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Augen offen halten und im Ernstfall richtig reagieren
Augen offen halten und im Ernstfall richtig reagieren © KK

Auf Villacher Parkplatz

Ein Obdachloser friert – Fußgänger sehen weg

Villach – Diese Szene ließ gestern Nacht am Mittwoch, den 16. Jänner 2019, niemanden der Gäste des Lokals „Caldarium“ kalt. Vor dem Restaurant ließ sich ein Mann auf einem Parkplatz in einem Schlafsack nieder und wollte dort in seiner Verzweiflung bei eisigen Temperaturen übernachten. Sie halfen schnell, andere wiederum gingen gleichgültig an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.

 4 Minuten Lesezeit (598 Wörter) | Änderung am 17.01.2019 - 22.09 Uhr

Die Gäste kontaktierten zuerst den Wirt, der im ersten Schritt ein warmes Essen anbieten wollte. Innerhalb kürzester Zeit rief dann einer der Gäste das Caritas Kältetelefon an. Was viele jedoch als schockierend empfanden: Währenddessen konnte man beobachten, wie vielen Leuten es egal war, dass hier ein Mensch in der Kälte schlief. Sie gingen einfach an ihm vorbei. Autos parkten neben ihm ein. Das, obwohl er lediglich einen Schlafsack dabei hatte  – zu wenig, denn gestern Nacht war es bereits bitterkalt.

Niemand wird im Stich gelassen

Kurze Zeit nach Absetzen des Hilferufes fuhr ein Wagen des Samariterbundes vor, der Mann stieg sofort ein. Wir sprachen mit SPÖ-Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser und wollten wissen, was es mit dem Mann von gestern Abend auf sich hatte. „Der Samariterbund versorgte ihn sofort mit Tee sowie Schlafsack und brachte den Betroffenen, ein deutscher Staatsbürger, in ein Notschlafzimmer. Heute Früh machte sich, wie in solchen Fällen üblich, eine Sozialarbeiterin auf den Weg zu ihm. Leider war er da schon verschwunden.“ Diese Rundum-Betreuung hat das Ziel den Menschen nicht nur über die Nacht zu helfen, sondern langfristig gemeinsam nach Lösungen zu suchen und wichtige Fragen zu klären. Es passiert oft, dass die Menschen nicht mehr da sind. Meistens handle es sich um Notreisende, die am nächsten Tag wieder unterwegs sind. „Wir haben auch deswegen mehrsprachige Kärtchen in den Notschlafzimmern aufliegen, mit der Einladung, sich jederzeit an uns zu wenden.“

Nicht alle sehen hin, wenn jemand Hilfe benötigt

„Dass dem Mann sofort von Augenzeugen geholfen wurde und beim Caritas Kältetelefon angerufen wurde, freut mich“, so die Vizebürgermeisterin dankbar und möchte jedoch an jeden Einzelnen appellieren: „Wir sind auf die Mitarbeit der Villacher angewiesen und ich habe die Bitte, aufmerksam zu bleiben und im Ernstfall so zu helfen, wie es gestern Nacht gemacht wurde!“ Nicht vorbei gehen, sondern hinsehen und mithelfen. „Das Netzwerk funktioniert Dank Zivilcourage gut und hier trägt jeder Einzelne Verantwortung.“

Notfallplan der Stadt greift

Seit 1. November wurde der Kontakt zu 11 betroffenen Menschen über das Kältetelefon, die Abteilung Soziales der Stadt oder den Samariterbund hergestellt. Davon waren vier österreichische Staatsbürger betroffen: Zwei davon haben bereits eine eigene Wohnung, eine Person hatte keine Wohnung und wurde durch die Stadt Villach wohnversorgt. Ein weiterer ist in Betreuung der ARGE Sozial und will einfach keine Wohnung – auch so etwas gibt es. „Hier möchte ich auch die gute Kooperation mit Stadtrat Erwin Baumann erwähnen, die rasche Versorgung mit Wohnungen funktioniert sehr gut“, so Sandriesser. Alle anderen Personen waren aus Deutschland, Rumänien, Tschechien oder Nigeria.

„Wir können 24 Stunden lang, das ganze Jahr lang helfen“, so Sandriesser. Also nicht nur zu Öffnungszeiten eines Obdachlosenheimes. Die Zusammenarbeit in solchen Fällen über das Kältetelefon der Caritas, dem Samariterbund und der Arge Sozial funktioniert im Ernstfall reibungslos. Das Ziel der Stadt Villach und allen Kooperationspartnern ist es Menschen kurzfristig über die Nacht zu helfen, aber langfristig mit ihnen an einer Lösung zu arbeiten. Im Fall des Mannes von gestern Nacht gibt es gute Nachrichten. Er ist heute, obwohl er zuerst verschwunden war, bei der Stadt Villach aufgetaucht und bat um Hilfe, denn er wolle gerne wieder heim nach Deutschland. Ihm wurde sofort geholfen.

Jemand benötigt Hilfe - Was ist zu tun?

HINWEIS: Ihr entdeckt, dass jemand bei eisigen Temperaturen Hilfe benötigt? Bitte wählt wie die Gäste des Lokals „Caldarium“ die richtigen Nummern.

Hotline bis März 2019:
Caritas Kältetelefon: 0463/39 60 60 (von 20 bis 6 Uhr erreichbar)

Ganzjährig:

Samariterbund: 04242/25250

Stadt Villach/Abteilung Soziales:  04242/2053832

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