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Politik - Villach
Berger: „Für die ärmsten der Ärmsten bräuchte es eine schnelle rasche Hilfe“ © KK

"Kann diesen Weg nicht mehr mitgehen!"

Nach Rücktritt: Interview mit Dieter Berger

Villach – Wie wir heute berichteten, ist der SPÖ-Gemeinderat Dieter Berger von seinem Amt zurückgetreten. Wir haben uns mit ihm über seine Beweggründe unterhalten.

Dieter Berger zeigt sich tief enttäuscht von der Diskussion über eine Villacher Notschlafhilfe für Obdachlose. Während politisch die einen eine schnelle unbürokratische Hilfe für den Winter fordern (federführend Sascha Jabali, Verantwortung Erde), beharren die anderen darauf, dass das bestehende Konzept aus geförderten Wohnungen gut genug sei. Die anderen sind in diesem Fall die Villacher SPÖ, FPÖ und Grüne. Doch intern dürfte längst nicht jedes Parteimitglied mit dem Standpunkt der eigenen Partei zufrieden sein, wie der Rücktritt von SPÖ-Gemeinderat Dieter Berger zeigt.

„Unwürdige Diskussion“

„Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt. Nach der unwürdigen Diskussion über das wichtige Thema der Notschlafstelle war für mich die Entscheidung jedoch klar“, verrät er uns. „Ich will einen Weg, wo die sozialdemokratische Handschrift in wesentlichen Teilen fehlt, nicht mehr mitgehen.“ Berger sieht große Probleme bei dem bisherigen Konzept der Hilfestellung, das eine Vermittlung von Obdachlosen in eine geförderte Wohnung vorsieht. „Mit einer Wohnung allein ist es nicht getan“, man bräuchte für diese Menschen eine „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“. Schließlich habe es einen Grund, warum diese Menschen auf der Straße leben, für viele von ihnen ist der Bezug einer Wohnung undenkbar. Für diese Fälle – „die ärmsten der Ärmsten“ – bräuchte es eine „schnelle rasche Hilfe“.

Vor allem im Winter, wenn man nachts von der Kälte überrascht wird, wäre eine Notschlafstelle sinnvoll. Sinnvoll auch, weil nachts wohl niemand den bürokratischen Weg einer Wohnungsanmeldung gehen kann.

„Ich kann und will diesen Weg nicht mehr mitgehen“

Berger vermisst bei der Diskussion auch die soziale Kompetenz der Beteiligten. Das ganze Thema sei „unwürdig behandelt“ worden. Berger führt an, dass auch andere Städten, wie etwa Klagenfurt, für diese Fälle klare Lösungen gefunden hätten. Das wünscht er sich auch für eine Stadt mit sozialdemokratischer Regierung. Er wurde enttäuscht. Daher zog Berger den Schlussstrich: „Ich kann und will diesen Weg nicht mehr mitgehen.“

Kein Austritt aus der Partei

Berger tritt von sämtlichen Parteifunktionen zurück. Aus der Partei selbst jedoch nicht. „Ich bin stark davon überzeugt, dass die SPÖ – vor allem bundesweit – auf viele Fragen der Menschen eine Antwort hat“, erklärt er. Es gäbe viele gute Leute in der Partei. Schmutzwäsche will Berger allerdings nicht waschen, daher nennt er auch keine Namen, als wir ihn fragen, an wem es denn beim Thema letztendlich scheitert.

Im Interview mit Dieter Berger wird klar: Die SPÖ Villach verliert einen Idealisten. Als er in die Politik ging, nahm sich Berger vor, er wolle auch am Abend noch in den Spiegel schauen können. „Was ich abstimme, muss ich auch vertreten können.“

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