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Leute - Villach
Reportage
Links die neuen Räumlichkeiten (Erdgeschoss). Rechts die alten (1. Stock). © PRIVAT

Wenn am Ende doch nichts neu war

Die halbe Schulsanierung

Villach – Teile des Schulkomplexes in der Trattengasse wurden generalsaniert - 5,2 Millionen Euro hat man investiert. Die Freude bei den Schülern und Eltern der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf (SeF) war groß. Doch kurz vor Schulschluss meldete sich eine verzweifelte Mutter bei uns, denn die Schüler der SeF mussten die sanierten Räumlichkeiten wieder verlassen. Aber was steckt dahinter?

 10 Minuten Lesezeit (1206 Wörter) | Änderung am 18.07.2018 - 13:17

Das Thema rund um den sanierten Schulstandort entpuppte sich als komplexe Angelegenheit. Eine Angelegenheit, welche durch Kommunikationsfehler und den aktuellen – vermuteten – Kurs der Bundesregierung bei Sonderschulen an zusätzlicher Tiefe erlangte. Grundsätzlich befinden sich am Standort in der Trattengasse aktuell vier Schulen. Die Polytechnische Schule (PTS), die Friedensschule, eine Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf (SeF) sowie die Allgemeine Sonderschule (ASO). Im Erdgeschoss, im sanierten Teil des Gebäudes, befindet sich ab Herbst die Regelschule mit Inklusions-Charakter der Volksschule 2 (Friedensschule). Schulanfänger mit besonderem Förderbedarf werden ab Herbst in sogenannten kooperativen Kleinklassen sowie in gemeinsamen Einheiten mit nicht beinträchtigten Kindern unterrichtet. Dies entspricht der Idee der Inklusion. In den oberen Stockwerken des Gebäudes befindet sich dann, offiziell, die Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf (SeF) und die Allgemeine Sonderschule (ASO).

Hintergrund

ASO (Allgemeine Sonderschule): Die ASO besuchen Kinder/Jugendliche die keine körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen haben aber zum Beispiel Probleme im Sozialverhalten oder/und ein langsameres Vorgehen bei der Wissensvermittlung oder verstärkte Hilfestellung beim Lernen benötigen.

SeF (Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf): Die SeF ist für körperlich und/oder geistig beeinträchtigte Kinder gedacht, die besondere Hilfestellung bzw. Betreuung brauchen. Darunter auch bei der Stillung von banalen Grundbedürfnissen wie dem Gang zur Toilette.

Kooperativen Kleinklassen: Die Form der Beschulung ist Teil der Inklusion. Kinder mit schwersten Behinderungen, die eine Kleinklasse brauchen damit ihrer Behinderung entsprechend besondere Ziele verfolgt werden können, werden in die Regelschule „integegriert“ und haben einzelne Stunden gemeinsam mit den Regelschülern wie z.B. Musik.

In der Übergangszeit wurde die SeF, für ein Jahr, in den neuen Räumen im Erdgeschoss untergebracht. Doch war nie geplant, dass die SeF dauerhaft im Erdgeschoss bleiben würde – das wurde uns auch von Dr. Dagmar Zöhrer (Landesschulinspektorin für Sonderpädagogik und Begabungsförderung) bestätigt. So wäre die einjährige Nutzung der sanierten Räume jedoch nur ein Entgegenkommen, denn die Räume wurden, vom Land Kärnten, für den Schultyp der Regelschule mit Inklusions-Charakter umfangreich ausgestattet. Der Schulbaufonds hat den Auftrag, an 19 Schulstandorten solche Umbauten durchzuführen. Villach soll zwei dieser Standorte bekommen: In der Trattengasse und in Landskron. Beim letzteren Standort wurde noch nicht mit den Arbeiten begonnen. Und hier beginnt das Kommunikationsproblem: Denn medial und laut unseren Infos vor Ort, wurde so kommuniziert, als werde die SeF und die ASO ebenfalls renoviert. Dem ist aktuell nicht so. Das Land Kärnten ist in diesem Bereich auch nicht zuständig, denn der Stadt Villach obliegt die strukturelle Zuständigkeit für die Sonderschule. Daher ist die Stadt für Umbauarbeiten etc. verantwortlich. Die schlussendliche Enttäuschung unter den Schülern und Eltern ist groß, denn die ab Herbst gestellten Räume entsprechen gänzlich anderen Standards. „Es ist leicht, sich mit den Kindern vor die Presse zu stellen und von renovierten Räumen zu reden, die es am Ende gar nicht gibt!“, meint eine enttäuschte Mutter. Auch Betreuungspersonal soll eingespart werden. Aber warum wird nicht weiter saniert, fehlt die Finanzierung? Oder hat es politische Gründe? Wir haben weiter nachgefragt.

