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© KK

"Rocker" mit besonderer Gabe:

Ein Mann, sein Bleistift und viele Kunstwerke

Villach – Richard Hagel ist 58 Jahre alt und ein Villacher Urgestein. Sein ganzes Leben über wohnte er in der Draustadt. Mit seinem grauen Bart und seine schwarzen Klamotten wirkt er wie ein Rocker - doch am Bleistift ist er ein feinfühliger Künstler. Seine Bilder begeistern.

 5 Minuten Lesezeit (653 Wörter)

„Die Veranlagung zum Zeichnen dürfte ich von meinem Vater geerbt haben, er war auch so ein toller Zeichner, leider nur in seiner Jugend vor meiner Geburt. Später, er war Zimmermeister, hatte er vor lauter Arbeit keine Zeit mehr dazu“, erklärt uns Richard Hagel. „Ich hatte nie eine Ausbildung für das Zeichnen – spezielle Techniken habe ich mir im Laufe der Zeit autodidakt angeeignet. Ich habe auch das Malen (Aquarell und Öl) ausprobiert, aber meine Vorliebe ist dann doch das Zeichnen mit Bleistift und Kohle geblieben.“

Schon im Kindesalter fing er an zu zeichnen. Es vergingen aber auch Jahre, in denen er keinen Strich machte. „Ich habe nie gezeichnet, um Geld damit zu verdienen, sondern weil es mir Spaß macht. Zeitdruck und Stress sind schlechte Voraussetzungen, ich brauche die richtige Einstellung dazu, dann zeichne ich auch zwei Bilder in einem Go hintereinander“, so der Künstler.

Vom Raster zur ultrarealistischen Zeichnung

Uns interessierte vor allem auch, wie Hagel bei seinen Zeichnungen vorgeht. Gibt es Tipps? „Schon als Kind habe ich Portraits gezeichnet, die Proportionen damals noch mittels Raster auf das Zeichenblatt übertragen, man nennt das Gratikulieren“, sagt er dazu. „Bald war ich durch mein großes Geometrie-Interesse soweit, dass ich mir den Raster im Hinterkopf mit einem ‚geistigen Auge‘ vorstellen konnte und heute fällt es mir nicht schwer jede beliebige Form maßstabgetreu aufs Papier zu bringen. Ich merke mir Fixpunkte wie Augen- und Mundwinkel, Nasenspitze, Haaransatz usw. und zerlege die Abstände zueinander in Dreiecke. Diese Dreiecke behalte ich mir im Kopf und markiere sie im betreffenden Maßstab exakt mit den selben Winkeln auf dem Zeichenblatt. Nebenbei gibt es jede Menge Grundregeln für Gesichts- und Körperproportionen, die man kennen und einhalten sollte.“

Das Spiel mit Licht und Schatten

Die Ergebnisse begeistern: „Ich habe mir immer zum Ziel gesetzt, so nahe wie möglich an das Originalfoto heranzukommen. Details sind mir wichtig, soweit die Größe der Zeichnung es zulässt. Jedes Glied einer Halskette hat einen Glanz, jedes Haar hat einen Schatten! Ich bin der Meinung, mit Licht und Schatten kann man oft mehr Wirkung erzielen als mit Farbe – so nach dem Motto: eine Zeichnung kann auch in S/W ganz schön bunt sein.“ Wie recht er hat, wenn man seine Kunstwerke ansieht, weiß man gar nicht wohin zuerst schauen…

Radiert wird so wenig wie möglich

„Das Besondere an meinen Zeichnungen: Im Gegensatz zu anderen Zeichnern verläuft die Schraffur von homogenen Flächen in meinen Zeichnungen nicht kreuz und quer, sondern immer in dieselbe Richtung, meistens die Blattdiagonale. Absolutes No-Go: Verwischen mit dem Finger! Für gleichmäßige Flächen setze ich die Schraffur enger, aber jeder Strich muss zu erkennen sein“, erklärt er. Kohle eigne sich sehr gut um Details genauestens herauszuarbeiten, aber auch um mit groben Strichen Unschärfen auf dem Foto zu kaschieren. „Ich versuche, so wenig wie möglich zu Radieren, weil es dem Blatt eine andere Struktur verleiht. Die Stellen sind später bei genauer Betrachtung im Gesamtwerk sichtbar.“

Seine fertigen Werke stellt er hauptsächlich auf seinem FB-Profil in einem eigenen Album aus. „Ich freue mich, wenn meine Arbeit gute Kritik erhält. Wenn sich jemand als Geschenk für sich oder anderes so eine Zeichnung wünscht, einfach anschreiben!“ Für ein Portrait ohne Hintergrund braucht er in der Regel etwa fünf bis sechs Stunden. Etwa die Hälfte seiner Vorlagebilder hat er übrigens selbst fotografiert: „Ich mache Fotoshootings, das Model gibt mir die Rechte, Zeichnungen davon zu veröffentlichen, als Gegenleistung gibt es ein oder zwei Originalzeichnungen vom ausgesuchten Foto.“

Nach einem Bandscheibenvorfall und ständigen Rückenschmerzen kann Hagel mittlerweile weder lange stehen noch sitzen – gezeichnet wird daher auf dem Bauch liegend im Bett. Seinen fantastischen Zeichnungen tut dieser aber keinen Abbruch.

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