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Aktuell - Villach
Hintergrund
© Marktgemeinde Arnoldstein

3M:

Großbrand: So lief der Einsatz ab

Villach – Am 13. März 2018, gegen 03.40 Uhr, kam es in der Schleifmittelfabrik "3M" zu einem Brandmeldealarm. Bereits beim Eintreffen der Einsatzkräfte konnte starker Rauch und der Brand eines Kamins wahrgenommen werden. Aufgrund einer "Durchzündung" entzündete sich das komplette Dach des Gebäudes. Alle Feuerwehren aus dem Bereich Villach und Umgebung mussten alarmiert werden. Insgesamt waren 32 Feuerwehren aus den Bezirken Villach-Stadt und Land, Spittal/Drau und St. Veit/Glan im Einsatz. Mit größter Anstrengung, taktischer Umsicht und einer Portion Glück konnten dennoch zwei Drittel der Betriebsanlage gerettet werden. So lief der Einsatz ab:

 11 Minuten Lesezeit (1352 Wörter) | Änderung am 24.03.2018 - 22:57

Der Großbrand bei 3M wird in die Historie der Draustadt eingehen. Seit dem Brand des Villacher Parkhotels im Dezember 1997 gab es keinen Brandeinsatz mit vergleichbarem Ausmaß für die Villacher Wehren. Neben zahlreichen Feuerwehren aus Villach-Stadt standen auch Feuerwehren aus dem Bereich Villach-Land im Einsatz.

Um 4 Uhr morgens wurde die Haupftfeuerwache Villach und die FF Perau aufgrund eines automatischen Brandmeldealarms zu einem vermeintlichen Routineeinsatz zu einem Industriebetrieb in Seebach alarmiert. Nach kurzer Zeit konnte, mit Unterstützung der Wehren Vassach und St. Magdalen, der offene Brand im Bereich der Trockenöfen eingedämmt werden. Mit Wärmebildkameras und Temperaturmessgeräten wurden überhitzte Bereiche eingegrenzt und angrenzende Dachräume auf Wärmestauungen und Glutnester durchsucht. Die Feuerwehren begannen bereits die Geräte für die Nachlösch- und Belüftungsarbeiten vorzubereiten.

Rauchentwicklung. - © HFW Villach

Doch die Lage eskalierte…

„Nach rund einer Stunde eskalierte die Lage aber plötzlich, als es zu unvorhersehbaren, massiven Durchzündungen und somit einer rasanten Brandausbreitung kam“, so Einsatzleiter Harald Geissler. Einer der drei eingesetzten Atemschutztrupps meldete einen erkennbaren Feuerschein im Deckenbereich der hinteren Ofenhalle. Innerhalb von wenigen Sekunden breitete sich das Feuer schlagartig aus und griff auf den Dachstuhl über. Den völlig überraschten Trupps und der Einsatzleitung blieb im wahrsten Sinne des Wortes nur mehr die rasche Flucht aus der Ofenhalle. Einige Leitern, Löschleitungen und Ausrüstungsgegenstände mussten dabei aufgegeben und in der Halle zurückgelassen werden.

„Wir konnten unter der stabilen Lage super arbeiten, doch dann schlugen die Bedingungen ohne Vorwarnung um. Unsere Löschversuche erzielten überhaupt keinen Löscheffekt mehr. Somit blieb uns nur der sofortige Weg ins Freie, direkt vorbei an dem Flammeninferno! Glücklicherweise ist dabei niemand von uns verletzt worden“, so die FF Vassach.

Zahlreiche Wehren wurden alarmiert

Sofort wurden weitere Kräfte nachalarmiert. In weiterer Folge wurden in kurzen Zeitabständen Feuerwehren der Stadt Villach, des Bezirkes Villach-Land und weitere Feuerwehren und Hubrettungsgeräte aus dem Bezirk St. Veit und Spittal angefordert. Die Feuerwehr Arnoldstein rückte mit einem Tank und einer Drehleiter sowie dem MTF mit dazugehörigen Atemschutzgeräteträgern aus. Die Aufgabe bestand darin, den Brand im Bereich der Werkstätte zu halten und ein Übergreifen auf das Verwaltungsgebäude zu verhindern. So waren es die Feuerwehren Siebenbrünn-Riegersdorf, Gödersdorf, Finkenstein, Latschach, Velden, St. Egyden, Wernberg und Treffen, die teilweise direkt über die LAWZ oder auf Anforderung durch die Abschnittsfeuerwehrkommandanten Michael Miggitsch und Manfred Brugger zum Brandeinsatz als Unterstützung nachbeordert wurden. Den vier anwesenden Zugskommandanten der Hauptfeuerwache wurden Einsatzabschnitte analog der Himmelsrichtungen zugewiesen. Alle Wehren des Nachbarbezirkes der Stadt Villach waren auf der östlichen Seite des Brandobjektes im Einsatz.

