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Wir waren für euch vor Ort!

Lei-Lei! Der Villacher Fasching startet in die neue Saison!

Villach – Lei Lei! Villach startete am Freitag mit der Premierensitzung in die Faschingssaison. Standesgemäß für den Villacher Fasching wurde weder die Landeshauptstadt noch die Politik verschont - der ein oder andere Seitenhieb dürfte sein Ziel nicht verfehlt haben. Auch Tanzeinlagen gab es wieder zu bestaunen. Wir waren am Freitagabend im Congress Center für euch vor Ort. Welche Nummer konnte überzeugen? Und welche nicht? Unsere Premierenkritik.

 14 Minuten Lesezeit (1775 Wörter) | Änderung am 17.01.2019 - 09.19 Uhr

„Wir freuen uns auf die kommende Lei-Lei-Saison. Es ist ein Mix aus Altbewährtem, pointenreichen als auch musikalischen Neuigkeiten sowie einem tollen Comeback“, sagte der Villacher Faschingskanzler Kuno Kunz im Vorfeld. Neuerungen gab es in der Tat. Das Vorprogramm zur Lei-Lei-Sitzung wurde komplett neu gestaltet. Lei-Lei-Mimim Bettina Schützelhofer schlüpfte hierfür in die Rolle einer Sängerin und gab Gloria Gaynors „I will survive“ zum besten. Unsere Fotos findet ihr hier.

Seitenhiebe links und rechts

Ja, es gibt sie noch, die Seitenhiebe aus der Draustadt gegen die Landeshauptstadt. Weder den EC-KAC, noch die Klagenfurter Bürgermeisterin oder das Nebel-Wetter hat man am Villacher Fasching unerwähnt gelassen. Dennoch nahm man sich diesmal in der Anzahl der Sticheleien etwas zurück. Geschadet hat das nicht. Bei der Bundespolitik hat man hingegen eine härtere Gangart gewählt. „Sebastian Kurz hat versprochen demnächst wieder in Österreich zu sein – um nach den Rechten zu sehen“, war zum Beispiel zu hören. Aber auch Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) und Peter Weidinger (ÖVP) bekamen ihr Fett weg. Die Landespolitik ignoriert man hingegen komplett.

Der „Nachzipfler“ feierte sein Comeback

Nach zweijähriger Bühnenabstinenz feierte der legendäre Nachzipfler Hannes Höbinger sein Lei-Lei-Comeback und eröffnete als erste Nummer den Abend. In gewohnter Manier lud er das Publikum zu einer humorigen Reise rund um den Kärntner Dialekt ein. „Heinz Strache nahm sich eine Auszeit von der Politik. Papamonat. Darum wünsche ich ihm noch viele gesunde Kinder“, scherzte Höbinger gleich zu Beginn seiner Performance.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Der Nachzipfler bot eine lustige Show und konnte dem Publikum viele Lacher entlocken. Mit guten Gags und einer überzeugenden Performance schaffte Hannes Höbinger ein gelungenes Comeback. Jedoch hatte er natürlich auch den Vorteil, die erste Nummer des Abends zu sein.

„Pädagogisch wertlos“

Danach folgte der Act „Pädagogisch wertlos“. „Willst du dir den Tag versauen, musst du auf die Waage schauen. Willst du es noch schlimmer machen, probiere deine alten Sachen“, witzelten die Darsteller in der Performance. Über solche Scherze konnte jedoch anscheinend nicht jeder im Saal lachen.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: „Vielseitig desinteressiert“ war auch das Publikum während der Performance. Richtig begeistert wirkten die Zuschauer nämlich nicht. Trotz vieler kleiner Lacher blieben die großen aus. Die Darsteller lieferten trotzdem eine gute Performance auf der Bühne und im Text.

Eines der Highlights: Der Probechor

Mit gewagten Aussagen: „Wir fordern Frauen zurück an den Herd. Denn irgendwer wird uns ja sagen müssen, was wir tun müssen“ und lustigen musikalischen Anspielungen wie „If you bau the House you must kenn die aus“, brachte der Probechor das Publikum gestern zum Lachen.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Der Probechor bleibt sicher noch lange in Erinnerung. Die Darsteller boten derbe Gags, geile Musik und ein kontrolliertes Spiel mit dem Publikum. Der Auftritt zählte garantiert zu den Highlights des Abends.

