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Blutdepot-Leiter des Elisabethinen-Krankenhauses: Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink (Vorstand Anästhesiologie und Intensivmedizin) und Erster Oberarzt Dr. Horst Pojer mit Stationsleitung DGKP Claudia Tschmelitsch-Aichholzer © StudioHorst

Weltblutspendetag am 14. Juni

Sparsamer Umgang mit Blut

Klagenfurt – Durch konsequente Umsetzung verschiedener blutsparender Maßnahmen wird im Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt immer weniger Fremdblut verabreicht. Bei planbaren Operationen in den Bereichen Chirurgie und Orthopädie kann Großteils auf Blutkonserven verzichtet werden.

 7 Minuten Lesezeit (882 Wörter) | Änderung am 04.06.2018 - 18:31

Alleine im vergangenen Jahr konnten nahezu 90 Liter Blut eingespart werden. Dabei setzt man auf das sogenannte Patient Blood Management, also den klugen Umgang mit der wertvollen Ressource Blut. Nur fünf Prozent der Patienten, die 2017 im Elisabethinen-Krankenhaus eine Hüft-Prothese und nur drei Prozent der Patienten, die eine Knie-Prothese implantiert bekommen haben, waren auf Blutkonserven angewiesen. Als eine der wichtigsten Maßnahmen erachten die Experten die rechtzeitige Behandlung von Anämien. Dies ist nur durch gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten gewährleistet.

Weltblutspendetag steht vor der Tür

Am 14. Juni ist Weltblutspendetag: Blutspenden retten Leben – aber unnötige Transfusionen können auch Schaden anrichten. Galten Transfusionen früher als Allheilmittel gegen Blutarmut, wird heute alles unternommen, um sie bei planbaren Operationen zu vermeiden. Seit Jahren beobachten die Narkoseärzte am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, dass Patienten, die ohne Fremdblutoperiert werden, den Eingriff dauerhaft besser verkraften als jene, die aufeine Transfusion angewiesen waren. Der Grund: Fremdes Blut schwächt die Immunität. Aus diesem Grund setzt man im Elisabethinen-Krankenhaus auf dasKonzept „Patient Blood Management“, das blutsparende Maßnahmen vorsieht.

„Wir haben allein im vergangenen Jahr nahezu 90 Liter Blut einsparen können und konnten so auch das Risiko für die Patienten durch die Gabe von Fremdblut erheblich reduzieren“, erklärt der Abteilungsvorstand der Anästhesiologie und Intensivmedizin, Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink. Gemeinsam mit dem Ersten Oberarzt und Blutdepotleiter Dr. Horst Pojer betreut er das Programm und steht dabei in engem, interdisziplinärem Austausch mit den chirurgischen Abteilungen im Haus.

Lieber eigenes als fremdes Blut

Blutsparende Operationstechniken gerade im Bereich der minimal invasiven Chirurgie und Orthopädie sowie Blutsammelgeräte können den Blutverbrauch während der Operation deutlich senken. „Während der Operation wird das Wundblut gesammelt, mittels eines eigenen Gerätes aufbereitet und als Blutkonserve zurückgegeben. Dies nennt man retransfundieren. Im Elisabethinen-Krankenhaus gibt es dafür zwei sogenannte Cellsaver. Der große Vorteil: So können Bluttransfusionen weitgehend vermieden werden und der Patient erhält sein eigenes Blut“, erklärt Pojer.

EOA Dr. Horst Pojer: „Patient Blood Management zielt darauf ab, den Patienten so vorzubereiten und während der Operation so zu behandeln, dass er gar nicht in eine Situation kommt, in der eine Bluttransfusion nötig wird.“
 Das Konzept steht laut Pojer auf drei Säulen: Erstens wird darauf geachtet, dass der Patient nicht blutarm, im Fachjargon anämisch, zur Operation kommt. Zweitens steht im Fokus, dass der Patient während der Operation möglichst wenig Blut verliert. Und drittens, so Pojer, „wird dem Patienten, solange er sich klinisch gut fühlt, auch bei niedrigen Hämoglobinwerten keine Blutkonserve verabreicht. Eine milde Sauerstoffgabe reicht oft zur Unterstützung und Überbrückung aus.“

Genaue Abklärung im Vorfeld

„Durch die konsequente Umsetzung dieses Patient Blood Managements ist es gelungen, innerhalb der letzten Jahre den Fremdblutverbrauch aller Abteilungen des Elisabethinen- Krankenhauses mehr als zu halbieren“, betont EOA Dr. Horst Pojer. 
Der Erfolg lässt sich in weiteren Zahlen verdeutlichen: „Nur fünf Prozent der Patienten, denen im vergangenen Jahr im Elisabethinen-Krankenhaus eine Hüft-Prothese und nur drei Prozent der Patienten, die eine Knie-Prothese implantiert bekommen haben, waren auf Blutkonserven angewiesen.“

Besonders wichtig dabei ist, dass sich die Patienten rechtzeitig in der Anästhesieambulanz im Elisabethinen-Krankenhaus vorstellen. „Wir nutzen diese frühe Phase in der Anästhesieambulanz um eine rechtzeitige Behandlung von Vorerkrankungen ein zu leiten und dadurch das Narkoserisiko zu minimieren. Ein Beispiel davon ist die Blutarmut. Liegt ein Eisenmangel vor, können wir umgehend reagieren und die Zeit bis zur Operation nutzen um diesen Mangel aus zu gleichen “, schildert Pojer das Prozedere.

Eine verstärkte Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten ist dabei besonders wichtig. Eine gemeinsame Vorbereitung – bereits Wochen vor dem OP-Termin – soll bei den Patienten die Angst vor dem Eingriff zerstreuen und den Heilungsverlauf verkürzen. „Die mitgebrachten Vorbefunde oder Arztbriefe dienen als Grundlage, um zu eruieren, ob rechtzeitig vor der OP noch eine Therapie durchgeführt werden sollte. Dadurch kann das Risiko deutlich minimiert und der Ausgang der Operation/Narkose deutlich verbessert werden“, erklärt Pojer.

Mehr Sicherheit für Patienten

Der Medizinische Direktor und Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Prim. Dr. Manfred Kuschnig ergänzt: „In diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Patienten, die eine Bluttransfusion bekommen haben, mehr Komplikationen aufweisen als solche, die in ähnlichen Situationen kein Fremdblut erhalten haben. Die Patienten sindhäufiger im Spital, erleiden häufiger Lungenschäden, Nierenversagen und sie leiden häufiger an Infektionen. Ebenso wurde eine höhere Mortalität festgestellt; das heißt, es kommt zu mehr Todesfällen.“ Das Patient Blood Management sei aber kein „Nein zu Transfusionen“, warnt Erster Oberarzt Dr. Horst Pojer. Denn nicht immer gehe es ohne Fremdblut.

Dieser sorgfältige Umgang mit den Blutkonserven hat – außer der angestrebten höheren Patientensicherheit – zudem noch einen anderen Hintergrund, wie die Ärzte betonen: „Wir sehen es auch als Wertschätzung jenen gegenüber die bereit sind ihr Blut zu spenden, um Leben zu retten. Daher ist es wichtig mit der Ressource Blut sparsam umzugehen. Blutspenden sind aber nach wie vor wichtig, denn nicht immer gelingt es, Menschen mit Eigenblut zu versorgen, dann können nur Blutspenden Leben retten“, so der Blutmanager des Elisabethinen-Krankenhauses EOA Dr. Horst Pojer.

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