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Aktuell - Villach & Klagenfurt
© Screenshot aus dem Video

„Bewohner und Pfleger sind die Armen“:

Skandal-Video: „Pflegekorruption bei uns?“

Villach/ Klagenfurt – Als 5 Minuten über angebliche Zustände eines Pflegebetreibers berichtete, waren sich die Leser einig: „Hier geht es um Menschenleben – ältere Menschen müssen engagiert betreut werden.“ Einige meldeten sich bei uns und berichten über allgemeine Zustände in der Pflegebranche in anderen Betrieben.

Leserin: „25 Minuten für einen Bewohner“

Eine Leserin schrieb uns direkt an und erzählte, „dass sie 25 Minuten Zeit hat, um sich um einen Bewohner zu kümmern – inklusive seiner Wäsche.“ Sie spricht auch von realitätsfremden Zeitvorgaben und unzumutbaren Arbeitsbedingungen. Aus Gewissensgründen schied sie aus der Pflege aus.

Martin Rutter – er sieht sich als Aufdecker von Missständen in Kärnten und ist freier Abgeordneter im Kärntner Landtag – hat uns ein Video zur Verfügung gestellt, das Betrug und Korruption in der Kärntner Pflegebranche beschreiben soll. Wir möchten es unseren Lesern nicht vorenthalten. Rutter führte gemeinsam mit  studio UPENDO.tv ein Interview mit „Susanne“, sie ist Betriebsrätin und Pflegefachbetreuerin. Ein Video, ebenfalls mit einem Betriebsrat, veröffentlichte Martin Rutter bereits. Seit 20 Jahren arbeitet sie in verschiedenen Häusern in Kärnten und Graz in der Pflege und wollte nun die Öffentlichkeit aufrütteln. Ihre Vorwürfe wiegen schwer und stimmt, was sie erzählt, haben wir in Kärnten ein nicht akzeptables Problem in der Pflegebranche. Wir haben uns mit den wichtigsten Punkten des Interviews auseinandergesetzt – es sollen Betriebe in Villach und Klagenfurt betroffen sein, aber macht euch selbst ein Bild.

5 Minuten fragte nach: S. im Interview

„Susanne“, die im Video spricht, hat persönlich in einem weiteren Interview-Gespräch gegenüber 5 Minuten Villach ihre berufliche Laufbahn und Identität bestätigt. „Wenn jemand mit Herz dabei ist und du kannst nichts gegen diese Umstände tun, das ist für mich das Schlimmste. Den Beruf sollte man mit Liebe ausführen, das ist einfach nicht möglich. Teilweise ist es wie eine Waschstraße. Ältere Menschen sollten ihren letzten Lebensabschnitt in Würde verbringen können.  Es muss sich etwas ändern!“, so Susanne im Interview mit 5 Minuten.

Profit aus Not der Hilfebedürftigen?

Neben der Medikamentenverabreichung, kritisiert sie vor allem die Kontrollen der Pflegeheime. Was meint sie: „Es kommt jemand ins Haus und stuft den Bewohner mit einer Pflegestufe ein. Sagen wir, er hat die Pflegestufe 3 und benötigt jedoch mehr. Mitgehen tut dabei eine Krankenschwester. Das Problem ist, eine Krankenschwester ist fast nie in der Pflege. Sie hat keine Ahnung von den Bewohnern. Wer Ahnung hat, sind die Pflegehelfer […]. Danach erfolge eine höhere Einstufung und der Bescheid kommt ins Haus. Pflegedienstleitung, Heimleitung und Heimbetreiber erhalten diese, jedoch nicht das Pflegepersonal selbst,“ erzählt Susanne. „Der Bewohner würde mit der Pflegestufe 3 weiter betreut werden,“ so erklärt sie es. Aber was würde das bedeuten?  „Es ist klar: Der Betreiber kassiert mehr Geld, muss aber weniger Personal einstellen. Es wird irgendwann evaluiert, wenn der Hut brennt, aber vorher nicht.“

Was passiert mit dem Geld?

„Das Pflegegeld des Landes ist Steuergeld“, so Martin Rutter, „Würde das bedeuten, dass Geld für etwas bezahlt wird, das so nicht geliefert wird?“ „Genau so könnte man es zusammenfassen“, so Susanne und erklärt weiters, „es passiert, dass uns Angehörige darauf aufmerksam machen, dass Papa oder Mama mehr Pflege benötigen. Sie weisen uns oft auf die korrekte Pflegestufe hin. Die Angehörigen bekommen diese Informationen ja. Die Pfleger selbst wissen oft nichts davon. Man könne den Angehörigen empfehlen, da dahinter zu sein. Verlangen Sie, Einsicht zu bekommen“, so Susanne, „und hinterfragen Sie die Pflege dann kritisch.“

Schweigen aus Angst

„Kontrollen sind angemeldet“, erklärt sie.  „Der Kontrolleur sieht den Bewohner selbst nicht genauer an. Er soll zwar Stammdatenblätter etc.  überprüfen, jedoch nicht den Bewohner selbst. Bewohner und Pfleger die Armen. Der Druck auf die Mitarbeiter erhöht sich. Manche würden den Mund halten, um den Job nicht zu verlieren.“ Auch gegenüber 5 Minuten wollten Pflege-Mitarbeiter lieber schweigen, zu groß die Angst, dass sich das Interview negativ auf die berufliche Zukunft auswirkt. Eine Leserin meinte: „Ich bin aus der Pflege ausgeschieden, ich konnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren!“ Auch Susanne schließt ab: „Wir werden alle einmal alt. Wir möchten ja auch irgendwann anständig gepflegt werden und nicht 08/15. Es ist ein Mensch, der gepflegt werden soll – anständig.“ „Würde man es extern genau kontrollieren, müsste man so feststellen, dass die Arbeitspläne nicht so sein dürften,  dass die Pflegestufen nicht so gelebt werden, wie sie eingestuft wurden und logischerweise, dass zu wenig Personal da ist“, analysiert Martin Rutter. Er fordert die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Pflege und Kontrolle dieser und: „Die Frage die sich stellt, welche Interessen sind uns wichtig?“

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