Stadt: Man wartet auf Richtungsentscheidung

Auf Bundesebene ist man sich noch nicht einig, in welche Richtung sich das Sonderschulsystem in Zukunft entwickeln wird. Bleiben Sonderschulen? Oder wird, wie bisher, auf Regelschulen mit Inklusions-Charakter gesetzt? Die aktuelle Entscheidungsfindung ist auch der Grund, warum die restlichen Geschosse aktuell nicht, wie geplant, umgebaut werden. Die Signale der Bundesregierung deuten nämlich hin zu Sonderschulen. Sollte der Standort in Landskron umgesetzt werden, hätte man zu viele umgebaute Räumlichkeiten. Auch wenn grundsätzlich mit höchsten Standards in Sachen Barrierefreiheit saniert wird, gibt es dennoch Unterschiede zwischen den Systemen. So würden die Schüler in den sanierten Räumen der Trattengasse andere Anforderungen stellen, als es Schüler „Allgemeiner Sonderschulen“ tun. Und hier wolle man nicht vorschnell agieren. Aber grundsätzlich ist auch geplant, die restlichen Bereiche des Gebäudes zu renovieren und auf einen modernen Standard zu heben. Am aktuellen Zustand der Räumlichkeiten, ändere das jedoch nichts.

Hintergrund

Die ehemalige rot-schwarze Bundesregierung plante im Zuge einer Bildungsreform Sonderschulen bis zum Jahr 2020 zu einem Auslaufmodell werden zu lassen. Nach wie vor wird an der Umsetzung einer „Inklusiven Modellregion“ gearbeitet, deren Ziel es ist, Sondereinrichtungen auslaufen zu lassen. Nun mehren sich Zeichen, dass die aktuelle schwarz-blaue Bundesregierung an den Sonderschulen festhalten will.

Räume werden aber aufgewertet

Um im neuen Schuljahr dennoch für ein freundlicheres Klima zu sorgen werden, so versichert man uns,  jetzt neue Möbel für die veralteten Klassenzimmer angeschafft. Diese können auch in einer, später renovierten Schule, weiter verwendet werden. Auch werden die Schäden über den Sommer behoben. Die Differenz in Sachen Barrierefreiheit bleibt jedoch auch mit neuem Inventar bestehen. So müssen einige Schüler gewickelt werden, was aktuell nur im Erdgeschoss möglich ist. Es gibt aber, so die Stadt, einen eigenen Lift für beeinträchtigte Kinder, damit sie möglichst unkompliziert in das Erdgeschoss kommen. Die meisten Kinder im ersten und zweiten Stock benötigen dieses WCs, laut Auskunft der Stadt, jedoch nicht.

Große Gruppen als weiterer Knackpunkt?

Zumindest die Angst der Eltern, dass es nun viel größere Gruppen in den einzelnen Klassen geben wird, konnte man entkräften. Die 30 Kinder werden auf vier Klassen aufgeteilt. Das bedeutet keine Veränderung zu der vorherigen Aufteilung. Denn davor gab zwei SeF-Klassen mit je sechs oder sieben Kindern. Nun wird zusammen mit der „Allgemeinen Sonderschule“ unterrichtet. Auch wurde, so die Stadt, kein Betreuungspersonal abgebaut. Die befristeten Verträge seien einfach ausgelaufen. Derzeit läuft eine Ausschreibung für die künftige Betreuung der Schüler.

„Kein Unwille zur Sanierung“

Grundsätzlich gäbe es „keinen Unwillen zur Sanierung“. Die Enttäuschung bei den Eltern und Schülern ist dennoch groß, denn in die alten, nicht sanierten Räumlichkeiten muss trotzdem gewechselt werden. Auch wenn es nun neues Inventar gibt, wird der Standard aus dem Erdgeschoss nicht erreicht – und das obwohl, mit viel Wirbel kommuniziert wurde, dass auch die SeF einer Renovierung unterzogen werde. „Wir werden nicht locker lassen, wir werden das nicht so einfach hinnehmen“, meinte die aufgeregte Mutter im Gespräch.

Doch welches Fazit kann gezogen werden? Dass die Kinder die neuen Räumlichkeiten nutzen durften, war sicherlich eine gut gemeint Geste, sorgt nun aber für Frust unter den Eltern und Schülern. Die Alternative wäre gewesen, die Klassen leer stehen zu lassen. Auch, dass das Thema Sonderschule auf Bundesebene noch nicht entschieden ist und hier für Unsicherheiten sorgt, ist kein Ruhmesblatt für die Regierung. Zumindest, so unser Gefühl, sind Land Kärnten und die Stadt Villach bemüht das Problem wenigstens zu mindern. Eine Anmeldung in den Inklusions-Klassen ist auch weiterhin möglich. Beide sind bemüht, einen „Zwei-Klassen-Unterricht“ im selben Gebäude zu verhindern.

Eine Lösung kann jedoch nur eine komplette Renovierung sein. Im Interesse der Eltern, der Kinder und dem Projekt der Inklusion – oder der Sonderschulen.

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