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Marderhunde werden zu Tausenden in China für ihr Fell eigens gezüchtet und getötet. Marderfell  um 9,90  als schickes Accessoires?
Marderhunde werden zu Tausenden in China für ihr Fell eigens gezüchtet und getötet. Marderfell um 9,90 als schickes Accessoires? © Montage/ Pixabay

So unterscheidest du Fake von Real Fur

Schnäppchen? Echtpelz vom Marderhund um 9,90 Euro

Villach – Die einen würden sagen, was für ein Schnäppchen. Ein Tierliebhaber vielleicht erbost reagieren und erklären: "Was für knappe zehn Euro lässt ein Tier sein Leben?" Zu Pelz kann man stehen wie man will, das ist jedem selbst überlassen. Dieser Artikel ist all jenen gewidmet, die keinen echten Pelz wünschen und wissen möchten, wie man das voneinander unterscheidet.

 6 Minuten Lesezeit (731 Wörter) | Änderung am 19.12.2018 - 12.35 Uhr

Viele Menschen finden Pelz zwar attraktiv, möchten aber nicht, dass Pelztiere dafür sterben müssen. Kunstfell scheint hier eine gute Alternative zu sein. Wenn bei einem Kleidungsstück Fell verarbeitet wird, muss laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung der Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ auf dem Etikett angebracht werden. Sollte also kein Problem sein, beides von einander zu unterscheiden, oder doch? Der Preis ist ja immer ein guter Hinweis darauf, so die Meinung vieler.

9,90 für Fell aus Marderhund

Wir schauten bei einem Haubenstand in der Villacher Innenstadt vorbei und fragten: Handelt es sich dabei um echtes Fell? Die Verkäuferin reagierte überrascht und versuchte die Antwort am Etikett zu finden. Dort stand einfach nur „Pelz“. Ihre Antwort: „Um 35 Euro? Nein um diesen Preis kann es nicht echt sein.“ Ganz sicher scheint sich die Verkäuferin jedoch nicht zu sein. Dabei ist der Preis schon lange kein Indiz mehr dafür. Einige Meter weiter finden wir in einer Villacher Boutique* einen Schlüsselanhänger um 9,90 Euro sowie am Preisschild: „Echt Fell – 100% Murmasy“, also Marderhund. Im selben Geschäft eine Mütze um 12,90 Euro ebenfalls Marderhund und der Hinweis „Real Fur“ (Anm.: Echtes Fell) – produziert in China. Wenn du kein echtes Fell kaufen willst, solltest du also nicht nur auf den Preis achten. In einem weiteren Geschäft finden wir übrigens eine Kunstmütze die um einiges teurer ist.

Eine Villacher Expertin, die seit 16 Jahren Mützen mit echtem Fell-Anteil verkauft meint: „Neunzig Prozent der Kunden fragen zuerst nach Echtpelz, nur zehn Prozent möchten lieber Kunstfell auf der Mütze.“ Wir erzählen ihr von der 12,90 Euro Mütze mit Echtfellanteil, die wir entdeckt haben. Dazu meint sie:  „Ich müsste es angreifen können, um sicher zu antworten, aber ich glaube es wurde falsch etikettiert. Das kann kein echtes Fell sein. Höchstens vielleicht Kaninchenfell?“ Ihre Mützen mit echtem Fellanteil kosten knapp 40 Euro mehr.  Warum das Fell hingegen der Meinung der Expertin doch echt sein könnte:

Echtes Fell kann billiger sein

Vor allem Felle von Marderhunden werden sehr billig produziert:  In China werden Marderhunde massenhaft in Farmen gehalten, oft unter erbärmlichen Bedingungen, wie Tierschützer immer wieder berichten. Fast jeder kennt die schrecklichen Videos, die vor allem auf Facebook die Runde machen:  In kleinen Drahtkäfigen warten sie bis sie erschlagen werden. Noch schlimmer Videos, wo den Tieren bei lebendigen Leib das Fell abgezogen wird. Fazit: So kann es passieren, dass echtes Fell billiger verkauft wird als aufwändig produziertes Kunstfell. 

Ratlose Gesichter

Aber nochmals zurück zum günstigen Echtfell-Geschäft in Villach: „Ist das Fell auf den Lederjacken echt?“, konfrontieren wir die Mitarbeiter. Die reagieren ratlos und überrascht. Sie scheinen die Frage zum ersten Mal zu hören.  Wie dem auch sei, bei den Lederjacken gibt das Etikett überhaupt keine Auskunft. Auch hier die Antwort, „Nein bestimmt nicht, Jacken aus echtem Fell kosten so um die 100 Euro.“ Hundert prozentig sicher ist man sich aber nicht. Neben uns eine Kundin im echten Nerzmantel – wir haben gefragt, ob der echt ist – auch sie sieht uns komplett verständnislos an. Ist unsere Frage so gesellschaftsuntauglich? Unser weiteres Fazit: Wenn du nur Kunstfell wünschst, solltest du dich nicht ausschließlich auf die Auskunft der Verkäufer verlassen.

Im Zweifel: Komplett verzichten

Seit 1. Oktober des Jahres gilt laut der neuen Marktordnung auf Wiener Märkten ein Verkaufsverbot von  Echtpelzprodukten. VIER PFOTEN wollte wissen, ob sich die Marktstandler an dieses Verbot halten. Unter den Fundstücken waren etwa ein Paar Handschuhe mit Kaninchenpelz, ein Bommel zum Anstecken aus Kaninchenfell und eine Haube mit Bommel, vermutlich vom Marderhund. Auffällig war die Unwissenheit vieler Verkäufer. „Teilweise konnten sie nicht beantworten, ob es sich um Kunst- oder Echtpelz handelt.“ Im Zweifel rät die Tierschutzorganisation jedoch dazu, auf den Kauf eines Produktes mit nicht einwandfrei identifizierbarem Fell lieber zu verzichten. 

Was also tun, wenn du kein echtes Fell tragen willst?

Vier Pfoten weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, wie man Echt- von Kunsfell unterscheiden kann.

Anmerkung der Redaktion

*Wir von 5 Minuten Villach sind einfach Fans unserer LeserInnen. Deswegen interessiert uns eure Meinung bei Themen, die auch uns bewegen. Da es uns oft einfach um ein gewisses Diskussionsthema geht, ist es unserer Meinung nach nicht immer notwendig, ein Unternehmen namentlich zu nennen. 

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