wirte fühlen, oder? „Wir servieren ja niemanden verkohlte Pommes. Wir Wirte sind doch keine Idioten“, so Erwin Lammer, seines Zeichens ein Villacher Gastronom aus Leidenschaft (Ess-Bar-Caldarium). Dem platzte diese Woche nämlich der Kragen. Via Facebook stellte er dem Villacher Bürgermeister Günther Albel die Frage, ob nicht für die kleineren Gastronomen etwas gemacht werden könnte. Besonders ärgere ihn die Tatsache, dass sich in der Maria Gailer Straße ein Systemgastronom nach dem anderen ansiedle. Sein Post auf Facebook wurde oft geteilt und es gab über 200 Gefällt mir-Angaben , viele Branchenkollegen zeigten Solidarität und kommentierten: „Bravo, oder Gut so! Endlich jemand, der etwas sagt.“ „Ich weiß nicht, ob der Bürgermeister der richtige Ansprechpartner ist und ich wollte ihn auch nicht angreifen, aber ich war so frustriert und irgendwo muss man einfach anfangen“, so der 33-Jährige.

Damals galt der Wirtestand in der Bevölkerung noch als angesehen. Heute sieht die Welt anders aus – dem „Wirt“ werden tagtäglich neue Steine in den Weg gelegt - © Pixabay

„Wollt ihr uns kleineren Wirte nicht mehr?“

Hier eine Nachzahlung, da eine Sperrstunden-Strafe oder Anzeigen die hereinflattern, weil nicht genderkonform „Kellnerin – Kellner“ in der Stellenausschreibung steht, AKM-Abgabe für Musik, die Färbetabelle für nicht zu braune Pommes, Kassenbon für das 0,50 Cent Wasserglas und das bevorstehende Nichtrauchergesetz: Unsere Wirte haben es wirklich nicht leicht. „Viele Kollegen sind erschöpft. Früher war der Wirtestand noch ein angesehener Beruf, den man mit Herz und Seele ausgeübt hat – heute freuen sich viele ältere Wirte, wenn sie endlich aufhören können“, erzählt Lammer auch von anderen Villacher Gastronomen. Ihm und seiner Familie geht es wie vielen anderen. Sie stehen ab 7 Uhr im Betrieb, heimwärts geht es frühestens ab 21 Uhr. „Meine Arbeit macht mir großen Spaß – aber wenn ich am Ende des Monats nicht mehr weiß, wie ich meine Rechnungen bedienen soll, obwohl ich so lange arbeite, dann bekomme ich schon Kopfweh! Wer unterstützt uns eigentlich?“ Er möchte keinen Reichtum erwirtschaften „aber ich möchte einfach wieder wissen, warum ich das alles tue.“ Immerhin leisten die Wirte oft die Arbeit von drei Personen – Personalmangel ist ein weiteres großes Problem. Obwohl Köche in unserer Region zu den Bestverdienern, mit manchmal sogar 2.500 Euro Nettolohn zählen.

Kein Zuckerschlecken

„Wir sind ja alle `schwarz` unterwegs wird uns vorgeworfen“, so der Wirt, „wie soll denn das bitte gehen?“ Er weiß nicht, was die Lösung wäre. „Ich dachte, vielleicht hat der Bürgermeister einfach eine Idee. Es wäre für uns alle einfach schön, einmal zu spüren, dass wir Unterstützung bekommen – zu Abwechslung mal“, schließt Erwin Lammer ab. Bürgermeister Günther Albel antwortete prompt und lud zu einem gemeinsamen Gespräch.

Alle Gesetze und Vorschriften mögen irgendwo ihren Sinn und ihre Berechtigung haben, aber das Bewusstsein sollte da sein, dass das „Wirt-Sein“ wahrlich kein Zuckerschlecken mehr ist. Ein Danke an alle Stammgäste, die die Villacher Wirte treu unterstützen – ein Danke an die Wirte, die sich nicht unterkriegen lassen.

Teil des Facebook-Postings von Erwin Lammer - © Facebook-Screenshot

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