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Übergriffe auf Taxilenker häufen sich

Taxler schlägt Alarm: „Fühlen uns im Stich gelassen“

Klagenfurt – Ein brutaler Überfall auf eine Taxilenkerin sorgte am Samstag in Villach für Aufregung. Doch auch in Klagenfurt liegt der letzte gewalttätige Vorfall nicht weit zurück. Am Freitagabend schlug ein Pärchen - sie sollen Teil der Drogenszene sein - auf einen 72-jährigen Taxilenker ein. Dessen Sohn und Taxiunternehmer Daniel Nematy sagt im Gespräch mit 5 Minuten: "Wir fühlen uns im Stich gelassen."

 6 Minuten Lesezeit (755 Wörter) | Änderung am 29.12.2018 - 20.31 Uhr

Eine Taxilenkerin wurde in Villach am Samstagmorgen von zwei Männern überfallen und ausgeraubt. Einer der Männer, der auf der Rückbank gesessen hatte, würgte die Taxilenkerin von hinten und drückte ihren Kopf gegen die Scheibe. Der andere Fahrgast, der auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte, griff nach der Brieftasche der Taxilenkerin und stahl daraus u.a. Bargeld – mehr dazu hier. Das lässt auch die Taxifahrer in der Landeshauptstadt nicht kalt. Der Raub in Villach bewegt einen Klagenfurter Taxiunternehmer, sich mit 5 Minuten über dortige Übergriffe auszutauschen.

„Schön langsam macht es keinen Spaß mehr“

Der Vorfall in Villach reiht sich ein in eine Serie von gewalttätigen Übergriffen auf Taxilenker. Auch in Klagenfurt kam es kürzlich zu einer Attacke – nicht die erste. Am Freitagabend schlugen ein Mann und eine Frau auf einen 72-jährigen Taxilenker ein. Wir haben uns mit Daniel Nematy, dem Sohn des Opfers, über den Vorfall unterhalten. Nematy ist Taxiunternehmer und sitzt auch selbst oft am Steuer.

„In Klagenfurt ist es bereits der vierte Vorfall dieser Art innerhalb kurzer Zeit“, sagt er. Einer dieser Vorfälle war die Attacke auf einen Taxilenker mit einem Notfallhammer. Der Räuber konnte nach der Veröffentlichung eines Fahndungsfotos rasch gefasst werden und wurde kurz darauf zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Eine weitere Körperverletzung gab es Ende Oktober. Als Unternehmer mache man sich wegen der zunehmenden Attacken sorgen, so Nematy. „Schön langsam macht es keinen Spaß mehr.“

Attacke nach Streit um Fuhrpreis

Der neuerliche Vorfall am Freitagabend zeigt exemplarisch, mit welcher Situation Taxifahrer in letzter  Zeit verstärkt zu kämpfen haben. Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ein Paar ließ sich nach einem Lokalbesuch in Waidmannsdorf von einem Taxi abholen und an die Wohnadresse in St. Peter bringen. „Doch auf der Fahrt wurde die Frau plötzlich rabiat“, sagt Nematy. Sie wollte statt des Fuhrpreises einen – geringeren – Pauschalbetrag zahlen. Dass sich der 72-Jährige nicht darauf einlassen wollte (und auch rein rechtlich gar nicht durfte), versetzte die Frau derart in Rage, dass sie von der Rückbank aus mit Händen und Füßen gegen den Kopf des Taxifahrers schlug und trat.

Doch damit nicht genug, der mutmaßliche Partner der Frau stieg aus dem Fahrzeug aus, ging auf die Fahrerseite zum bis dahin schon ausgestiegenen Opfer und attackierte den Taxilenker mit Faustschlägen. Dieser musste sich anschließend im UKH Klagenfurt behandeln lassen. Die komplette rechte Gesichtshälfte ist angeschwollen. Gebrochen sei jedoch glücklicherweise nichts. Hinzu komme der Schock und der Ärger, der bleibt. Auch die Polizei war vor Ort, die uns eine Attacke auf einen Taxifahrer bestätigte, wenn auch vorerst ohne weitere Details. Von der Anwesenheit der Beamten ließ sich der mutmaßliche Täter aber scheinbar wenig beeindrucken. Fast wäre es zu einem erneuten Übergriff auf seinen Vater gekommen, erzählt Nematy. Die Beamten hielten ihn zurück.

„Wünschen uns, dass Behörden hellhörig werden“

Das Paar (30 bis 35 Jahre) sei bei den Klagenfurter Taxifahrern bereits bekannt, schildert er weiter. Schon öfter sei es zu grenzwertigen Situationen gekommen. Doch dieses Mal eskalierte es. Es wird vermutet, dass sich das Paar im Drogen- und Alkoholmilieu bewegt. „Davon bekommen wir in Klagenfurt immer mehr zu spüren“, so der Unternehmer. Er und sein Vater, der sich eigentlich nur am Wochenende ein Zubrot zur Pension verdienen will, sind langjährig in der Branche tätig. „Uns ist es wichtig, dass Behörden, Gemeinden und Polizei endlich hellhörig werden.“ Die Szene rund um Alkohol und Drogen würde für sich auf Taxifahrer sehr rapide extrem schlecht auswirken, ergänzt er. „Da passiert viel zu wenig.“ Man fühlt sich im Stich gelassen.

Fast täglich käme es zu unschönen Vorfällen, viele davon ließen sich aber mit dem richtigen Verhalten oder dem nötigen Charme gewaltlos lösen, so Nematy. Dennoch gab es auch in der Vergangenheit Übergriffe auf seinen Vater. Dass Gewalt im Spiel war, liegt aber schon Jahre zurück. „Es ist makaber, einen alten 72-jährigen Mann, der sich ein Zubrot verdienen will, zu attackieren.“

Thema Sicherheit soll verstärkt diskutiert werden

In letzter Zeit würden derartige Eskapaden aber zunehmen, das beunruhigt den Unternehmer – auch im Hinblick auf seine Angestellten. „Von bewaffneten Übergriffen bis hin zum Raubüberfall war in kürzester Zeit alles dabei.“ Von Behörden wünscht er sich jetzt, dass das Thema Sicherheit verstärkt diskutiert wird. „Das blieb bisher auf der Strecke – es interessiert keinen.“

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