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Geht die Tagespresse damit zu weit oder darf Satire alles?

Satire auf Jörg Haiders Kosten?

Klagenfurt – 2043 Facebook-Reaktionen auf den Artikel mit dem Titel "War ebenfalls ein Test an Menschen – VW bekennt sich zu Unfall von Jörg Haider!" Auf Facebook heißt es beim Satiremagazin "Die Tagespresse": "Damit ist der Fall endlich aufgeklärt." Wir fragen euch: Darf Satire alles?

 5 Minuten Lesezeit (613 Wörter) | Änderung am 30.01.2018 - 14:08

Man kann zum verstorbenen Jörg Haider stehen wie man will. Jeder hat ein Recht auf persönliche Meinung. Aber Satire über einen Verstorbenen? Das wirft schon ethische Fragen auf. Jörg Haider hätte vor vier Tagen Geburtstag gehabt (26. Jänner 1950). 2008 kam der Kärntner Landeshauptmann vor fast zehn Jahren bei einem Autounfall mit einem VW Phaeton ums Leben. Er saß in einem Volkswagen – Kontext genug für einen Satirebeitrag, der als Kern (so scheint es) den Abgasskanal rund um den VW Konzern behandelt?

Der Tagespresse-Artikel

„Die Abgasaffäre der deutschen Autohersteller ist um eine Facette reicher: VW räumte ein, dass die Versuche an Menschen offenbar weitaus größer angelegt waren, als bisher bekannt. So war auch der Unfall von Jörg Haider in dessen VW Phaeton im Jahr 2008 bloß Teil einer ausführlichen Untersuchung. Damit sind sämtliche Verschwörungstheorien widerlegt“, heißt es im Satire-Beitrag. „Ja, es stimmt“, bestätigt ein VW-Sprecher in einer schriftlichen Stellungnahme. Der deutsche Autohersteller wollte simulieren, wie sich ein VW Phaeton unter dem Einfluss von Alkohol steuern lässt.So heißt es auszugsweise in dem Artikel, der gestern,  am 29. Jänner 2018 erschien.

Hintergrund des Beitrages

Der Abgasskandal rund um den VW Konzern erreichte vor allem in den letzten Tagen ein unglaubliches Ausmaß. Affen sollen für Tierversuchen Schadstoffen ausgesetzt worden sein, was für viel Empörung gesorgt hat. Laut einem Standard-Beitrag gestern, sollen auch Menschen „getestet“ worden sein. 2015 kam der Fall überhaupt ins Rollen, als bekannt wurde, das VW Millionen Abgastests manipuliert hat.

Viele gedenken jedes Jahr Jörg Haider an seinem Todestag - © Fall-Haider Freunde

Beitrag auf Facebook polarisiert

Es gibt da noch die freie Meinungsäußerung, Kunst- und Satirefreiheit. „Satire will auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und ist abhängig von zeitgebundenen politischen, kulturellen und sozialen Strömungen. Satire arbeitet mit Übertreibung, Verfremdung und Übersteigerung“, so eine rechtliche Meinung  über die Einschätzung, dass die Staatsanwaltschaft Berlin gegen die Titanic wegen der Darstellung von Sebastian Kurz ermittelt. In diesem Magazin wurde getitelt „Baby Hitler töten!“. Am Foto: Sebastian Kurz. Satire eben – auch rechtlich ein sehr schwieriges Feld, denn die Erfolgsaussichten bei Klagen sind meistens sehr gering.

Was bleibt ist bei diesem Satire-Artikel einfach ein bitterer Beigeschmack, der sich nicht wirklich definieren lässt – ob das genau das ist, was sein soll? Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholskys wird hier oft zitiert:  „Was darf Satire? Alles.“ Viele loben die Tagespresse für ihren Satire-Artikel „well done“, „Moralapostel verstehen das nicht“ und viele ähnliche Kommentare. Aber was auffällt: Sehr viele finden es pietätlos: „Man kann zu Haider politisch stehen wie man will, witze über einen tödlich verunglückten Familienvater müssen aber wirklich nicht sein.“ 

Deine Meinung?

Ein Danke, dass es die kostbare freie Meinungsäußerung gibt – darüber sind sich die meisten einig. Aber: Die Würde des Einzelnen, vor allem des Einzelnen, der sich nicht mehr wehren kann, soll nicht angegriffen werden – denn hier steht der Nutzen der Satire gegenüber den Gefühlen der einzelnen Hinterbliebenen, die verletzt werden. In einer Zeit, in der man vielleicht noch sensibler als sonst ist (Haider hätte vor vier Tagen Geburtstag gehabt).  Wie gesagt ,zu Jörg Haider kann man stehen wie man will – aber so mancher von uns hat vielleicht schon jemanden verloren und auch bei diesen Menschen können sich bei dieser Art von „Satire“ unschöne Gefühle regen. Aber vielleicht ist das ja die Kunst… und vielleicht ist genau das gewollt? Wo Satire zu weit geht, lässt sich wohl nicht eindeutig festmachen.

Wir wollen es von euch wissen: Wo geht Satire zu weit? Diskutiert mit uns auf Facebook.

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