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- Villach
Barcelona: beliebte Metropole und politisches Zentrum © Pixabay/ DasWortgewand (CC0 Creative Commons)

Zur aktuellen politischen Situation in Spanien:

Was österreichische Touristen jetzt wissen sollten

Österreich/Spanien – Spanien, das sonnenverwöhnte Land mitten in Europa, bringen die meisten für gewöhnlich vor allem mit sehenswerten Metropolen, kulinarischen Genüssen, unberührter Natur und dem milden Klima in Verbindung. Millionen Urlauber erholen und vergnügen sich Jahr für Jahr auf den Kanaren oder reisen auf die beliebte Insel Mallorca.

 9 Minuten Lesezeit (1122 Wörter)

Die Touristen wissen dabei vor allem die Vielseitigkeit des Landes zu schätzen, denn Spanien ist ganzjährig ein schönes Reiseziel. Für jede Zielgruppe – ganz gleich, ob es sich dabei um Badeurlauber, Städtereisende oder Aktivurlauber handelt – gibt es einen geeigneten Urlaubsort. In letzter Zeit geriet das touristische Interesse jedoch aus den internationalen Schlagzeilen, denn das Land machte vor allem politisch von sich Reden. Spaniens Politik befindet sich im Umbruch. Die regierenden Parteien tragen einen Konflikt aus, dessen Wurzeln tief und weit in die Vergangenheit zurückreichen. Zu Recht sind die Menschen aus aller Welt aufgrund der aktuellen Situation verunsichert und wissen nicht, ob sie weiterhin sicher in das Land einreisen können.

Für Urlauber empfiehlt es sich, die Hinweise des Auswärtigen Amts vor der Reise zu beachten

Auf der Website des Auswärtigen Amtes finden sich aktuelle Hinweise zur politischen Situation und zur allgemeinen Sicherheitslage im Land, die Reisende vor dem Urlaub beachten sollten, um vor Ort keine bösen Überraschungen zu erleben. Aktuell sorgt die politische Situation dafür, dass es in vielen Teilen des Landes vermehrt zu Kundgebungen und Demonstrationen kommt. Dies treffe insbesondere auf Barcelona, die Hochburg der katalanischen Regierung, zu. Urlaubern rät das Auswärtige Amt, sich vor Ort durch die lokalen Medien zu informieren und Menschenansammlungen zu meiden. Was die Ein- und Ausreise betrifft, vermeldet das Auswärtige Amt keine gravierenden Einschränkungen. Touristen können wie gewohnt per Flugzeug, mit dem Auto oder im Bus und mit dem Zug in das Land einreisen. Als Reisedokument reicht für Europäer der gewöhnliche Personalausweis aus, eine Visumpflicht besteht nicht. Linienflüge kommen vor allem an den großen Flughäfen an. Wer es individueller mag und lieber in ein kleines exklusives Örtchen reisen möchte, der kann sich auch nach einen Privatjet buchen und so den Luxus eines eigenen Charterflugzeugs genießen. Das hat den Vorteil, dass vielerlei Serviceleistungen inkludiert sind und Abflugzeit und –Ort selbst zu bestimmen sind – so beginnt der Urlaub flexibler, aber vor allem schon auf der Hinreise, einen Teil, den sonst viele Urlauber so gar nicht schätzen.

Spanien ist bei den Österreichern ein äußerst beliebtes Urlaubsland

Für Reisende aus Österreich besteht zunächst kein Grund zur Panik. Spanien gilt im Vergleich zu anderen Ländern wie Ägypten oder der Türkei als sicheres Reiseziel. Bis heute ist Spanien unter den Top 5 der europäischen Reiseziele und den Österreichern ist die Lust am Reisen trotz anhaltender Terrorgefahr und Unruhen nicht vergangen – sie ist sogar gestiegen: In einer Umfrage gaben 93 Prozent der Befragten an, dieses Jahr in den Urlaub fahren zu wollen. 2016 gaben dies drei Prozent weniger an.

Wie sieht das politische System in Spanien aus?

Um den aktuellen Konflikt, der im spanischen Land brodelt, zu verstehen, lohnt es sich auch für internationale Besucher, Hintergrundwissen vor der Reise zu erwerben. Im Gegensatz zu dem politischen System in Österreich ist das politische System in Spanien eine parlamentarische Monarchie mit einem Monarchen an der Spitze. In Spanien ist dies aktuell König Juan Carlos, der die einzelnen Staatsoberhäupter ernennt und die Befehlsgewalt gegenüber den militärischen Streitkräften innehat. Die Legislaturperiode beträgt in Spanien vier Jahre, das Parlament ist für diese Zeit im Amt. Im spanischen Abgeordnetenhaus sitzen aktuell 350 Abgeordnete. Während einige Abgeordnete dem „Cortes Generales“, dem Kongress angehören, sitzen andere im Senat. Die Mitglieder des Senats sind teilweise direkt gewählt, können aber von autonomen Regionen entsandt werden.

