Schmutziges Geschäft mit dem Tod? in Villach - 5 Minuten - Nachrichten & Aktuelles

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Wirtschaft - Villach
Hintergrund
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Wurden Leichen illegal gelagert?

Schmutziges Geschäft mit dem Tod?

Villach – Begräbnisse sind teuer. Wer schon einmal eines organisieren musste, weiß das. Der Markt ist - wie viele andere auch - umkämpft. Doch übertreiben es alteingesessene Bestatter gegenüber neuen Mitbewerbern? Der Meinung ist zumindest die Recherche-Plattform Addendum. Es geht um den Chef des Marktführers, einer engagierten Detektivin und das, kalkulierte, Geschäft mit dem Tod.

 6 Minuten Lesezeit (774 Wörter)

Die von der Recherche-Plattform Addendum heute veröffentlichte Geschichte ist umfangreich und erhebt schwere Vorwürfe. Wir haben uns den Beitrag näher angesehen und stellen euch die wichtigsten Inhalte vor.

Die Protagonisten

Auf der einen Seite ist Helmut Lassnig aus Arriach, seit 2011 ist er mit seinem Bestattungsunternehmen selbständig tätig – ein Neuling also. Auf der anderen Seite steht Walter Egger. Dieser ist Geschäftsführer beim Konkurrenzunternehmen „Bestattung Kärnten“ – dem Platzhirschen. Egger ist aber auch gleichzeitig Innungsmeister. Diese Doppelfunktion beschreibt Addendum als „schiefe Optik“ – schließlich könne man als Innungsmeister gleichzeitig unverhältnismäßig viel Druck auf unliebsame Mitbewerber ausüben.

Der Vorwurf

Wie eingangs schon erwähnt, soll in der Bestatterbranche mit harten Bandagen gekämpft werden. Begonnen hat alles mit einer E-Mail eines Mitarbeiters der Bestattung Kärnten an die Geschäftsführung. Der Mitarbeiter gibt darin an, Helmut Lassnig hätte eine Leiche aus dem LKH Villach abgeholt, die erst fünf Tage später beerdigt werden sollte. Über „ordentliche Kühlräumlichkeiten“ verfüge Lassnig jedoch nicht. Der Mitarbeiter wirft auch die Frage auf, ob die Innung nun tätig werde, was sie natürlich tat – schließlich müsste sie, wenn die Vorwürfe über die Kühlräumlichkeiten tatsächlich wahr wären, schon aus offensichtlichen Gründen einschreiten. Und: Einer der Geschäftsführer der Bestattung Kärnten – wir erinnern uns – ist auch der Innungsmeister. Die Wege waren also kurz.

Auftritt Privatdetektiv

Die Kammer engagierte in der Folge eine Privatdetektivin, die sich auf die Suche nach illegal gelagerten Leichen machen sollte. Außerdem soll die Kammer die Wohngemeinde Lassnigs, die Bezirkshauptmannschaft Villach, die Polizei und die Gerichte alarmiert haben. Die Privatdetektivin fuhr zum Anwesen von Helmut Lassnig und machte Fotos von einem Container mit Kühlaggregat. Gelagerte Särge konnte sie dort nicht erkennen.

Was ist erlaubt und was nicht?

Dass es gewisse Vorschriften bei der Lagerung von Leichen geben muss, leuchtet ein. Doch dabei gehen die Ansichten offenbar auseinander. Warum aber die Privatdetektivin? „Weil Herr Lassnig keine Genehmigung für die Betriebsanlage Kühlcontainer hat“, sagt Innungsmeister und Bestattung Kärnten-Chef Walter Egger. Und weil Lassnig, so Egger weiter, die Betriebsstätte Kühlcontainer nicht einmal gemeldet habe. Auch das haben die Kämmerer bei den Behörden angezeigt. Inklusive Beilage der beauftragten Privatermittlerin.

Doch ist das die ganze Geschichte? Lager müssen laut Gewerbeordnung nicht nur nicht gemeldet werden, sondern brauchen unter der Voraussetzung, dass nachts nicht angeliefert wird, auch keine Betriebsstättengenehmigung. Alles Informationen, die auf den Serviceseiten der Wirtschaftskammer nachzulesen sind (zum Beispiel hier und hier). War das harsche Vorgehen gegen Lassnig also unverhältnismäßig, da doch eigentlich alle Vorschriften eingehalten wurden?

Das Geschäft mit dem Tod

Addendum verortet die Antwort darauf in einem hart umkämpften Markt. „Obwohl das [der Kühlcontainer auf dem eigenen Anwesen, Anm.] das Kärntner Bestattungsgesetz zulässt, nutzt der lokale Platzhirsch, die Bestattung Kärnten, seither jeden Hebel aus Bau- und Gewerbeordnung, um Lassnig und seinem Familienunternehmen das Leben schwer zu machen. Es hagelte Anzeigen. Auch die örtliche Polizei und das Landesverwaltungsgericht sind beschäftigt.“

Laut der Recherche-Plattform vermutet auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) „Handlungsbedarf“ innerhalb der Branche. Neben fehlender Preistransparenz bemängelt die BWB regelmäßige Beschwerden von Bestattern selbst. Und meist geht es um Steine, die einem die Platzhirsche in den Weg legen. Die gesamte Geschichte gibt es hier.

Der Markt

Bei jährlich etwa 80.000 Sterbefällen und geschätzten 4.000 Euro Kosten pro Begräbnis geht es um ein Volumen von mindestens 320 Millionen Euro jährlich.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) erklärt: 205 Bestattungsunternehmen, das sind 40 Prozent, haben gar keine Website. 290 weitere (56,5 Prozent) führen zwar eigene Homepages, geben dort jedoch keine Preise bekannt. Was das bedeutet? Eine Transparenz über Preise ist praktisch nicht vorhanden. Fehlt dann auch noch der Wettbewerb – bzw. wird dieser aktiv verhindert – zahlt der Kunde am Ende drauf. Die Preise schießen in die Höhe.

IM KONTEXT: LEBEN MIT DEM TOD – Bestattung im Wandel

Donnerstag, 21.15 Uhr auf SERVUS TV

Das österreichische Bestattungswesen befindet sich im Umbruch: Die traditionelle Beerdigung ist immer weniger gefragt. Welche neuen Beisetzungsformen gibt es? Warum wird die Feuerbestattung immer beliebter? Welche Kosten entstehen bei einem Begräbnis? Und wie unterscheidet sich eine Beerdigung auf dem Land von einer Beisetzung in der Großstadt?

Die „Im Kontext“-Reportage beleuchtet den Alltag von traditionellen und Naturbestattern, begleitet eine Sargdesignerin bei der Arbeit und nimmt die Zuseher mit hinter die Kulissen des modernsten Krematoriums Österreichs.

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