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Vorfall bei Metro Klagenfurt führt zu Diskussionen

(Assistenz)­Hunde müssen draußen bleiben?

Klagenfurt – "Hunde müssen draußen bleiben", so oder so ähnlich prangt es oft an Hinweisschildern vor Bekleidungsgeschäften, Supermärkten und anderen Einzelhändlern. Doch einige unserer Mitmenschen sind auf die Vierbeiner angewiesen. Sogenannte Assistenzhunde leisten unglaublich wertvolle Arbeit und ermöglichen Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen eine Teilhabe an der Gesellschaft. Doch ein Fall aus der Region regt auf: Einer Dame mit Assistenzhund wurde bei Metro Klagenfurt der Zugang verwehrt. Das Unternehmen hat sich mittlerweile dazu geäußert.

 7 Minuten Lesezeit (899 Wörter) | Änderung am 11.04.2018 - 19:42

Ingrid M. wollte mit ihrem Assistenzhund Sultan Einkäufe in der Metro Klagenfurt erledigen. „Doch diesmal durfte ich das Geschäft mit meinem gut ausgebildeten, geprüften und selbstverständlich gekennzeichneten Hund nicht betreten“, schreibt sie in einem öffentlichen Beitrag an die Facebook-Seite von Metro Österreich. Anschließend wurde offenbar sogar die Geschäftsleitung herangezogen.

Trotz Gesetzestext und Behindertenpass: Kein Zutritt

Ingrid M. ist auf Situationen wie diese gut vorbereitet. „Doch ich hatte keine Chance. Der Herr wollte weder den Gesetzestext (den ich dabei hatte) oder den Eintrag im Behindertenpass sehen noch ließ er eine Erklärung zu. Auch der Hinweis, dass ich bis jetzt jedes Mal problemlos einkaufen durfte, half nicht“, schreibt sie weiter.

Hunde seien im Lebensmittelhandel nicht erlaubt, eine Anzeige wolle er deshalb nicht riskieren, hieß es wohl im Gespräch vor Ort. Einwände, dass es für Assistenzhunde eine Ausnahmeregelung gäbe, verhallten ungehört. Eine Diskussion sollte gar nicht erst aufkommen. Ingrid M. wurde schließlich angeboten, sie durch den Markt zu führen: „Das Angebot (…) fand ich zwar höflich aber gänzlich unangebracht.“

Für Assistenzhunde wie Sultan gelten Ausnahmeregelungen - © KK

Es half nichts: Der Hund blieb im Auto

Ingrid M. musste ihren Hund im Auto zurücklassen, um ihren Einkauf erledigen zu können: „Mein Hund wurde extra dafür ausgebildet, um mich sicher durch die Welt zu führen. Ich vertraue ihm und er hat noch nie in einem Geschäft für Unruhe gesorgt, wie Ihnen sicherlich auch ein Teil ihrer Angestellten bestätigen kann.“

Assistenzhunde im Gesetz

In Österreich sind Assistenzhunde seit dem 1. Januar 2015 im Bundesbehindertengesetz § 39a eingetragen. Dort heißt es u.a.: „Assistenzhunde sollen zum Zwecke der Erweiterung der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen eingesetzt werden und dauernd bei der betroffenen Person leben.“

Als Assistenzhunde gelten Blindenführhunde, Servicehunde und Signalhunde.

„Meine Selbstständigkeit ist mir ganz viel wert“

„Es wäre toll, wenn alle Menschen wüssten, dass Assistenzhunde ein Hilfsmittel auf vier Pfoten sind und dafür da sind, dem Besitzer das Leben zu erleichtern. Sie sind Arbeitstiere, die aber ihren Job gerne machen und auch genug Freizeit haben. Vielfach scheitert es nämlich auch am Verständnis. Assistenzhunde sollen die Selbstständigkeit erhalten und die ist mir zum Beispiel ganz viel wert. Mehr als jede menschliche Assistenz, die wir natürlich auch brauchen. Trotzdem möchte ich und alle meine Kollegen so viel wie möglich selbstständig schaffen“, erklärt Ingrid M. gegenüber 5 Minuten.

