Zum Thema:

22.04.2019 - 15:44Scheiben ein­geschlagen und PKW durch­sucht22.04.2019 - 14:41Tödlicher Alpin­unfall bei Villach-Warmbad21.04.2019 - 13:39Mit 104 km/h durchs Ortsgebiet gerast21.04.2019 - 12:54Verzweifelte Suche nach Mutter
- Villach & Klagenfurt
Betroffene und deren Familien erleiden jahrelange Höllenqualen.
SYMBOLFOTO Betroffene und deren Familien erleiden jahrelange Höllenqualen. © KK

Ist Kärnten die neue "Drogenhochburg" Österreichs?

ATV-Reportage: „Mein Sohn war mein Ein und Alles!“

Villach/ Klagenfurt – Der TV-Sender ATV hat sich die Situation in Kärnten näher angesehen, denn 25 Drogentote innerhalb eines Jahres veranlasst das TV-Format zum Titel "Drogenhochburg Kärnten". Kärnten liegt statistisch gesehen nämlich auf Platz 2 in Österreich, hinter Wien. Was hat das ATV Team herausgefunden?

 3 Minuten Lesezeit (475 Wörter) | Änderung am 11.02.2019 - 07.24 Uhr

Wir haben uns die Reportage gestern, am Samstag, den 9. Februar ausgestrahlt, angesehen und möchten nur kurz darauf eingehen, um was es ging. Denn es handelt sich um ein Kärntner Thema, dass die Politik, Medien und Leser seit Monaten in Atem hält und wir können nur empfehlen, sich diese aufrüttelnde Sendung auch anzusehen. Die Spurensuche führt in erster Linie nach Klagenfurt, genauer gesagt St. Ruprecht.

Hauptursache: Medikamentenmix

Gottlieb Türk Klagenfurt-Kriminalamtleiter erklärt in der Reportage einführend, dass es in etwa 90 Prozent aller Fälle Mischintoxikation waren, eine Mischung aus illegalen Drogen und legalen, verschreibungspflichtigen Medikamenten. Der überwiegende Teil verstirbt seiner Meinung nach an verschreibungspflichtigen Medikamenten, nicht an den Inhaltsstoffen der illegalen Drogen.  Mehrmals im Monat gibt es Drogenschwerpunktaktionen der Polizei in Klagenfurt. Bis zu 1.700 Kärntner wären laut ATV drogenabhängig, die Dunkelziffer soll weit höher sein.

„Ich wollte es nicht wahrhaben!“

Als Angehöriger ist der Tod eines geliebten Mensch, ein schrecklicher Schicksalsschlag. Damit nicht genug, folgen Fragen der Schuld: „Hätte man etwas anders machen können. Hätte man etwas verhindern können?“ Auch schwer zu ertragen ist das gesellschaftliche Stigma, dass an einem haftet, beschreibt eine Klagenfurterin im Interview. Sie hat ihren 29-jährigen Sohn verloren. Das Verhältnis der beiden war eng. Oft habe sie ihn nächtelang gesucht und oft zugedröhnt gefunden. Sie fragte sich immer, was kann ich tun um das eigene Kind von der Sucht wegzubekommen? Sie erlebte ein jahrelanges Auf und Ab zwischen Entzug und Gefängnis, bis sie schlussendlich der Anruf eines Arztes ereilte. Es war Sonntag um halb 7 in der Früh im Hotel. Sie befand sich in Tirol, ihr Sohn in Kärnten. Er setzt sie in Kenntnis darüber, dass ihr Sohn leblos auf der Wohnzimmer-Couch vorgefunden wurde. Die Todesursache: Eine Überdosis. Den Schmerz wollte sie laut rausschreien, es war kaum auszuhalten, erzählt die Klagenfurterin. Nun hat sie sich einer Trauergruppe angeschlossen, ihr Sohn war für Sie ihr „Ein und Alles!“

Wichtig, wie wir als Gesellschaft handeln

Sie erklärt, dass sie auch danach noch Höllenqualen durchlebte, fühlte sich von der Gesellschaft nicht richtig verstanden und stellte sich sogar die Frage, darf ich überhaupt trauern? Sie hat etwas durchlebt, dass sich 2018 in Kärnten viel zu oft wiederholt hat. So viele Familien, die schreckliches Leid erleben mussten, weil sie einen geliebten Angehörigen verloren haben. Auch zwei weitere Interviews mit Betroffenen, die um ihre Freiheit kämpfen, wurden geführt. Um die Welt zu verstehen, in der Familie und Betroffene leben und kämpfen, trauern und hadern, zahlt es sich aus die aufrüttelnde Reportage von ATV anzusehen. Es verändert den Blick auf die Problematik und hilft dabei, sensibel mit diesen Familien umzugehen und Betroffene besser zu verstehen. Am besten selbst reinsehen: HIER gibt es die Reportage.

Diskutiere mit uns auf Facebook über dieses Thema:Direkt zum Beitrag auf 5min-Villach (53 Reaktionen) Direkt zum Beitrag auf 5min-Klagenfurt (59 Reaktionen)
Schlagwörter:
Kommentare laden
ANZEIGE