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© ÖBf-Archiv/Ficker/Ratschan/

Fisch-Volkszählung

Mit dem Echolot nachts über den Wörthersee

Wörthersee – Ungewöhnliche Bootsfahrten zu nächtlicher Stunde kann man derzeit am Wörthersee beobachten. Warum? Die Fischbestände von Reinanken und Seesaiblingen werden derzeit wissenschaftlich untersucht.

 5 Minuten Lesezeit (612 Wörter) | Änderung am 20.02.2019 - 15.33 Uhr

Hauptaugenmerk der aktuellen Untersuchungen liegt auf den Fischarten Reinanke und Seesaibling – typische Bewohner der tiefen Alpen- und Voralpenseen und von großem ökologischen wie fischereiwirtschaftlichem Wert. Neben Basisdaten wie Länge, Alter, Geschlecht oder Laichreife werden Größe und Verteilung der Fischbestände im See über nächtliche Schallreflexionsmessungen (Echolot) in den Gewässern erfasst.

„Im Sinne einer naturnahen Bewirtschaftung können wir auf Basis der gewonnenen Daten langfristig planen, wie viel Fisch nachhaltig entnommen werden kann oder bei Bedarf notwendige Maßnahmen zur Erhaltung der Arten setzen“, so Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste. „Das ist gerade in Zeiten des Klimawandels von besonderer Bedeutung.“ In Kärnten finden die Untersuchungen am Wörthersee, am Weissensee und am Millstätter See statt.

Im Zick-Zack-Kurs über den nächtlichen See

Ausgerüstet mit modernster Technik befahren die Experten die nächtlichen Gewässer mit einer Geschwindigkeit von nur 5 km/h und im vorgegebenem Zick-Zack-Kurs, um eine bestmögliche Fisch-Stichprobe zu erfassen. „Zum Schutz vor Räubern sind einige Fischarten unter Tags in Schwärmen unterwegs oder halten sich am Seegrund auf. Bei einsetzender Dunkelheit lösen sich die Schwärme auf und die Fische steigen zur Nahrungssuche in höhere Wasserschichten auf“, erklärt Freidhager. Auch die Befahrung der Seen in den Wintermonaten dient allein der Messgenauigkeit: „Dann ist es am und im Wasser sehr ruhig. Die Fische bewegen sich langsam und die Seeoberfläche ist meist spiegelglatt.“ Das Echolot der neuesten Generation wird in einer Wassertiefe von etwa 20 Zentimetern seitlich am Bootsrand befestigt und sendet Millionen von Schallwellen in die Tiefe des Sees. Der Gewässergrund sowie die Fische reflektieren das akustische Signal zurück zum Echolotgerät. Die gewonnenen Daten werden anschließend im Labor ausgewertet.

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Nächtliche Echolotmessungen werden derzeit auf vielen Seen in Österreich unternommen.

Nächtliche Echolotmessungen werden derzeit auf vielen Seen in Österreich unternommen. - © ÖBf/Harald Ficker

Altersanalyse anhand von Fischschuppen und Gehörsteinchen

Die detaillierte Erhebung fischökologischer Basisdaten findet hingegen in den Sommermonaten statt. Mit Netzen unterschiedlicher Maschenweite fischen die Wissenschaftlerinnen eine kleine, möglichst repräsentative Stichprobe an Reinanken und Seesaiblingen aus jedem See. Diese werden gemessen, gewogen sowie auf Verletzungen oder Parasitenbefall untersucht. Ähnlich wie bei Bäumen kann das Alter von Reinanken anhand von Jahresringen auf den Fischschuppen mikroskopisch bestimmt werden. „In der warmen Jahreszeit, wenn ausreichend Nahrung im See vorhanden ist, wachsen die Fische schneller und die Jahresringe sind breiter, wohingegen sie im Winter, in der Zeit der Entbehrung, deutlich schmäler ausfallen“, so Freidhager. Weil die Schuppen der Seesaiblinge zu klein sind, ist deren Wachstumsverlauf an den Jahresringen der nur wenige Millimeter großen Gehörsteinchen (Otolithen) abzulesen. Sämtliche aus der Untersuchung gewonnen Daten finden Eingang in die „Fischdatenbank Austria“ (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, in der alle relevanten Befischungsdaten zu österreichischen Seen und Fließgewässern archiviert werden. Finanzielle Unterstützung des Projektes erfolgt durch den Europäischen Fischereifonds (EMFF).

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Seesaiblinge (Salvelinus umbla)

Seesaiblinge (Salvelinus umbla) - © ÖBf-Archiv/Clemens Ratschan

Nachhaltige Fischerei im Klimawandel

„Nicht nur in unseren Wäldern, auch in den heimischen Gewässern sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren“, berichtet Freidhager. Hitzeperioden und andere Wetterextreme nehmen Einfluss auf die Wassertemperaturen und damit auch auf das Nährstoff- und Nahrungsangebot im See. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Fischbestände. Im Salzkammergut betreiben die Bundesforste an Hallstättersee, Grundlsee und Toplitzsee auch eine eigene Seefischerei. „Wir beobachten die ökologischen Entwicklungen an den uns anvertrauten Gewässern sehr genau. Die aktuellen Untersuchungen tragen maßgeblich dazu bei, diese einzigartigen Ökosysteme und ihre Vielfalt an Pflanzen und Tieren auch für zukünftige Generationen zu erhalten“, so Freidhager abschließend.

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Reinanke (Coregonus lavaretus)

Reinanke (Coregonus lavaretus) - © ÖBf-Archiv/Clemens Ratschan

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