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„Ihnen fehlt nichts“

Vulvodynie – die „unsichtbare“ Krankheit

Klagenfurt – „Vulvodynie“ – eine Erkrankung, die auch viele Gynäkologen noch nicht als solche wahrnehmen, vor allem, da bei einer gynäkologischen Untersuchung keine sichtbaren Veränderungen auffallen. Frauen leiden oft jahrelang an massiven Schmerzen. Bei einer Fachtagung am 20. Oktober 2018 wird über dieses Krankheitsbild informiert.

 5 Minuten Lesezeit (643 Wörter) | Änderung am 12.10.2018 - 09:04

Diffuse Schmerzen im Unterbauch, Brennen am Scheideneingang. Der Gang aufs WC ist kaum erträglich, Berührungen undenkbar. Der Besuch bei einem Facharzt für Gynäkologie ist meist der erste von unzähligen. „Ihnen fehlt nichts“, hören die Patientinnen häufig, die immer verzweifelter werden. Wochen, Monate und sogar Jahre dauert der Leidensweg mancher Frauen bis zur Diagnose. Betroffenen kann in der Spezialambulanz für Vulvaerkrankungen an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee geholfen werden, die von Oberärztin Dr. Angelika Alberer geleitet wird.

Psychiatrisch behandelt

Nach einem aufklärenden ausführlichen Gespräch und einer genauen Untersuchung wird schließlich die Diagnose „Vulvodynie“ gestellt. Diese Diagnose wird durch eine Biopsie mit histologischen und immunhistochemischen Untersuchungen in der Pathologie erhärtet. Bei der gynäkologischen Untersuchung sieht man keine Auffälligkeiten“, betont Oberärztin Dr. Alberer, die sich auf das Gebiet der Vulvodynie spezialisiert hat. „Vulvodynie und Vulvaschmerzen sind noch immer recht unbekannte Krankheitsbilder. Dabei leiden bis zu 20 Prozent der Frauen einmal in ihrem Leben an Vulvaschmerzen. Viele wurden in der Vergangenheit sogar psychiatrisch behandelt, da ihre Symptome missverstanden wurden“, sagt die Oberärztin.

Verspannter Muskel

Dabei klingt eine der Hauptursachen für die massiven Schmerzen fast banal: Neben vermehrten Mastzellen, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen in der Vulva sowie einer Vermehrung von Nervenfasern, ist es nämlich eine Verspannung des Beckenbodens, der die Frauen quält. „Wenn man Stress hat, bekommen die einen Menschen ein Magengeschwür, andere Migräne und wieder andere verspannen ihre Muskeln im tiefen Becken“, bringt es Physiotherapeutin Judith Harpf vom Institut für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation auf den Punkt, die mit Oberärztin Dr. Alberer zusammenarbeitet und Betroffene betreut.

Fächerübergreifende Therapie

„Die Frauen erhalten ein multimodales multidisziplinäres Therapiekonzept, bei dem Gynäkologen, Psychologen, Physiotherapeuten, Schmerzmediziner, Pathologen, Dermatologen, Urologen und Sexualtherapeuten eng zusammenarbeiten“, berichten Alberer und Harpf. Denn oft ist Vulvodynie nicht die einzige Diagnose. Alberer: „Chronisches Erschöpfungssyndrom, ein Reizdarm, Muskel- und Kopfschmerzen oder chronische Blasenentzündungen sind häufige Begleiterkrankungen der Vulvodynie.“

Lösungstechniken

Neben Medikamenten und Cremes, die bei allen Patienten mit Vulvodynie verabreicht werden, ist die Physiotherapie eine zentrale Säule der Behandlung. „Ein verspannter Beckenboden strahlt in die Blase, die Harnröhre, die Scheide, ins Steißbein und oft bis ins Kreuz aus. Durch die permanente – oft jahrelange – Verspannung verkürzt sich der Muskel, es kommt zu einer schlechten Sauerstoffversorgung des Muskels aber auch zu einer Unterversorgung der Nerven und Gefäße. Das verursacht die Schmerzen“, erklärt Judith Harpf, die den Patientinnen Übungen beibringt, wie sie den Beckenbodenmuskel anspannen und wieder loslassen können. Zudem bietet sie auch Lösungstechniken für die Muskeln und die Faszien an. Abgerundet wird die Physiotherapie mit einem Biofeedback. Dabei sehen die Patientinnen bildlich, wann der Muskel angespannt und wann er entspannt ist.

Große Erfolge

Ganz wesentlich ist aber auch die Entspannungstherapie bei Psychologin Mag. Martina Krammer. Sie lernt den betroffenen Frauen Achtsamkeit. „Gerade mit der Kombination aus medizinischer Versorgung, Physiotherapie und psychologischer Unterstützung erzielen wir große Erfolge“, freuen sich Alberer und Harpf, die jedoch betonen, wie wichtig die Eigenverantwortung der Frauen ist.

Fachveranstaltung: Vulvaschmerztag am 20. Oktober


Um das komplexe Thema „Vulvaschmerz“, die Diagnostik und Therapie unter den (niedergelassenen) Fachärzten weiter bekannt zu machen, veranstaltet das Team der Spezialambulanz für Vulvaerkrankungen am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee den „Vulvaschmerztag“.

Er findet am Samstag, den 20. Oktober 2018, ab 8 Uhr im Klinikum Klagenfurt am Wörthersee statt. Die Referenten sind allesamt renommierte Experten und Kliniker aus Österreich, z. T. mit ausgewiesener internationaler Reputation. Einige der Referenten haben den gemeinnützigen Verein Interessensgemeinsschaft für Vulvaerkrankungen, kurz VIVE (www.vive.co.at) gegründet, der sich in Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung engagiert und den jährlich stattfindenden Vulvaworkshop in Graz veranstaltet (11. VWS vom 27. – 28.9.2019).

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