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Politik - Villach & Klagenfurt
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"Suchtgiftmaßnahmenpaket" wird geschnürt

Neuer Kurs beim Kampf gegen Drogen

Kärnten – "Veränderungen der sicherheitspolizeilichen Lage erfordern eine Adaptierung der polizeilichen Strategien", verkündet die Polizei heute in einer Aussendung. Thema: Suchtmittelkriminalität. Für die Anpassung der Strategie will man ein neues "Suchtgiftmaßnahmenpaket" schnüren. Dieses beinhaltet die temporäre Aufstockung von Suchmittelermittlern, die intensive Einbindung von speziell ausgebildeten Einsatzkräften, flächendeckende Schwerpunktaktionen, raschere Abschiebungen und Präventionsmaßnahmen.

 5 Minuten Lesezeit (636 Wörter) | Änderung am 02.10.2018 - 15:50

Die vergangenen Wochen und Monate hätten gezeigt, dass sich die Suchtmittelkriminalität nicht mehr auf die Ballungszentren beschränkt, sondern vermehrt auch in den ländlichen Regionen auftritt, so die Polizei. Durch die Entwicklung des Internets zur Bestellung illegaler Substanzen, wie auch der vermehrten Nutzung der Grenzübergänge zu Slowenien und Italien für Schmugglerfahrten, bekäme diese Kriminalitätsform eine besondere Mobilität. Angesichts dieser Entwicklungen hat die Landespolizeidirektion ein Maßnahmenpaket erarbeitet, mit dem der Suchtmittelkriminalität noch zielgerichteter und noch intensiver begegnet werden soll.

Geplante Änderungen in mehreren Bereichen

Personell wird dieser Entwicklung mit einer temporären Aufstockung der Suchmittelermittler in den Bezirken, wie auch der intensiven Einbindung der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) und der Fremden- und grenzpolizeilichen Einheit PUMA begegnet. Taktisch setzt das Maßnahmenpaket auf gezielte Strukturermittlungen, flächendeckende Schwerpunktaktionen, eine intensivierte Einbindung der Landesverkehrsabteilung und eine verstärkte Kooperation mit den Partnerorganisationen wie der Finanzpolizei und der Zollfahndung.  Zu bestimmten Maßnahmen soll es auch eine Einbindung des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BfA) geben, um in den Fällen, wo keine freiheitsbeschränkenden Maßnahmen angeordnet werden (können), fremdenpolizeiliche Maßnahmen wie Schubhaften, Abschiebungen oder Aufenthaltsverbote zeitnah umzusetzen.

Konkret gibt es monatlich ab Oktober rund 50 gezielte Schwerpunktaktionen unterschiedlichster Natur, aber alle ausgerichtet auf die unmittelbare Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität. Nähere Angaben will die Polizei dazu nicht machen, das würde die geplanten Maßnahmen „konterkarieren“.

Prävention soll fortgesetzt werden

Repression sei aber nur eine Schiene, mit welcher die Exekutive dieser Kriminalitätsform begegnen will. Es würden die jetzt schon intensiven Präventionsmaßnahmen und Präventionsprogramme wie z.B. Look@your.Live in Verbindung mit einer zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit konsequent fortgesetzt. Diese Präventionsmaßnahmen beinhalten neben der Jugend- und Schülerarbeit auch einen Verstärkung des Dialoges der Polizei mit SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern. Dazu beteiligen sich die polizeilichen Präventionskoordinatoren am Suchtpräventionsprogramm „PLUS“ der Suchtpräventionsstelle des Landes Kärnten. Zudem wird es in den Städten und Bezirken Sicherheitsforen von GEMEINSAM.SICHER geben, in welchen in einem gemeinsamen Prozess mit den Sicherheitspartnern spezifische Präventionsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Mischkonsum endet tödlich

Die Suchtmittelkriminalität beschränke sich laut Polizeiangaben nicht nur auf die sogenannten „harten Drogen“. Die Untersuchungsergebnisse hätten in fast allen Todesfällen eine Mischintoxikation, also ein gemeinsame Einnahme verschiedener illegaler, aber auch legal erhältlicher Substanzen gezeigt. Die kriminalpolizeiliche Arbeit müsse sich daher auf das gesamte Spektrum von Suchtmitteln konzentrieren, von den „weichen“ Drogen wie Cannabis, über Heroin und Kokain mit sehr hohen Abhängigkeitspotential, den psychoaktiven Substanzen, die ohne natürlichen Ausgangsstoff im Labor hergestellt werden (Ecstasy, Speed, LSD….), bis hin zum illegalen Handel und der widerrechtlichen Konsumation von rezeptpflichtigen Drogenersatzstoffen.

Der ländliche Raum rückt in den Fokus

„Die Polizei wird den Kampf gegen die Drogenkriminalität intensivieren, insbesondere im ländlichen Raum, und dabei an mehreren Hebeln ansetzen. Das ist vor allem durch die Entwicklung des Internets zur Bestellung illegaler Substanzen notwendig, aber beispielsweise auch durch die vermehrte Nutzung der Grenzübergänge zu Slowenien und Italien für Schmugglerfahrten. Auch hier wird die Polizei entgegensteuern“, sagt Innenminister Herbert Kickl.

20 Drogentote gab es in diesem Jahr schon in Kärnten, vergangenes Jahr waren es insgesamt 12. Der schärfere Kurs im Kampf gegen die Suchtmittelkriminalität ist vermutlich dieser Entwicklung geschuldet. Auch die Politik ruft „Suchtgipfel“ ein, um das Problem mit Experten anzugehen. Unseren Beitrag zum Suchtmittelbericht 2017 findet ihr hier.

Drogenberatung Kärnten

In Kärnten gibt es einige Beratungsstellen und Einrichtungen. Eine Übersicht gibt es hier.

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