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v.r.: Prof. Viezen Jobst (Moderation und Tröger der Goldenen Medaille der Stadt), Stadtrat Markus Geiger, Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz, Dr. Eva Umlauf mit dem Goldenen Buch der Stadt, Vzbgm. Christian Scheider, Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner, Stadträtin Ruth Feistritzer und Stadtrat Frank Frey © StadtPresse/Fritz

Holocaust-Gedenktag 2018:

„Erinnern und mahnen wichtiger denn je“

Klagenfurt – Zum sechsten Mal lud die Stadt Klagenfurt anläßlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages zur Gedenkmatinée ins Künstlerhaus. Als Rednerin kam diesmal die Zeitzeugin Dr. Eva Umlauf, der schon mit zwei Jahren in Auschwitz die KZ-Nummer eintätowiert worden war.

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Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz konnte im bis auf den letzten Platz besetzten Künstlerhaus wieder zahlreiche Ehrengäste aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen begrüßen. Der Klagenfurter Stadtsenat setzte mit Vzbgm. Christian Scheider, Stadtrat Frank Frey, Stadträtin Ruth Feistritzer und Stadtrat Markus Geiger ebenfalls ein deutliches Zeichen, dass die Stadt hinter den wichtigen Aktivitäten der Erinnerungskultur steht. „Und diese sind heute bedeutender denn je, wir müssen uns immer wieder die Vergangenheit mit all ihren Schrecken bewusst machen und uns gegen jede Verharmlosung stellen“, sagte die Bürgermeisterin.

Gegen Fremdenfeindlichkeit aufstehen

Das würden auch deutlich die unerträglichen Ereignisse der letzten Tage rund um die Burschenschaft Germania beweisen, so Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz. Sie dankte dem Bundespräsidenten und der Niederösterreichischen Landeshauptfrau für ihre deutlichen Worte. „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Respektlosigkeit gegenüber den Mitmenschen drängen – leider auch mit Hilfe der sozialen Medien – wieder in die Mitte unserer Gesellschaft. Hier sind wir alle aufgefordert dagegen energisch aufzustehen“, mahnte und forderte die Klagenfurter Bürgermeisterin.

Keine inhaltsleere Gedenkveranstaltung

Sie verwies darauf, dass es der Stadt nicht um inhaltsleere Gedenkveranstaltungen gehe, sondern darum, Erinnerungen und Erlebnisse von Zeitzeugen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Bei jeder Gedenkveranstaltung seien es besondere Redner und Rednerinnen gewesen, die berührend ihr Schicksal schilderten. Außerdem wurde der jüdische Friedhof saniert, an der Stelle des jüdischen Bethauses gibt es ein würdiges Mahnmal mit Stelen und Texten, mit der Partnerstadt Dachau auch eine Gedenkpartnerschaft und 2018 werden zum dritten Mal in Klagenfurt sogenannte Stolpersteine verlegt, die an die in Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen erinnern. Bei der diesjährigen Gedenkmatinée sprach Dr. Eva Umlauf und las Passagen aus ihrem Buch „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“.

„Die gemeinsame Zukunft muss man sich erarbeiten“

Die Kinderärztin und Psychotherapeutin wurde in einem Arbeitslager des NS- Regimes in der Slowakei geboren und kam als Zweijährige mit ihrer Mutter in das Vernichtungslager Auschwitz. Ihr wurde noch die KZ-Nummer eintätowiert, der Ermordung durch Gas entgingen beide durch viel Glück. Einen Tag vor ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau stellten die Nazis die Vergasungen ein, weil die unvorstellbaren Verbrechen möglichst noch vertuscht werden sollten. Der Vater von Dr. Eva Umlauf wurde zwei Monate vor Kriegsende in der Außenstelle Melk des Konzentrationslagers Mauthausen ermordet. Wie man mit so einer Familiengeschichte umgeht, hat Dr. Eva Umlauf mit berührenden Worten bei der heutigen Gedenkmatinée der Stadt geschildert. „Die gemeinsame Zukunft muss man sich erarbeiten, dazu gehört die heilende Kraft eines offenen Umgangs mit der Vergangenheit, mag sie auch noch so schrecklich sein. So ist Identitätsstiftung und die Formung eines kollektiven Erinnerns möglich“, mahnte Dr. Umlauf.

Erinnern als Mahnung für die Zukunft

Der Vorsitzende des Klagenfurter Gedenk- und Erinnerungsbeirates Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner ging ebenfalls darauf ein, dass Erinnern nicht nur eine Sache der Vergangenheit ist, sondern Mahnung für die Zukunft sein muss. Die Frage „Wie ist Auschwitz überhaupt möglich geworden“ müsse uns jetzt und künftig beschäftigen, um rechtzeitig gefährliche Tendenzen in unserer Gesellschaft bekämpfen zu können. „Wir haben den Auftrag Stellung gegen die zu beziehen, die Rassismus und Antisemitismus wieder salonfähig machen“, so Univ. Prof. Dr. Gstettner.

In ihren Schlussworten dankte Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz allen Rednern und Anwesenden für ihre Unterstützung der Erinnerungskultur der Stadt Klagenfurt und Jan Kubis (Slowakei) und Matejka Luznik (Rumänien) für die musikalische Umrahmung.

Mit dem Zitat des ehemaligen UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon – „Lassen Sie uns an die gemeinsam Verpflichtung erinnern, nie wieder eine solche schreckliche Passage in unserer Geschichte zuzulassen. Niemals!“ – schloss die Stadtchefin die heurige Gedenkmatinée.

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