Welche Parteien sind in Spanien am wichtigsten?

  • Die „Partido Popular“ ist eine christlich-wirtschaftsliberale Partei der spanischen Mitte mit vielen Mitgliedern, die dem Opus Die, eine erzkatholische Laienorganisation, nahestehen. Die Partei entwickelte sich 1989 aus der zuvor regierenden „Alianza Popular“. José María Aznar leitet die Partei seit 2000 als Vorsitzender.
  • Die „Partido Socialista Obrero Español“ entstand bereits 1879 und wurde während der Diktatur Francos verboten. José Luis Zapatero ist seit der Jahrtausendwende der Vorsitzende der Partei. Die „sozialistische Arbeiterpartei“ ist sozialdemokratisch orientiert.
  • Der Kommunist Gaspar Llamazares leitet die „Vereinigte Linke“, ein Bündnis aus mehreren sozialistischen Parteien. Alle Mitglieder der „Izquierda Unida“ lehnen die NATO ab, sind sich in weiteren politischen Themenfeldern allerdings weitestgehend uneinig.
  • Die „Konvergenz und Union Kataloniens“ (Convergencia i Unió de Catalunya) ist vor allem in Katalonien im nördlichen Teil Spaniens aktiv. Jordi Pujol ist der Name, der untrennbar mit der „CiU“ verbunden ist, denn dieser war 23 Jahre lang Regierungschef der Partei.
  • 1895 gründete sich die Baskische Nationalpartei (PNV). Die PNV stellt seit 1979 den Ministerpräsidenten der Regionalregierung im Baskenland.

Worum geht es im aktuellen „Katalonien-Konflikt“ überhaupt?

Im Katalonien-Konflikt steht die Unabhängigkeit der katalanischen Region im Vordergrund. Separatisten und rechtskonservative Parteien sprechen sich seit langem für mehr Autonomie und Eigenstaatlichkeit der wirtschaftlich florierenden Region aus. Der spanische Zentralismus konnte nicht verhindern, dass sich die Regionen im Land auf sozialer, wirtschaftlicher und politischer Ebene unterschiedlich entwickelten. Ein Beispiel hierfür ist die Metropole Barcelona, die sich mit einigen spanischen Traditionen und Bräuchen nicht identifiziert. Den Stierkampf – sonst populär und gefragt in Spanien – verbot die Region im Jahr 2010. Die Zentralregierung in Madrid stellte sich im vergangenen Jahr dagegen; Juristen bezeichneten das Verbot als „verfassungswidrig“. Solche Konflikte traten in der Vergangenheit vermehrt auf und führten dazu, dass sich die katalanischen Politiker von Madrid zunehmend bevormundet fühlten.

Spanien als neues politisches Pulverfass in Europa? Pixabay © DasWortgewand (CC0 Creative Commons) - © Pixabay

Regionalregierung in Barcelona veranlasste ein umstrittenes Votum zur Unabhängigkeit Kataloniens

Zunächst verabschiedeten die Politiker in Barcelona und Madrid im Jahre 2006 ein Autonomiestatut, das die Bevölkerung per Volksentscheid bestätigte. Jahre später folgte für die Katalanen ein herber Rückschlag, denn die Partido Popular klagte gegen den Volksentscheid – und gewann. Dem Statut wurde keine Gesetzeskraft zugemessen. Diese Entscheidung markiert den endgültigen Ausgangspunkt der aktuellen Unabhängigkeitsbestrebungen, da er die weiteren Entwicklungen begünstigte und dafür sorgte, dass sich die Regionalregierung immer weiter vom Zentralstaat abwandte. Den Ausgangspunkt im aktuellen Konflikt schuf ein umstrittenes Votum, das die regionalen Politiker in Katalonien ins Leben riefen. Die Bürger der Region sollten per Volksentscheid abstimmen, ob sie unabhängig vom restlichen Spanien sein wollen. Es folgten Klagen und Erlasse aus Madrid, unzählige Demonstrationen und die Gefangennahme einiger namenhafter Politiker, die als Rebellen und Aufrührer gelten.

Wie geht es in Spanien nun weiter?

Die Fakten sprechen dafür, dass der politische Konflikt in Spanien noch länger andauern wird, da es den Separatisten in den vergangenen Regionalwahlen gelang, ihre Mehrheit im Parlament zu verteidigen. Für Touristen bedeutet dies weiterhin vorsichtig zu sein, vor allem bei einer Reise nach Katalonien. Insgesamt betrachtet befürchten die Urlaubsregionen der Kanaren, Ibiza oder Mallorca keinerlei Unruhen oder Demonstrationen.

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