Und: „Niemand kommt auf die Idee, dass jemand, der von der Baustelle kommt, seine Schuhe auszieht, bevor er ins Geschäft geht. Ich sollte aber meine Augen abgeben?“

User sauer, Metro meldet sich

Schon bald nach dem Facebook-Beitrag von Ingrid M. waren erste wütende Kommentare zu lesen, wie zum Beispiel dieser: „Man sollte langsam anfangen, die zu boykottieren. Unmenschlicher Haufen. Das ist eine Schande.“ Ein weiterer Kommentar beschwichtigt: „Unmenschlich ist nicht richtig, unwissend! Er wollte ihr ja wohl behilflich sein!“ Und so entsteht auf der Metro-Seite eine lebhafte Diskussion.

Schließlich schaltet sich auch das Unternehmen ein, bittet um die Kontaktdaten von Ingrid M. Metro entschuldigt sich im Vorfeld: „Es tut uns sehr leid, dass Sie eine schlechte Erfahrung bei uns machen mussten.“ Dass der Vorfall aber nun nicht-öffentlich aufgearbeitet werden soll, stößt einem User sauer auf: „Wollt Ihr Euch nach dem Vorfall nicht vielleicht doch lieber auch hier ganz offen und transparent verantwortlich zeigen, anstatt das gleich wieder auf dem Weg der privaten Nachrichten schön leise unter den Teppich zu kehren?“, schreibt ein Herr. Und Metro reagiert tatsächlich mit einer öffentlichen Stellungnahme (s. Info-Kasten) – man habe „fehlerhaft gehandelt“.

Stellungnahme Metro

Wir nehmen gerne auch hier öffentlich zu dem Vorfall Stellung. Zum Verständnis: Wir bitten unsere KundInnen, uns ihre Kontaktdaten als Nachricht zu schicken, da wir diese vertraulich behandeln möchten und wir nicht möchten, dass sie auf Facebook für alle UserInnen ersichtlich sind.

Wir sind uns bewusst, dass beim genannten Vorfall einer unserer Mitarbeiter fehlerhaft gehandelt hat. Es gibt eine spezielle Regelung für den Zutritt von Assistenzhunden im Lebensmittelhandel. Dies wusste der Mitarbeiter nicht und hat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Es gibt sehr strenge Hygienevorschriften im Lebensmittelhandel, die er versucht hat einzuhalten. Es wurde von seiner Seite auch angeboten, den Hund einstweilen mit Wasser zu versorgen und die Kundin bei ihrem Einkauf zu unterstützen.

Der Mitarbeiter wird sich auch noch einmal persönlich bei der Kundin melden, um etwaige Missverständnisse zu klären. Natürlich werden wir auch intern etwas für uns aus diesem Vorfall mitnehmen und unsere MitarbeiterInnen bezüglich dem Thema Assistenzhunde, die wichtige Arbeit für viele Mitmenschen leisten, noch mehr sensibilisieren.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis!
Beste Grüße, Ihr METRO Facebook Team

Vorfall geklärt?

Bei Metro Klagenfurt dürfte sich ein derartiger Vorfall wohl so schnell nicht mehr wiederholen. Es ist davon auszugehen, dass allen Beschäftigten der korrekte Umgang mit Assistenzhunden erklärt wird. Im Gespräch mit Ingrid M. erfahren wir, dass sie ihre Kontaktdaten dem Unternehmen überlassen hat, um das Geschehene noch einmal zu besprechen. Metro hat sich mittlerweile auch bei ihr gemeldet und versprochen, dass Assistenzhunde in Zukunft ohne Probleme Zutritt haben werden.

Eine Anfrage von 5 Minuten an Metro Österreich blieb unbeantwortet.

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