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01.02.2018 - 11:34Meet & Greet mit Wolfgang Sobotka
Leute - Villach
Universum History dreht derzeit in der Villacher Altstadt Teile eines Dokumentarfilms „Schicksal in Frauenhänden!“: Am Bild Stadtmarketing-Chef Gerhard Angerer, Hotel Post-Direktorin Birgit Gschwenter, Villachs Frauenreferentin Gerda Sandriesser, Regisseurin Anita Lackenberger, mit Schauspielerinnen und Schauspieler während einer Drehpause vor dem Hotel Post. © Villach Stadtmarketing/Kohlmayer

"Schicksal in Frauenhänden":

Universum History dreht Dokumentarfilm in Villacher Innenstadt

Villach – Regisseurin Anita Lackenberger drehte mit ihrem Team und zahlreichen Schauspielerinnen das Universum History „Schicksal in Frauenhänden!“ für den ORF. Die Dokumentation zum Thema Frauen, Erster Weltkrieg und Republiksgründung erzählt die Geschichte der letzten Kriegsmonate. Zwei Tage lang hat die Film-Crew in der Villacher Altstadt gedreht, und zwar im historischen Ambiente des Villacher Hotels Post am Hauptplatz. Wir wissen mehr darüber.

„Sie ist sicher eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Kärntner Geschichte zur Zeit des Ersten Weltkrieges “, findet auch Regisseurin Anita Lackenberger, die mit ihrem Team das Universum History „Schicksal in Frauenhänden!“ für den ORF dreht. Die Geschichten über verschiedenste Frauenschicksale dieser Zeit, wie beispielsweise jenes von Marie Tusch, sie war eine der ersten Parlamentarierinnen in der ersten Republik, habe „alles, was eine spannende Doku braucht“: Viel Emotion und aufopferungsvoller Kampf für die Rechte von Arbeiterinnnen aber auch Hungersnot und persönliche Schicksale.

Drehort: Hotel Post am Hauptplatz

Zwei Tage hat die Film-Crew in der Villacher Altstadt gedreht, und zwar im historischen Ambiente des Villacher Hotels Post am Hauptplatz. „Eine absolut beeindruckende Location, perfekt für unsere Dokumentation, die ja vor fast genau 100 Jahren spielt. Die Drehorte sind sowohl im Eingangsbereich des Hotels als auch im historischen Saal im ersten Stock“, betont Lackenberger. Sie weist darauf hin, dass es in den Jahren 1917/1918 auch in Villach mehrere Frauenaufstände gab: „Unter anderem wurde auch das Parkhotel geplündert, bei der Versorgung mit Lebensmittel gab es große Probleme. Alles wurde ans Militär geliefert, für die Menschen, ganz besonders für die Frauen blieb kaum etwas übrig!“

Eine Dokumentation aus weiblicher Sicht

Die Dokumentation zum Thema Frauen, Erster Weltkrieg und Republiksgründung erzählt die Geschichte der letzten Kriegsmonate, im Speziellen aus der Sicht von Politikerinnen, Pionierinnen und den Dienstbotinnen, die im Ersten Weltkrieg vielfach zu Industriearbeiterinnen geworden sind. Während immer mehr Männer an die Front berufen wurden und von dort oftmals nicht zurückkamen, war es an den Frauen, die notwendigen Veränderungen in der österreichischen Heimat voranzutreiben. Sei es etwa gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen (etwa wenig Schutz vor sexuellen Übergriffen), der Kampf ums Überleben aufgrund der geringen Nahrungsrationen oder die Übernahme vieler Berufe, die bis dato den Männern vorbehalten waren, zum Beispiel die harte Fabrikarbeit, etwa in der Rüstungsindustrie. Auf all diese wenig beachteten und teilweise in Vergessenheit geratenen Leistungen möchte diese Dokumentation eingehen.

Das beeindruckende Leben der Marie Tusch

„Hier in Villach haben wir Szenen aus dem Leben von Marie Tusch gedreht“, erklärt Lackenberger. Marie Tusch ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Kärntner Arbeiterbewegung. In den Jahren radikaler politischer Auseinandersetzungen wird sie, von den jugendlichen Arbeiterinnen „wie eine Heilige verehrt“. Sie wird als Kind unverheirateter Eltern geboren und kommt mit sieben Jahren in das Kloster Maria Saal, wo sie schon als Kind zur Arbeit im Wirtschaftswesen herangezogen wird, um die Schulgebühren für die Volksschule im Kloster abzuarbeiten. Später tritt sie aus der katholischen Kirche aus. Mit zwölf Jahren wird sie Arbeiterin in der k.k. Klagenfurter Tabakfabrik in der damals über 500 Frauen und Mädchen arbeiten und die das größte Unternehmen in Kärnten ist. In der Tabakfabrik beginnt ihr gewerkschaftliches Engagement. Marie Tusch wird Vertrauensperson im Fachverein der Tabakarbeiter und Tabakarbeiterinnen in Kärnten und erfährt als solche auch die Willkür der Fabriksleitung.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie Vorsitzende des Kärntner Landesfrauenkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs. Im Jahre 1919 wurde Tusch als eine der ersten acht Frauen in der Konstituierenden Nationalversammlung angelobt. Sie war die einzige unter den ersten weiblichen Abgeordneten, die nicht aus Wien kam und gehörte dem Nationalrat alle vier Legislaturperioden der Ersten Republik an. Mit den Worten: „Frauen, Ihr müßt selbstbewußter werden“ endete Marie Tusch alle ihre Vorträge. Sie starb 1939 in Klagenfurt.

Der Ausflug in die Historie der Frauenbewegung in Österreich soll im April im ORF ausgestrahlt werden.

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