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Immer mehr Laien werden zu ambitionierten Hobby-Handwerkern. © Pixabay

Do-it-yourself

Handwerker fehlen, Heimwerken boomt

Kärnten – Schon seit Jahren herrscht in Österreich - ebenso wie in den Nachbarstaaten - großer Bedarf an Handwerkern. Während Betriebe händeringend nach Nachwuchs suchen, können sich Architekten und Baufirmen vor Aufträgen kaum retten. In vielen Fällen können sie diese aber wegen fehlender Fachkräfte nicht ausführen. Während der Mangel an Fachkräften groß ist, wächst das Heimwerken immer mehr zu einer Massenbewegung heran.

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Die Kehrseite des Baubooms

Wochenlanges Warten auf den Fliesenleger, Maler oder Elektriker ist heute keine Seltenheit. Und bei vielen, die das Glück hatten und Profis für die Arbeiten am Haus und Hof engagieren konnten, macht sich hinterher angesichts der hohen Rechnung Ernüchterung breit. Der dramatische Handwerkermangel wirkt sich nämlich auch auf die Kosten für Handwerkerdienste aus – und manchmal auch auf die Qualität.

Einer Hochrechnung auf Basis einer Befragung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) zufolge, die unter 4.500 Unternehmen durchgeführt wurde, fehlen in Österreich rund 162.000 Fachkräfte. Auf eine Stelle als Bau- und Möbeltischler kommen in Oberösterreich nur 0,79 Bewerbungen, in Salzburg sind es nur 0,41. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig. Einerseits ist es eine Folge des demografischen Wandels, andererseits die Kehrseite des Baubooms.

Selbst ist der Mann – und die Frau

Ob aus Verzweiflung angesichts der erfolglosen Handwerker-Akquise, aufgrund wachsenden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten oder der puren Lust am Werkeln und Reparieren: Immer mehr Laien werden zu ambitionierten Hobby-Handwerkern. „Selbermachen ist cool“ heißt die Devise. Laut dem Historiker Jonathan Voges geben inzwischen bis zu 90 Prozent der Männer an, heimwerkend aktiv zu sein, während es in den 1960er-Jahren nur halb so viele waren.

Doch Heimwerken ist längst keine reine Männerdomäne mehr. Immer mehr Frauen verbringen ihre Freizeit zwischen Schrauben, Nägeln und Brettern. Kostenlose Anleitungen und Tutorials erfreuen sich im Internet wachsender Beliebtheit und ermuntern nicht nur die männlichen Zuschauer zum Bauen, Basteln und Reparieren. Ob die österreichische „Heimwerkerin“ Karin Gangl oder Jelena aus Berlin: Weibliche YouTuberinnen zeigen, dass auch Frauen werkstattbegeistert sein können.

Generell liegt es im Trend, eigene Do-it-yourself-Projekte auf die Beine zu stellen – gerade weil man am Ende eigenhändig ein greifbares Produkt erschaffen hat. Selbst im Urlaub verbinden einige Erholung und Handwerks-Schnupperkurs miteinander. So zum Beispiel im Waldviertel, das nicht zuletzt wegen der erfolgreichen Initiative „Handwerk und Manufaktur im Waldviertel“ mit mehr als 1,2 Millionen Nächtigungen im letzten Jahr einen Rekord aufstellte.

Sicherheit ist wichtig

Ob für kleinere Reparaturen oder ernsthaftes Werkeln, das in die Bausubstanz geht: Wer im Haushalt gern selbst Hand anlegt, sollte sich von Anfang an vernünftige Arbeitsmittel wie beim Profi anschaffen, anstatt mit billigem Werkzeug zu experimentieren. Für sicheres Arbeiten brauchen auch Heimwerker benutzerfreundliche und hochwertige Geräte, die gut in der Hand liegen und leistungsfähig sind. Außerdem sollte man an Arbeitskleidung, Handschuhe, Gehörschutz und Schutzbrille denken, da diese vor Verletzungen schützen. Schließlich ist das Risiko für Heimwerkerunfälle nicht zu unterschätzen. Laut einer Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) mussten im Jahr 2016 rund 14.200 Menschen wegen Unfällen bei handwerklichen Tätigkeiten ärztlich versorgt werden. „Der überwiegende Teil der Heimwerkerunfälle ist auf Unachtsamkeit, Fehleinschätzung oder Überforderung zurückzuführen“, sagt Christian Kräutler von der KFV. „Wer merkt, dass er müde oder unaufmerksam wird, sollte unbedingt auf seinen Körper hören und eine Pause machen.“

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