30 Polizisten im Einsatz

Über die Einsatzzentrale der Stadt Villach wurde die Abschaltung der Betriebsanlage erwirkt. Dabei wurde die gesamte Gasversorgung sowie die Stromversorgung inklusive der im Werk vorhandenen Trafoanlagen abgeschaltet.

Die Polizei Villach sperrte mit rund 30 Beamten die Einsatzstelle großräumig ab und koordinierte mit dem Wirtschaftshof der Stadt Villach die umfangreichen Verkehrsmaßnahmen. Die Flugeinsatzstelle führte mehrere Erkundungsflüge mit dem Polizeihubschrauber durch und übermittelte mehrere Luftbilder und Lageeinschätzungen an die Einsatzleitung.

Firmengelände konnte evakuiert werden

Zu diesem Zeitpunkt war das taktische Hauptaugenmerk darauf ausgelegt das Feuer im Ausbruchsbrandabschnitt zu halten. An der nördlichen Grenze der Ofenhalle wurde mit einem entschlossenen Löschangriff eine Brandschutztüre gesichert, die von herabfallenden Trümmern teilweise aus ihrer Verankerung gerissen wurde und den Flammen nicht mehr standhielt. Auch umliegende Gebäude waren aufgrund der Situation gefährdet. Das Firmengelände selbst konnte jedoch zügig evakuiert werden. Es wurden keine Personen verletzt.

Im Innenangriff waren Kameraden aus den verschiedenen Abschnitten des Bezirkes Villach im Einsatz, welche sich über das östlich situierte Stiegenhaus ins Gebäudeinnere vorgekämpft hatten und dort gemeinsam mit Atemschutzkameraden aus dem Stadtbereich von Villach einen gemeinsamen Löscherfolg erzielten. Es konnte im 2. Obergeschoss der bereits über Öffnungen in der Außenwand durchgedrungene Brand ins Bürogebäude gelöscht werden.

Brand gegen 8 Uhr unter Kontrolle

Gegen 05.30 Uhr war die Hitze- und Rauchentwicklung am größten. Das rund 80 Meter hohe Flammenbild und der aufsteigende Brandrauchpilz war kilometerweit zu sehen. Ein Außenangriff über die Drehleiter Arnoldstein sowie dem Hubsteiger von Velden brachte schlussendlich einen sehr guten Erfolg. Mit den Hubrettungsgeräten und mehreren Trupps auf den Flachdächern wurde das Feuer niedergekämpft und konnte gegen 8 Uhr unter Kontrolle gebracht werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten noch bis in die Abendstunden und den nächsten Vormittag an. Nicht zugängliche Teile der Ofenhalle wurden dabei mit Mittelschaum bedeckt. Wegen einer merkbaren Geruchsbelästigung im Gemeindegebiet von Wernberg wurden Schadstoffmessungen seitens der Umweltabteilung des Landes veranlasst. Nachdem über die Luftgütemessung in diesem Bereich keine gefahrbringenden Konzentrationen nachgewiesen werden konnte, waren weitere Maßnahmen nicht erforderlich.

Insgesamt wurden mit den Fahrzeugen und der Füllstation in der Hauptfeuerwache 400 Atemluftflaschen gefüllt. Mehrere Atemschutztrupps waren bis zu sechs Mal im Einsatz.

Drohne erstmals im Einsatz

Erstmals wurde die Erkundungsdrohne der HFW zur Lageerkundung und in weiterer Folge für Detailaufnahmen im Inneren der gesperrten Ofenhalle eingesetzt.

