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Wirtschaft - Villach
Obwohl Patienten, die vorwiegend illegale Drogen konsumieren, im Krankenhaus de La Tour nicht behandelt werden können, sind die dortigen Experten zunehmend mit Mischkonsum konfrontiert.
SYMBOLFOTO Obwohl Patienten, die vorwiegend illegale Drogen konsumieren, im Krankenhaus de La Tour nicht behandelt werden können, sind die dortigen Experten zunehmend mit Mischkonsum konfrontiert. © Fotolia 166028406

Diakonie de La Tour:

Seit 35 Jahren im Kampf gegen Sucht­erkrankungen

Villach – Kaum eine Woche vergeht, ohne Meldungen von Suchtmittelmissbrauch oder sogar Toten, die aufgrund illegaler Suchtgifte ums Leben kamen. Seit bereits 35-Jahren versucht die Diakonie de La Tour süchtigen Menschen zu helfen. Von 5. bis 6. Oktober feiert die Diakonie de La Tour das 35-Jahr-Jubiläum des Krankenhauses de La Tour mit großer Fachtagung zum Thema „Sucht als facettenreiches Krankheitsbild“ in Villach.

 6 Minuten Lesezeit (760 Wörter) | Änderung am 29.09.2018 - 13:15

Vor 35 Jahren wurde das Krankenhaus de La Tour in Treffen am Ossiacher See eröffnet. Das anfangs ausschließlich stationäre Behandlungsangebot mit 20 Plätzen für alkoholabhängige Männer wurde kontinuierlich erweitert. Zuerst wurde eine Frauenstation eröffnet, danach kamen die Ambulanz de La Tour im LKH Villach, die Spielsuchtambulanz und die Ambulanz für Menschen mit problematischem Alkoholkonsum in Spittal an der Drau hinzu, wobei letztere in Kooperation mit der Felix-Orasch-Stiftung geführt wird.

Patienten aus ganz Österreich

Heute gilt das Krankenhaus de La Tour als Behandlungskompetenzzentrum für Alkoholabhängige, Medikamentenabhängige, Spielsüchtige und Menschen mit anderen Verhaltensabhängigkeiten, wie zum Beispiel Kaufsucht oder Onlinesucht. Die Patienten kommen nicht nur aus Kärnten, sondern aus ganz Österreich.

Im Krankenhaus de La Tour stehen mittlerweile 56 Therapieplätze zur Verfügung. Knapp 400 Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen – von jungen Erwachsenen bis zu Menschen im höheren Lebensalter – sind jährlich in stationärer Behandlung, rund 1.700 Kontakte erfolgen ambulant, ein Drittel aller Behandelten sind Frauen. In den letzten 35 Jahren wurden etwa 14.000 Patienten und Patientinnen stationär im Krankenhaus de La Tour behandelt.

Individuelle Therapie- und Behandlungsangebote

Um der zunehmenden Komplexität von Suchterkrankungen gerecht zu werden, wurde auch das Behandlungsangebot weiterentwickelt. „Insbesondere psychiatrische Begleiterkrankungen, die häufig Ursache bzw. Folge einer Suchterkrankung sind, finden im Therapieangebot Berücksichtigung“, so die ärztliche Leitung des Krankenhauses de La Tour, Primaria Dr. in Renate Clemens-Marinschek. Neben Gruppen- und Einzeltherapien, welche sich an der individuellen Situation der Patienten orientieren, steht auch die Miteinbeziehung von Angehörigen im Vordergrund des therapeutischen Geschehens. Gesundheitsfördernde Maßnahmen tragen wesentlich zum Gelingen einer Lebensstiländerung bei, welche eine wichtige Grundlage für eine langfristige Abstinenz und Zufriedenheit darstellt. Nach der stationären Therapie gibt es ein fix installiertes Nachbehandlungsangebot, das, so der Wunsch, gerade im ländlichen Bereich noch ausgebaut werden soll.

Mehr Behandlungsangebote werden benötigt

Auch das Expertenteam der Diakonie de La Tour ist zunehmend mit dem Thema Mischkonsum konfrontiert, obwohl Patienten, die vorwiegend illegale Drogen konsumieren, im Krankenhaus de La Tour nicht behandelt werden können. Die jahrelangen Erfahrungen zur Entstehung, Behandlung und Prävention von Süchten werden vom Team aber in die vom Land Kärnten einberufenen Experten-Arbeitskreise eingebracht: „Grundsätzlich braucht es auch im Bereich illegaler Drogen noch mehr Behandlungsangebote mit leichter Zugänglichkeit im ambulanten und stationären Bereich. So können auch Risikogruppen bzw. Personen frühzeitig erfasst und die richtigen Schritte gesetzt werden“, so Primaria Dr. in Renate Clemens-Marinschek.

14.000 Tote wegen Nikotinabhängigkeit

Auf die gesundheitlichen Folgewirkungen bei Alkoholabhängigkeiten weist die psychologische Leitung des Krankenhauses de La Tour, Mag. a Bettina Quantschnig hin. „Jährlich sterben in Österreich 8.000 bis 10.000 Menschen an den direkten Folgen von zu hohem Alkoholkonsum, die Zahl der an Folgeerkrankungen Leidenden ist noch deutlich höher. Nur die Todesfälle in Folge von Nikotinabhängigkeit sind noch höher, hier sterben 14.000 Personen jährlich. Deshalb bietet das Krankenhaus de La Tour für seine PatientInnen auch Programme zur Raucherentwöhnung an.“

Prävention, Behandlung und Auswirkungen

Dass es sich bei allen Suchterkrankungen um ein facettenreiches Krankheitsbild handelt, geht auch aus dem Programm der Fachtagung hervor. Die Bandbreite der insgesamt 22 Vorträge reicht von verschiedenen Suchterkrankungen und ihren medizinischen Hintergründen über unterschiedliche Therapieansätze bis hin zu den Möglichkeiten der Prävention. Die Referentinnen und Referenten stammen aus ganz Österreich und aus Südtirol. Beitragen soll die Tagung auch zu einer weiteren Entstigmatisierung Suchtkranker: „Sucht wird zu oft noch als individuelle Schwäche und nicht als Krankheit gesehen“, so der Rektor der Diakonie de La Tour, Pfarrer Mag. Hubert Stotter. „Mit unserer Veranstaltung wollen wir auf die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Behandlung von Suchterkrankungen aufmerksam machen, damit eine Erkrankung für Betroffene und deren Umfeld nicht in einer persönlichen Katastrophe endet.“

Die kostenlose Tagung im Parkhotel Villach ist mit 250 Teilnehmenden bereits restlos ausgebucht.

Diakonie de La Tour:

Die Diakonie de La Tour ist eine der größten Sozialorganisationen im Süden Österreichs mit mehr als 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in rund 90 Einrichtungen in Kärnten, Osttirol und der Steiermark. Wir begleiten, pflegen und fördern Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen, Menschen mit Behinderungen und mit Assistenzbedarf, Kinder, Schülerinnen und Schüler, Menschen mit Erkrankungen und Suchtproblematiken, Menschen im Alter sowie Menschen auf der Flucht. Soziales Engagement, orientiert an christlichen Werten, wird bei uns seit über 145 Jahren gelebt. Die Diakonie de La Tour ist Mitglied der Diakonie Österreich, einem der fünf großen Wohlfahrtsverbände in Österreich.

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