Sport am Montag: Premiere für Nathalie Kamer-Tarmastin

Erstmals auf der Bühne des Villacher Faschings zu sehen ist heuer Nathalie Karner-Tarmastin. Sie gab die Moderatorin im Stück „Sport am Montag“ und sang beim Gildenchor um Manuela Ofner, Arno Kohlweg, Andreas Scherer und Michael Novak mit. „I versteh vom Sport genau so viel wie der Günther Albel von Mode“, scherzte die Truppe und nahm damit Villachs Bürgermeister auf den Arm.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Sportlich war der Auftritt. Ob aus der Liebe zum Goldi bis zum Ende des Faschings etwas wird? Dem Publikum würde es gefallen.

Was für eine „Haarspalterei“

„Wenn man fest dran glaubt, kann man die abgerutschten Haare am Rücken wieder zurück zum Haupthaar transferieren“, war einer der Sprüche, der gut ankam. Kleines Theater im Friseursalon. Von #meeto lässt sich der Villacher Fasching nicht beeindrucken – das wird auch hier deutlich.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Scharfe Blicke und derbe Witze im klassischen Bühnenvorurteilsspiel zwischen Mann und Frau. Nicht die beste Nummer, aber auch nicht die schlechteste Unterhaltung.

Ehe(mals) anders

Von 1969 bis zur Neuzeit skizziert der Act die Emanzipation der Frau. Zufällig als Folge zur „Haarspalterei“? Eher nicht. Der Villacher Fasching scheint es jedem so ein bisschen recht machen zu wollen. Aktuelles aus der Werbe- und Technikwelt, von „Zalando, ich schrei vor Glück“ bis „Alexa, bring mir drei Bier“, wird hier aufgegriffen und verwertet.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Intelligente Nummer mit viel Witz. Der Kontrast zur „Haarspalterei“ als direkten Vorgänger war gut gewählt.

Die Richter

Deutlicher Kontrast zu allen bisherigen Nummern. Lacher sucht man hier vergeblich, das scheint auch gewollt. Es gleicht einer Gesellschaftskritik. „Wir sprechen schon lange kein Recht mehr. Wir sprechen Urteile“, heißt es unter anderem von den „Richtern“. Das wird mit Applaus aus dem Publikum belohnt. „Weiterbildung ist für die Massen sowieso ein Fremdwort“, wird nachgeschossen. Es folgt eine Kritik an DSGVO und „Big Data“. „Wir müssen kritischer zu solchen Idioten sein. Nicht zu jedem Ja und Amen sagen.“ Auch dafür gibt es Applaus.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Wirkt in Teilen ein wenig fremd im sonst lustig gehaltenen Programm, die Idee dahinter ist aber auf jeden Fall gut. Noch etwas unsicher in der Darstellung. Ein Fall fürs „Feintuning“.

Noste 2019

Viele Lacher für die späte Uhrzeit (mittlerweile ist es 23.45 Uhr) und den wohl bisher größten Applaus des Abends. Am Tisch der FPÖ ist man sichtlich amüsiert, die ÖVP scheint eher peinlich berührt. Die SPÖ hadert.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Ziel erreicht, die Leute lachen. Ob’s am Alkohol liegt? Man weiß es nicht.

Der „Kaffeesiada“ als Prangerredner

Mit dem „Kaffeesiada“ freut sich der Villacher Fasching über einen neuen Prangerredner. Aleksander Unterweger, der bereits im Vorjahr als Prangerredner („Elektriker“) auftrat, schlüpfte am Freitagabend in die Rolle des nicht wortkargen Kaffeesiadas. Für Unterweger scheint die Rolle wie maßgeschneidert, ist er doch auch im Berufsleben Barista. Der Text zur Nummer stammt von einem Wiener Autorenteam namens „Team-Espresso“.

Der Kaffeesiada behandelt eher die Wiener und Bundespolitik. Wohl ein Tribut an die ORF-Übertragung. Der Humor zündet vor Villacher Publikum nicht immer. „Pamela Rendi-Wagner. Die Frau, die fast mehr Namen hat, wie die eigene Partei Wähler.“ Verzogene Mienen.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Kalter Kaffee, kam beim Publikum nicht an.

Männerabend

Vizebürgermeisterin Oberrauner wird direkt angesprochen. „Die Oberrauner auch da. Warum warst du heute nix Sauna, du kleine Honigbiene.“ Anspielung auf das Engagement rund um Bienen und die „Bienentankstellen“ in Villach. Die Leute lachen.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Klassische Nummer, praktisch ohne Politik. Viele Lacher zu bereits unchristlicher Zeit.