Einer der größten Brände in der Geschichte der HFW

„Der Brand war einer der Größten in der Geschichte der Hauptfeuerwache Villach. Eine Betriebsanlage in diesem Ausmaß und dieser Betriebsart birgt eine Vielzahl von Gefahren in sich. Hochspannungstransformationsanlagen, komplexe Prozesstechnik, Gas und Druckluftversorgungsanlagen, diverse Gefahrstoffe, unterschiedliche Wärmetransferverfahren mit Thermoölen, Abluftsystemen und ständig heiße Öfen und Oberflächen sind eine echte Herausforderung. Wenn es dann in einem “Ofenhaus“ – in einem Haus, in dem es ohnehin jeden Tag (dienstlich) brennt – zu einem Schadensfeuer kommt, geht es ordentlich zur Sache“, so Einsatzleiter Harald Geissler in einem Resümee.

Die aus dem Jahr 1954 stammende Gebäudestruktur der Ofenhalle hat trotz laufender brandschutztechnischen Anpassungen ihren Beitrag zum Großbrand geleistet. Auf der anderen Seite wurde auch erkannt, dass die unter dem Dachstuhl liegende Ofenhalle mit den an vielen Teilen der Decke montierten Brandschutzplatten lange unversehrt blieb. Erst als die Statik des Daches versagte breitete sich das Feuer nach unten aus.

Bezirkskommando dankt allen Feuerwehren

„Alles in allem war es ein sehr koordinierter Einsatzablauf, welcher durch den zuständigen Einsatzleiter für den östlichen Bereich eingeteilt und abgearbeitet wurde. Ein kameradschaftliches Arbeiten in diesem Bereich war die Voraussetzung des erzielten Erfolges“, so Abschnittsfeuerwehrkommandant ABI Ing. Michael Miggitsch. Der eingesetzten Mannschaften des Bezirkes Villach-Land wird seitens des Bezirkskommandos ein recht herzlicher Dank für ihre tolle Arbeit und hervorragenden Leistungen ausgesprochen. Zur Brandursache können noch keine Angaben getätigt werden und steht diese noch nicht fest. Vermutet wird, dass das Feuer im Ofenhaus ausbrach und sich rasch ausbreitete.

Wie geht es weiter mit 3M?

Hier geht es zum Artikel.

Atemschutzträger der Feuerwehr St. Egyden

Atemschutzträger der Feuerwehr St. Egyden - © Freiwillige Feuerwehr St.Egyden/Drau

Fakten

32 Feuerwehren mit 63 Fahrzeugen und 360 Mann
10 Streifen, 1 Hubschrauber und 30 Beamte der Polizei
Rotes Kreuz Villach 14 Mitglieder
Stadt Villach Wirtschaftshof und Wasserwerk 5 Mann
Störungsdienst Kelag – Strom und Gas 2 Mitarbeiter

1000 Liter Schaummittel, 300 Stück B und C Schläuche, 400 Atemschutzflaschen wurde gefüllt

Villach-Stadt:

Freiwillige Feuerwehr Drobollach
Freiwillige Feuerwehr Fellach
Freiwillige Feuerwehr Gratschach – St.Andrä
Freiwillige Feuerwehr Hauptfeuerwache Villach
Freiwillige Feuerwehr Judendorf
Freiwillige Feuerwehr Landskron
Freiwillige Feuerwehr Maria Gail
Freiwillige Feuerwehr Möltschach
Freiwillige Feuerwehr Perau
Freiwillige Feuerwehr Pogöriach
Freiwillige Feuerwehr St. Magdalen
Freiwillige Feuerwehr St. Martin
Freiwillige Feuerwehr St. Ruprecht
Freiwillige Feuerwehr St. Ulrich
Freiwillige Feuerwehr Turdanitsch – Tschinowitsch
Freiwillige Feuerwehr Vassach
Freiwillige Feuerwehr Völkendorf
Freiwillige Feuerwehr Wollanig
Freiwillige Feuerwehr Zauchen

Villach-Land:

Arnoldstein mit 21 Mann und 3 Fahrzeugen,
Siebenbrünn – Riegersdorf mit 8 Mann und 3 Fahrzeugen,
Gödersdorf mit 14 Mann und 3 Fahrzeugen,
Finkenstein mit 11 Mann und 3 Fahrzeugen,
Latschach mit 10 Mann und 2 Fahrzeugen,
Velden mit 15 Mann und 3 Fahrzeugen,
St. Egyden mit 3 Mann und 1 Fahrzeug,
Lind ob Velden mit 3 Mann und 1 Fahrzeug,
Wernberg mit 6 Mann und 1 Fahrzeug,
Treffen mit 7 Mann und 1 Fahrzeug sowie
Bezirksfeuerwehrkommandant Villach – Land, Abschnittskommandanten Dreiländerecke und Wörthersee West

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