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Wie die Mafia Wettbüros zur Geldwäsche ausnutzt

Österreich – Die italienische Mafia scheint in ganz Europa in so manchen Geschäften die Finger im Spiel zu haben. Ermittler befinden sich kontinuierlich in Ermittlungen, um diese zu finden und den Clans ihren illegalen Einfluss zu nehmen. Erst im November letzten Jahres hat in Österreich ein großer Schlag gegen die Mafia stattgefunden, als über 37 Millionen Euro an Mafiageldern aufgedeckt und beschlagnahmt wurden.

 5 Minuten Lesezeit (628 Wörter)

Es ist bereits bekannt, dass unter anderem über Immobilien und Stiftungen aus illegalen Tätigkeiten eingenommene Gelder weißgewaschen werden. Besonders auch Online-Wettbüros machen sich die Mitglieder der „Familie“ zunutze. Österreich ist Aussagen zufolge ein beliebter Rückzugsort zur Geldwäsche, nun wurden die Wettbüros des Landes als Geldwaschmaschinen ausgenutzt.

Was ist Geldwäsche?

Um den Geldern aus illegalen Tätigkeiten, wie etwa durch den Drogenhandel, den „schmutzigen“ Status zu nehmen, macht sich die Mafia die sogenannte Geldwäsche zunutze. Das Geld wird im Zuge dessen über verschiedene Wege gesäubert, damit diese als rechtmäßige Einnahmen verbucht werden können. Beliebt sind hierfür Immobilien, sowie auch jegliche Start-ups, Fundraising-Projekte und Stiftungen. Das Schwarzgeld wird investiert, die ausgezahlten Gewinne und Dividenden sind dann nicht mehr illegal und können legal verbucht werden. Wettbüros im Internet haben sich zudem als beliebte „Waschmaschinen“ herausgestellt. Manche der Unternehmen, mit denen die Mafia agiert, wissen von den gesetzwidrigen Tätigkeiten nichts, während sich andere dessen bewusst sind und aktiv mitmachen.

Warum Wettbüros?

Sportwetten und Glücksspiele im Internet eignen sich offensichtlich hervorragend für die Geldwaschgeschäfte der Mafia. Das Internet bietet viel Spielraum und bei mangelnder Kontrolle die Gelegenheiten, illegale Gelder zu reinigen. Online-Wettbüros werden als Briefkastenfirmen mit Sitz in Europa geöffnet. Besonders Steuerparadiese, wie etwa Malta, werden hierfür oftmals gewählt. Der Vorteil solcher Firmen für Kriminelle ist, dass die wahren Besitzer nur schwer ausfindig gemacht werden können. Bei Investitionen in Immobilien sieht dies anders aus. Zuletzt wurde die Geldwäsche via Online-Wettbüros in Österreich aufgedeckt.

Aufgeflogene Geldwäsche in Österreich

Die BKA Wien verkündete im November 2018 die „größte in Österreich sichergestellte Summe an Mafia-Geldern“ in Höhe von insgesamt 37,3 Millionen Euro. Aufgrund von Hinweisen der italienischen Staatsanwaltschaft Reggio di Calabria erfolgten die Ermittlungen gegen die Mafia und ihre Wettbüros. Scheinbar nutzte eine eigene Wettfirma illegale Geldwaschpraktiken und diese rückten mit der Aufdeckung in den Fokus. Es wurden insgesamt 33 Online-Plattformen geschlossen, darunter einige Online-Wettbüros, die Hinweise auf solche Tätigkeiten gaben. Infolge der Ermittlung – neben Österreich auch auf den Antillen, in Italien, auf Malta und in Rumänien – gegen die Mafia erfolgten fast 70 Festnahmen. Es ist offensichtlich, dass einige von diesen Menschen zuvor im Online-Glücksspiel in Österreich tätig waren. Laut Aussage der italienischen Staatsanwalt seien Clans der Mafia aus dem Süden Italiens für die Verbrechen verantwortlich.

Glücksspiel-Insel Malta und die Mafia

Die Insel Malta ist aufgrund von erheblichen steuerlichen Vorteilen ein beliebter Ansammlungsort für Glücksspielfirmen. Malta vergab als erster Mitgliedsstaat der EU Vorschriften zum Online-Glücksspiel und wurde somit führender Standort für Anbieter in diesem Bereich. Diesen Vorteil erkannte entsprechend auch die „Familie“ Italiens, die in Malta bekanntermaßen einige Fäden in der Hand hält. Es fällt auf, dass die Glücksspielaufsicht vor Ort jegliche Berichterstattung zu unterbinden versuchte, was 2017 sogar zum Mord einer zu neugierigen Journalistin und Bloggerin geführt haben soll. Sie hatte versucht, die Glücksspielgeschäfte zu recherchieren und hatte auf ihrem Blog, einem der meistgelesenen Webseiten Maltas, verkündet, dass die Mafia hier jährlich Millionen an Euros ansammeln würde. Die Politik sei sich darüber im Klaren, würde jedoch nichts unternehmen. Ein Indiz für die Wahrheit war der Vorfall, in dem ein Wettanbieter seine Lizenz aus unerklärlichen Gründen zurückbekam, nachdem sie ihm zunächst entzogen wurde. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sich die Mafia über die Steuerparadiesinsel Malta in ganz Europa ausbreite – so auch nach Österreich.

Die Mafiastrukturen in Europa sind immens und scheinbar unvorstellbar weitreichend. Der Schlag im letzten Jahr war ein Erfolg, doch lediglich ein kleiner Schritt in den kontinuierlichen Ermittlungen gegen die „Familie“.

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