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Die Feuerwehren standen die ganze Nacht im Einsatz:

Genua-Tief „Vaia“ wütete in ganz Kärnten

Kärnten – Umgestürzte Bäume, überflutete Straßen, Brücken und Verkehrsunfälle waren unter anderem der Auslöser für die vielen Sirenenalarme gestern Nacht. Das Tief "Vaia" ließ unfassbare Regenmassen nieder, der starke Föhnsturm sorgte für zahlreiche Sturmschäden. Wie die Lage heute aussieht? Wir haben einige Informationen für euch zusammengefasst.

 9 Minuten Lesezeit (1183 Wörter) | Änderung am 30.10.2018 - 11:11

Über 60 Einsätze in Villach

Die Draubermen wurden am Montag noch vor dem bevorstehendem Sturm gesperrt, Bänke und Spielgeräte vom Wasenboden entfernt sowie Sportanlagen gesichert. Die Radwege R1 und R3 in Villach sowie deren Zugänge wurden gesperrt. Insgesamt gab es über 60 Einsätze in der Nacht von Montag auf Dienstag. Viele Überflutungen und umgestürzte Bäume waren der Grund, für die ertönten Sirenen in der Nacht. Die Drau erreichte einen neuen Höchststand.

 

In Latschach bei Velden trat die Drau über die Ufer, unmittelbar betroffen sind circa 20 Häuser, einige Menschen wurden evakuiert. Zwei Polizisten wurden in ihrem PKW durch einen Baum verletzt. Eine Person wurde bei einem weiteren Unfall schwer am Kopf verletzt.

Auch im Stadtgebiet Villach überflutete die Drau Geh- und Radwege: Gegen 0.30 Uhr erreichte die Drau HQ5. Gegen 9 Uhr wurde eine Abflussmenge von über 1100 m³ pro Sekunde erreicht. Dies bedeutet ein 10-jährliches Hochwasser. Gerüstet ist man jedoch für ein 100-Jährliches. Auch in Rosegg trat die Drau über. Die ASFINAG errichtete noch auf Nacht aus Betonleitplanken Sperren vor einem bedrohten Objekt nahe der dortigen Draubrücke. Heute gegen 8 Uhr stand es bereits unter Wasser. Im Bereich der Baustelle Schütt wurde ein Baukran von den Wassermassen erfasst.

Hinweis: Die Telefonleitung des „1. Villacher Funktaxiverein“ ist ausgefallen. Erreichbar ist er unter 069917292236.

Alarmierungswelle aufgrund von Sturmschäden

Am Nachmittag erfolgten die bereits die ersten Sturmschäden. Nach 20 Uhr kam eine weitere Alarmierungswelle, nun war nicht nur das Rosental, sondern auch der Abschnitt Wörthersee war massiv betroffen. Wiederum waren Bäume auf Häuser, Bäume über Landes- und Bundesstraßen und Sturmschäden an Gebäuden zu beklagen. Sogar die Südautobahn (A2) war im Bereich Pörtschach von Bäumen verlegt. Die Einsatzstäbe der Feuerwehr und der Stadt Ferlach wurden im Rathaus Ferlach gebildet und die Situation besprochen. Vorkehrungen für die Nacht beziehungsweise für den darauf folgenden Dienstag wurden rechtzeitig abgestimmt und getroffen.

Brücken mitgerissen, Zivilschutzalarm, Stromausfälle

Im Gailtal wurde die erste wichtige Verkehrsbrücke gesperrt – Verkehrsteilnehmer mussten statt der Nötscher Gailbrücke, über Vorderberg ausweichen. „Es ist glücklicherweise zu keiner Überflutung gekommen“, so Bürgermeister von Feistritz an der Gail, Dieter Mörtl. Er hoffe darauf, dass der Wasserpegel sinkt, denn in den frühen Morgenstunden (5 Uhr) wurde noch ein leichter Anstieg verzeichnet. Die Freigabe der Gailbrücke könne erst vormittags nach Rücksprache mit der Bezirkshauptmannschaft erfolgen. Solange die Dammbereiche keinen Bruch erleiden, sei die Lage bei der Gailbrücke in Nötsch im Gailtal in Ordnung.

In Tressdorf, Gemeinde Kirchbach, wurde sogar eine Gailbrücke von den riesigen Wassermassen zur Gänze mitgerissen. Im Bezirk Hermagor mussten viele Häuser evakuiert werden. Gegen 2.15 Uhr wurde in Rattendorf im Gailtal der Zivilschutzalarm ausgelöst. Gegen 9.30 Uhr musste Möderndorf evakuiert werden, hier drohten die Dämme zu brechen.

Mehr als 10.000 Haushalte in Kärnten waren in der Nacht und sind auch heute noch zeitweise ohne Strom. Betroffen sind das Gailtal, Mölltal, Lesachtal, Lavanttal, der Bereich Faaker See, das obere Drautal sowie das Rosental.

