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17.11.2017 - 18:37Podiumsdiskussion: „#metoo in Kärnten?“
Leute - Villach
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Intime Fragen eines Unbekannten

„Umso mehr schäme ich mich“

Villach – Unter dem Hashtag #metoo entbrennt seit mehreren Wochen eine Sexismusdebatte in den sozialen Medien. Frauen sollen unter dem Hashtag berichten, ob sie Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Begonnen hat die Aktion nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist ein Gesellschaftsproblem. Eine 5 Minuten Leserin wandte sich mit ihrer Geschichte an uns.

„Ich habe heute einen sehr merkwürdigen Telefonanruf erhalten, über den ich informieren will, weil ich hoffe, dass dann anderen Frauen nicht passiert, was mir passiert ist“, beginnt die Geschichte der betroffenen Frau, die anonym bleiben will.

Unbekannter gibt sich als Mitarbeiter eines „Lesezirkel“ aus

Der Anrufer mit einer anonymen Nummer gab vor, eine Umfrage für einen „Lesezirkel“ zu machen. „Nach ein paar einleitenden, allgemeinen Fragen, kam fast wie beiläufig, ob ich eventuell auch ein paar intimere Fragen beantworten würde. Ich willigte zögerlich ein, nicht wissend, was genau gefragt werden würde. Was dann passierte, kann ich mir selbst nicht ganz erklären. Jedenfalls wickelte mich der Anrufer, ein Mann mit angenehmer Stimme und einer freundlichen, höflichen Art durch professionell und prompt gestellte Fragen so in ein Gespräch ein, dass ich ihm viele Details über mein Intim- und Sexualleben erzählte. Das dauerte wohl ungefähr 15 Minuten. Da ging es darum, wann, wie, wo ich Sex habe und hatte, allein, mit Partner bis hin zu meinem Aussehen und meinen Kleidungsgewohnheiten“, berichtet uns das Opfer des Anrufs.

Eine solche Umfrage gibt es nicht

„Erst nach dem Ende des Telefonats begann ich zu zweifeln.“ Doch dann war es schon zu spät. Sie rief daraufhin beim „Lesezirkel“ an, doch ihre böse Vorahnung wurde dort bestätigt. Eine solche Umfrage gibt es nicht. „Da wurde mir klar, dass ich irgendeinem Mann mit unlauteren Absichten auf den Leim gegangen war. Ich rief dann sogar bei der Polizei in Villach an, aber die sagten, dass es keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand gäbe, also von ihrer Seite nicht wirklich etwas unternommen werden könne.“

Natürlich stellt sich die Frage, warum die betroffene Frau diese intimen Details am Telefon preisgab. Doch wer fühlte sich in einer Situation nicht schon einmal überrumpelt und ärgerte sich erst im Nachhinein?  „Das gesamte Auftreten des Mannes am Telefon war so professionell und überzeugend, dass ich mich zwar etwas wunderte, aber gar nicht richtig zum Nachdenken kam. Das Interview war psychologisch gefinkelt aufgebaut. Das Eindringen in die Privatsphäre, in meine Intimsphäre, passierte klein-schrittweise, die Reaktion des Mannes auf meine Antworten war unemotional.“

Was will der Mann mit diesen Informationen?

„Stockte ich mit meinen Antworten, weil ich natürlich nicht hemmungslos über mein Sexualleben zu sprechen gewohnt bin, half er mir ‚freundlicherweise‘ mit ein paar möglichen Antworten und ich brauchte nur ‚ja‘ oder ’nein‘ zu sagen. Umso mehr schäme ich mich, dass ich so leichtgläubig war, dass ich das Innerste meines Privatlebens einem wildfremden Menschen preisgegeben habe. Ich weiß nicht, wer der Mann ist, wo er ist, welche Informationen er noch von mir hat und was er mit meinen Antworten tut. Es ist ein ziemliches Unbehagen geblieben.“

Ein unangenehmes Gefühl bleibt also. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Anrufer auch weiterhin Frauen mit dieser Masche belästigt, will die betroffene Frau mit ihrer Geschichte andere Frauen sensibilisieren.

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