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Aktuell - Villach
Reportage
Vor Ort: Fünf Mieterinnen empfingen 5 Minuten zum Interview © 5min.at

Zahlreiche Mieter frieren zu Hause:

Verzweifelt: 48 Wohnungen im Kalten

Villach – Die herbstlichen Temperaturen haben uns alle kalt erwischt. Diese MieterInnen hat es aber besonders getroffen. Heute meldete sich eine 5 Minuten Leserin bei uns. Ihre Bitte: „Ich wende mich jetzt an euch, da wir nicht mehr weiter wissen. Ich lebe mit elf anderen Mietern in einem Wohnblock ohne Heizung. Wir frieren alle sehr. Bitte helft uns.“

Als wir in der Wohnanlage „Meisenweg“ in Villach, heute abends (19. September 2017, 18 Uhr) ankommen, treffen wir auf eine Anrainerin mit Hund. „Hier draußen ist es wärmer als drinnen“, sagt sie.

Lokalaugenschein

Wir treffen auf die Großmutter der 5 Minuten Leserin, sie erzählt uns was los ist. „Es hat gerade 18 Grad, heute früh beim Duschen waren es 17 Grad“, so Frau S. Sie leidet gerade an einer starken Verkühlung. Gelüftet wird nur kurz, es ist einfach zu kalt. Nach und nach trifft eine Nachbarin nach der anderen ein – die Verzweiflung ist groß. „Ich habe mehrmals bei der BUWOG angerufen, niemand hat abgehoben oder zurückgerufen“, so eine ältere Nachbarin. Das Gleiche erzählen vier weitere Mieterinnen. Eine sagt: „Mein Mann hat probiert anzurufen. Entweder hebt niemand ab oder wir werden ohne Information oder nur kurz abgewimmelt!“ Eine andere Mieterin erzählt: „Mir wurde gesagt, ich soll auf Stufe 5 aufdrehen. Das war es. “ Sie halten sich derzeit mit Decken warm, alle tragen Pullover und dicke Winterjacken. „Am schlimmsten ist es bei den Füßen. Der Boden ist unglaublich kalt“, so eine 78-jährige Anrainerin, sie lebt seit 45 Jahren dort, „so etwas gab es aber noch nie.“ Viele behelfen sich mit Heizstrahlern und fürchten sich deswegen auch über zu hohe Stromkosten. „Ich habe keinen Heizstrahler gekauft, ich dachte ja nicht, dass das eine Woche dauern würde“, so Frau W.

48 Wohnungen seit einer Woche kalt

Wie lang geht das schon so? Vor circa einer Woche soll es angefangen haben. „Zuerst dachte ich, es wäre nur meine Heizung und habe mich nur gewundert. Nach wenigen Tagen bemerkte ich, dass es uns allen gleich ging“, meint eine junge Mieterin vom Block gegenüber. Insgesamt sollen 48 Wohnungen in vier Wohnblöcken betroffen sein. „Gegenüber sind zwei Familien mit jeweils einem Baby. Sie werden warm eingepackt – aber wie machen die das dann beim Wickeln?“ Ein junger Mann, er ist Künstler, benötigt seine Stimme zur Ausübung seines Berufes und ist bereits angeschlagen. Er kann nicht mehr zur Arbeit, wenn es so weiter geht. Eine Mieterin erklärt: „Hätte man uns nicht so lange im Ungewissen gelassen, wäre ja alles okay. Aber wir wissen alle nichts Genaueres. Wenn wir nicht anrufen, bleiben wir komplett im Ungewissen. Wenigstens eine Mieterversammlung, wo wir informiert werden, hätte organisiert werden können. Dann hätten wir uns auch nicht an ein Medium gewandt.“ Dabei sind sich alle einig: Nicht informiert zu werden, sei das Schlimmste.

Lösung in Aussicht

5minuten.at-Villach fragte bei der Pressestelle der BUWOG in Wien nach. Kommunikationsschwierigkeiten traten keine auf. Telefonisch erreichten wir rasch jemanden und Pressesprecher Thomas Brey rief uns sofort zurück: „Uns ist das Problem mit der Heizung bekannt und wir möchten uns bei den Mietern entschuldigen. Wir arbeiten intensiv und auf Hochdruck an einer provisorischen Lösung.“ Die bestehende Gasheizung ist defekt und eine Inbetriebnahme ist derzeit nicht möglich. Momentan werden mit der KELAG Verhandlungen geführt, die Siedlung wird nämlich an das Fernwärmenetz angeschlossen, was auf längere Sicht wirtschaftlich den Mietern zu Gute kommen soll. Man hätte nicht gedacht, dass das alles so viel Zeit in Anspruch nehmen würde und die Temperaturen wetterbedingt so schnell sinken würden. „Wir informieren morgen alle Mieter mit Infoblättern offiziell über den Stand der Dinge. Nächste Woche versprechen wir definitiv eine Übergangslösung. Die Einweisung zur Fernwärme dauert etwas. Aber in fünf bis sechs Wochen ist auch die Umstellung zur Fernwärme erledigt.“ Der älteren Dame, die bereits verkühlt ist, wird umgehend geholfen – das wurde zugesagt.

Unverständnis für das Vorgehen

Warum habe man diese Umstellung nicht im Sommer gemacht? Immerhin gab es letztes Jahr vier oder fünf Ausfälle, das Problem mit der Heizung sei nicht unbekannt. „Hoffentlich kommt nächste Woche wirklich die provisorische Lösung,“ so die 78-Jährige und schließt das Interview lachend ab: „Unsere Männer lass ma jetzt alle nicht aus!“

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