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Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter

Frühkinder­betreuung: Von der Erzieherin zur Arbeitslosen

Villach-Warmbad – Bereits vor vier Tagen berichteten wir über die "Frühkinderbetreuung" rund um Obmann Josef Wagner. Die Kinderbetreuungseinrichtung ist geschlossen: Der zweite Versuch, die Landesförderung zu erhalten, ist auch fehlgeschlagen. Besonders tragisch: Eine Leserin meldete sich und erzählte uns von ihrem Weg in die Arbeitslosigkeit wegen Wagners "Frühkinderbetreuung". Auch weitere ehemalige Mitarbeiter klagen an. Wir haben nachgefragt.

 4 Minuten Lesezeit (585 Wörter) | Änderung am 16.12.2018 - 20:31

„Am 20. September, als ich unsere Frühkinder gründete, glaubte ich, dass wir unsere Kinderbetreuung auch ohne Landesgelder schaffen können. Schon sehr bald kam ich zu der Einsicht, dass dies nicht möglich ist. Aber traurige Gewissheit ist, dass für die Fehler, die ich gemacht habe, jetzt andere, nämlich Unschuldige, die Leidtragenden sind“, gab sich Josef Wagner auf der Facebook-Seite des Vereins selbstkritisch. Unter den unschuldig Leidtragenden ist auch eine 5-Minuten Leserin, die sich mit ihrer Geschichte an uns wandte. Auch um vor Projekten dieser Art zu warnen.

Von Wagner abgeworben

Bereits seit drei Jahren arbeitete die 22-jährige Kleinkinderzieherin bei einer sozialen Einrichtung in Mittelkärnten. Mit der Aussicht auf einen kürzeren Arbeitsweg und mehr Arbeitsstunden bei der „Frühkinderbetreuung“ wurde sie von Josef Wagner, dem Initiator der Betreuungseinrichtung in Villach, abgeworben, wie sie im Gespräch mit 5-Minuten erzählt. Am 3. Dezember 2018 startete ihr Arbeitsverhältnis in der Villacher Warmbaderallee 55. „Zu diesem Zeitpunkt wusste Wagner aber schon genau, dass er keine Genehmigung für die Frühkinderbetreuung erhalten wird“, erklärte sie. Nur vier Tage später wurde den Mitarbeitern eröffnet, dass eine Schließung der Einrichtung unabwendbar sei. Unsere Leserin ist anscheinend nicht die einzige, die mit guten Verträgen dazu gebracht wurde, ihren alten Beruf zu beenden. Und das, obwohl Wagner bereits von der bevorstehenden Schließung gewusst haben soll. Die betroffenen Mitarbeiter planen nun geschlossen, zur Arbeiterkammer Kärnten zu gehen und nach einer Lösung zu suchen.

Wagner weist Mitarbeiter-Vorwürfe von sich

Josef Wagner selbst ist sich seiner Schuld an der Schließung der „Frühkinderbetreuung“ durchaus bewusst. „Da liegt die Schuld ganz klar bei mir, das muss ich zugeben“, erklärt er im Gespräch mit 5-Minuten. Nachdem er den Bescheid zur Schließung der Kinderbetreuungsstätte erhalten hatte, habe Wagner jedoch keine neuen Angestellten mehr eingestellt. „Es ist niemand mehr eingestellt worden, seit die Schließung in Aussicht gestanden hat“, erklärt Wagner. Das Schicksal der Angestellten, die laut Wagner nur kurz vor der Absage der Landesförderung eingestellt wurde, tue ihm zwar leid, absichtlich in die Arbeitslosigkeit getrieben habe er die Villacherin jedoch nicht.

Vorwürfe aus Medienberichten und der Behörde, die „Frühkinderbetreuung“ habe nicht genug ausgebildetes Personal, weist Wagner klar von sich. Auch bauliche Mängel in der Betreuungseinrichtung seien übertrieben dargestellt worden. „Bis auf eine größere Baustelle wären alle festgestellten Mängel in einem Tag behoben“, ist sich Wagner sicher.

Wagner plant bereits ein neues Projekt. Worum genau es sich handelt, ist derzeit noch ungewiss. „Das wird eine interessante Geschichte, soviel steht fest“, sagt Wagner und verrät weiter: „Falls es dazu kommt, werden sehr viele Kinder versorgt und viele Leute aus der Region hätten einen Job“.

Auf der Suche nach Arbeit

Die 22-jährige Leserin ist nun am Boden zerstört. Zuvor noch 20-Stunden in der Woche bei ihrer alten Arbeitsstelle angestellt, wurde ihr nach nur vier Arbeitstagen eröffnet, dass ihre neue Arbeitsstelle in Kürze schließe. Nun ist sie auf Arbeitslosengeld angewiesen und weiß nicht, wie sie für ihre Wohnung und ihr Auto aufkommen soll. Die Villacherin ist nun auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. „So kurzfristig weiß ich aber leider nicht, wo ich eine neue Anstellung bekomme“, ist die 22-Jährige besorgt.

Wie es mit der „Frühkinderbetreuung“ weitergeht, ist nun auch gewiss. Der zweite Versuch, die Landesförderung zu erhalten ist auch fehlgeschlagen – die Kindergruppe geschlossen. Ein neues Projekt steht in den Startlöchern.

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