Musikgruppe „003“ wieder da

Ebenso ein Comeback in Originalbesetzung feierte die Musikgruppe „003“. Gute Musik mit pointierten Texten waren bei Johannes Krenner, Armin Höbling und Chirs Kaye im Programm. „Villach war eine ruhige Stadt. Doch seit es so viele Baustellen hat, steht der Verkehr“, „Stadtrat Weidinger hatte so viele Ideen, die konnte fast keiner verstehen“ wurde u.a. gesungen.

Top oder Flop?

5 Minuten Fazit: Musikalischer Abschied, kein wirkliches Feuerwerk, aber ein würdiges Ende für die Premierensitzung.

Neue Band am Villacher Fasching

Komplett neu zusammengesetzt präsentierte sich die Band des Villacher Faschings, die „Vifatones“. Der Name bedeutet so viel wie „die Töne des Villacher Faschings“. Angelehnt ist der Name an die legendäre Studioband „Heavytones“ von Kult-Fernsehmoderator Stefan Raab. Neo-Kapellmeister Christian Duss, der heuer erstmals in dieser Funktion auf der Villacher Faschingsbühne stand: ,,Mein Vorgänger Hermann Ortner hat 55 Jahre lang fantastische Arbeit geleistet. Ich will mich aber nicht mit ihm vergleichen und habe deshalb einen ganz anderen Weg eingeschlagen.“ Die Kapelle wurde auf elf Musiker (sechs Bläser, E-Gitarre, Schlagzeug, Perkussion, Klavier und Bass) verkleinert.

„Heuer konzentrieren wir uns voll auf die besten Hits der 70er“, erklärt Duss, von Beruf Direktor der Musikschule Bodensdorf-Gegendtal. Mit dabei etwa: Ein Boney M-Medley und Joe Zawinuls „Birdland“.

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Die Vifa-Tones feierten Premiere zur Premierensitzung.

Die Vifa-Tones feierten Premiere zur Premierensitzung. - © 5min.at

Zum Ehrenmitglied ernannt wurde…

Ehrengast des Abends war Harry Nessl von Fliesen Nessl aus Spittal an der Drau. Er brachte ein Bild aus tausend Fliesen mit zur Veranstaltung.

Und was sagt die Stadtpolitik?

Logischerweise war auch der ein oder andere Politiker unter den Gästen – und so mancher erkannte sich wohl auch selbst auf der Bühne. Christian Pober und Katharina Spanring (ÖVP), Bürgermeister Günther Albel, Harald Sobe, Petra Oberrauner und Andreas Sucher (SPÖ), Erwin Baumann und Wendelin Mölzer (FPÖ) waren u.a. im Publikum auszumachen. Wir haben auch hier nach Meinungen gefragt (man munkelt Erwin Baumann, Christian Pober und Günther Albel). Die Resonanz fällt positiv aus. Man spüre eine neue Professionalität und eine Verjüngungskur.

Neu & alt?

Zugegeben, das Grundkonzept einer Faschingssitzung wird man kaum in Gänze ändern können. Der Villacher Fasching 2018 erntete harsche Kritik – in den Sozialen Medien wurde er regelrecht zerrissen. Dennoch muss man zur Premierensitzung 2019 konstatieren, dass der Villacher Fasching „anders“ ist – im positiven Sinne. Das Zusammenspiel von Altbewährten und Neuerungen ist durchaus gelungen. Die ein oder andere Nummer braucht möglicherweise noch etwas Feintuning. Wir fanden: Der Villacher Fasching 2019 war allemal gelungen. Bedenkt man, dass fast alles unter ehrenamtlicher und freiwilliger Arbeitszeit auf die Beine gestellt wurde, umso mehr.

In der Pause nutzten wir die Chance, das Publikum etwas zu befragen. Fazit: Das neue Programm kam gut an. Ganz ohne Kritik wird aber auch der Villacher Fasching 2019 nicht auskommen. Allgemein ist man aber – im Vergleich zum Vorjahr – positiv überrascht. Die Kaffee-Nummer zog nicht, sonst erntete jeder Beitrag zahlreiche Lacher.

Unsere Fotos findet ihr hier.

Termine und Karten

Von den insgesamt 16 Sitzungen gibt es heuer zwei ganz besondere: Am 19. Jänner heißt es „alles Maske“ und das Publikum ist aufgerufen, verkleidet zur Sitzung zu kommen. Und am 20. Jänner sind alle Mitglieder einer Hilfsorganisation zu einer „ÖBB-Sitzung“ geladen – dabei gibt es ein spezielles Angebot für An-, Abreise und Eintrittskarte.

  • TV-Sitzungen am 21., 22. und 23. Feber
  • Karten: info@villacher-fasching.at beziehungsweise 0 42 42/ 22 1 60
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