In Flattach, Bezirk Spittal an der Drau, konnte bei der Möll ein 100-jährliches Hochwasser verzeichnet werden. Auch hier mussten  Menschen von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden. Aus dem Bezirk Spittal wurden massive Vermurungen und Schäden durch Hölzer gemeldet. 17 Ortschaften sind hier abgeschnitten. Nicht erreichbar sind einzelne Ortschaften in Oberdrauburg, Irschen, Dellach/Drau, Berg im Drautal und Greifenburg, außerdem Zwickenberg bei Simmerlach, Mallnitz, Lainach und Rangersdorf, Zwischenbergen und Heiligenblut ab Mörtschach.

Dramatische Lage im Lesachtal

Das Lesachtal ist derzeit von der Umwelt abgeschnitten: Strom und Telefone funktionieren nicht. Die Bundesstraße zwischen St. Lorenzen und Maria Luggau ist zerstört. Straßen sind durch Bäume versperrt und nicht passierbar. Inzwischen wurde das Bundesheer angefordert.

Lage an den Stauseen

Christian Zechner vom VERBUND sagte, dass Verbund beim Hochwasserereignis mit beiden Wasserkraftwerksgruppen eingebunden war. Es sind bei den Speicherkraftwerken in den Hohen Tauern besonders während der Nachtstunden große Niederschlagsmengen in den Speichern aufgefangen worden. Die Speicher sind derzeit nahezu vollständig gefüllt. Verbund gibt aber weiterhin kein Wasser in die Flüsse ab, sondern versucht, durch interne Umlagerungen in den großen Kölnbreinspeicher weitere Puffer zu schaffen. An der Drau wird derzeit die Hochwasserspitze von Lavamünd abgehalten und im Völkermarkter Stausee abgefangen.

Aktuelle Straßensperren

Das Gailtal ist von Villach derzeit nur über Bad Bleiberg, Vorderberg und die Windische Höhe erreichbar.

  • Sperre Gailtalzubringer
  • Sperre Nassfeldstraße
  • B111 zwischen Nötsch und Feistritz Gail
  • B111 Gailtal Straße zwischen Kötschach und Maria Luggau
  • B100 Drautalstraße zwischen Sachsenburg und Oberdrauburg
  • B106 Mölltalstraße zwischen Flattach und Winklern
  • B110 Plöckenpassstraße zwischen Kötschach und der Staatsgrenze
  • B100 Drautalstraße zwischen Lurnfeld und Osttirol, Sperre zwischen Dellach im Drautal und Berg im Drautal
  • B106 Mölltalstraße zwischen Flattach und Stall bzw. zwischen Lurnfeld und Winklern
  • B105 Mallnitzer Straße zwischen Mallnitz und Obervellach
  • B80 Lavamünder Straße zwischen Lippitzbach und Lavamünd
  • B81 Bleiburger Straße zwischen Lavamünd und dem Kreisverkehr Einarsdorf
  • Totalsperre zwischen Sankt Michael und Bleiburg
  • B82 Seebergstraße zwischen Bad Eisenkappel und der Staatsgrenze
  • Sperre des Paulitschsattel

Gesperrte Landesstraßen

  • L24 Gailtal Schattseitenstraße zwischen Gundersheim und Goderschach
  • L5 Baldramsdorfer Straße im Bereich Baldramsdorf
  • L1 Pirkacher Straße zwischen Ötting und Unterpirkach
  • L56 Rosenbach traße zwischen Tallach und Rosenbach
  • Ferlach: zwischen Unterbergen und der Klagenfurter Straße
  • L116 Sankt Kanzianer Straße auf Höhe Lind
  • L54 St. Martiner Straße zwischen St. Martin und Ledenitzen
  • L99 Köttmannsdorfer Landesstraße zwischen Selpritsch und Rubertiberg und St. Egyden und Augsdorf
  • L52 zwischen Rosegg und St. Martin
  • Würmlacher Landesstraße zwischen Mauthen und Dellach
  • L143 Ettendorfer Straße zwischen St. Georgen und Ettendorf
  • L103 Waidischer Straße zwischen Waidisch und Zell Pfarre
  • L4 Fellbach Straße zwsichen Fellbach und Gajach
  • L98 zwischen St. Egyden und Schiefling

Nebenstraßen sollten gemieden werden, auch hier können viele umgestürzte Bäume auf den Straßen eine Gefahr darstellen.

Wetterprognose

Laut Christian Stefan von der ZAMG sind heute bis zum Abend noch 10-20mm Niederschlag, punktuell mit Gewitter 30mm möglich. An Windspitzen sind heute noch 70-80 km/h, punktuell bis 90km/h zu erwarten. Bis Abend sollte aber auch die Windgefahr gebannt sein. Für Mittwoch prognostiziert die ZAMG trockenes Wetter, von Donnerstag auf Freitag wieder 20-30mm, danach mehrere niederschlagsfreie Tage. Johannes Moser vom Land Kärnten schilderte die hydrologische Situation und sprach von einer generellen Entspannung und rückgängigen Pegelständen. Die weiteren geringfügigen Niederschläge im Laufe des Tages sollten nicht mehr zu einem größeren Ansteigen der Pegelstände der Flüsse führen.

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