Zum Thema:

15.09.2018 - 07:55Alpen-Adria-Mediathek feiert 10-Jähriges03.09.2018 - 15:32Selbstbewusst und stark21.08.2018 - 11:03Kärntnerinnen holen Olympisches Gold01.08.2018 - 20:41Neuer Bildungsdirektor wurde angelobt
UPDATE | Politik - Villach & Klagenfurt
© KK

Fehler in "Schatzkiste" werden zum kleinen Politikum

Viel Aufregung zum Schulstart

Kärnten – Pünktlich zum Kärntner Schulstart gibt es Streit über ein Schulbuch. Nein, nicht etwa unter Schülern. Team Kärnten bemängelt ein Sachunterrichtsbuch für Volksschulen, das "vor Fehlern strotzt". "Peinlich" und "unzumutbar" sei das. SPÖ und ÖVP werden von Team Kärnten dafür gleichermaßen kritisiert. Am Abend meldet sich Kärntens Bildungsdirektor Robert Klinglmair zu Wort. Die Bücher sollen rasch geprüft und - bis das geschehen ist - aus der Schulbuchliste gestrichen werden. Wir haben uns das "Mängelexemplar" einmal angeschaut.

 5 Minuten Lesezeit (684 Wörter) | Änderung am 11.09.2018 - 16:42

„Das Sachunterrichtsbuch für Kärntens Volksschulen namens ‚Schatzkiste – Sachunterricht Kärnten‘ strotzt vor Fehlern“, heißt es heute Nachmittag in einer Aussendung von Team Kärnten. Vier vermeintliche Fehler werden aufgelistet. „Peinlich und unzumutbar“ sei das. Gerhard Köfer vom Team Kärnten wirft die Frage in den Raum: „Wie können SPÖ und ÖVP von bester Bildung für unsere Kinder sprechen, wenn den Kleinsten nicht einmal korrektes Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt wird?“

Das Unterrichtsmaterial für Kinder – da sind sich wohl alle einig – sollte in der Tat korrekt sein. Doch um welche Fehler geht es?

Kritikpunkt 1: Wilhelm Rudnigger oder ‚Willhelm Hrudnigger‘?

„In der Rubrik mit Kärntner Berühmtheiten taucht beispielsweise ein gewisser ‚Willhelm Hrudnigger‚ auf, hier dürfte wohl eher der bekannte Mundartdichter Wilhelm Rudnigger gemeint sein“, so Köfer in der Aussendung. Machen wir es kurz: Wilhelm Rudnigger ist natürlich korrekt, das Schulbuch ist an dieser Stelle fehlerhaft.

Fehler Nr. 1: Rudnigger vs. Hrudnigger - © privat

Kritikpunkt 2: Das Beachvolleyball-Turnier

„Weiters wird bei den touristischen Attraktionen Kärntens auf das Beachvolleyball-Turnier in Klagenfurt verwiesen, welches seit Jahren in Kärnten nicht mehr veranstaltet wird“, so Köfer. Das Turnier wurde letztmals 2016 in Klagenfurt ausgetragen. Uns liegt die 2. Auflage des Buches vor – aus dem Jahr 2016. Daher scheint es erstmal wenig verwunderlich, dass das Turnier noch Erwähnung in der 2. Auflage findet. Ob es noch aktuellere Auflagen gibt, konnten wir am heutigen Abend nicht mehr verifizieren. In künftigen Ausgaben wäre dieser Teil zu korrigieren.

Kritikpunkt 3: Der Wörthersee

Ebenso fehlerhaft sei laut Köfer die Bebilderung der Sehenswürdigkeiten: „Der abgebildete See ist dem Anschein nach nicht der Wörthersee, wie es im Buch erklärt wird.“ Auf Seite 58 sind acht Sehenswürdigkeiten mit acht Bildern aufgelistet. Die Bilder sind eher klein gehalten – um welchen See es sich wirklich handelt, ist daher schwer zu sagen. Eine rückwärtsgerichtete Bildersuche über Google ergab keine Treffer.

Kritikpunkt 4: Das fehlende Glantal

Das Glantal liegt zwischen den Wimitzer Bergen und den Glantaler Bergen – beide Begriffe sind auf einer geographischen Abbildung klar zu erkennen. Nur das Glantal selbst, so Köfer, werde darauf „völlig ignoriert“. Und tatsächlich, das Wort „Glantal“ ist nicht zu erkennen. Was nicht bekannt ist, ob aus Platzgründen möglicherweise das Glantal als Begriff einfach ausgespart wurde.

 

Köfer fordert Konsequenzen

Köfer fordert, dass die Bücher aus dem Verkehr gezogen und ersetzt werden: „Auch der betroffene Schulbuchverlag ist hier in der Pflicht und in der Verantwortung. Es geht auch um deren Glaubwürdigkeit. Lehrer müssen auf die Produkte derartiger Verlagshäuser vertrauen können, was zumindest in Bezug auf das vorliegende Sachbuch nicht der Fall ist.“ Es stelle sich zudem die Frage, so Köfer abschließend in der Aussendung, wer sich für die Auswahl der Themen sowie der Bilder verantwortlich zeichne.

Das Buch wird aus der Schulbuchliste gestrichen

Am Abend meldete sich Bildungsdirektor Robert Klinglmair zu Wort. Er will das „zuständige Bildungsministerium mit einer raschen Prüfung und allenfalls notwendigen Berichtigungen“ betrauen.

„Alle Bücher, die in Österreich als Schulbücher eingesetzt werden sollen, durchlaufen ein intensives Begutachtungsverfahren einer Kommission im BMBWF“, erklärt Klinglmair. Sollten, wie im vorliegenden Fall, Fehler in den Schulbüchern der freigegebenen Liste entdeckt werden, so können diese an die zuständige Schulbuchabteilung im BMBWF gemeldet werden.

„Wir werden das Bildungsministerium umgehend informieren und eine neuerliche Prüfung und allenfalls entsprechende Korrekturen vorzunehmen. Bis dahin sollte das fragliche Buch aus der Schulbuchliste gestrichen werden. Selbstverständlich ist alles zu tun, um sicherzustellen, dass allen Schülerinnen und Schülern sowie allen Pädagoginnen und Pädagogen korrekte Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stehen“, betont Klinglmair.

Ende gut, alles gut? Oder viel Lärm um nichts? Diskutiert mit uns auf Facebook!

Update: Bücher werden erneuert

Wie heute bekannt wurde, kündigte der Verlag einen Neudruck der Bücher an. Die Schulen werden informiert, die Bücher ausgetauscht.

Schlagwörter:
Kommentare laden