Zum Thema:

26.06.2019 - 15:00Der AC Wolfsberger auf Europa League Kurs26.06.2019 - 14:39Richtiger Sonnen­schutz bei hohen Temperaturen25.06.2019 - 12:0836 Grad und es wird noch heißer…22.06.2019 - 08:45Aktion scharf: 19 Führer­scheine in einer Nacht abgenommen
Leute
© KK

Am Sonntag werden Spenden in Kirchen gesammelt

Alt, arm und einsam: Caritas hilft Betroffenen

Kärnten – Kärnten liegt bei der Altersarmut über dem Österreich-Durchschnitt. 21.500 Kärntnerinnen und Kärntner über 65 Jahre sind armutsgefährdet, speziell Frauen sind davon betroffen. Die Caritas Kärnten reagiert auf diese Not und handelt: Am 7. April 2019, dem Caritassonntag, wird für konkrete Hilfsangebote im Inland gesammelt.

 5 Minuten Lesezeit (614 Wörter)

Theresia* (66) kommt finanziell gerade einmal über die Runden. Dabei hat sie Zeit ihres Lebens am Hof ihres Mannes hart gearbeitet und sich um die vier Kinder gekümmert, die heute erwachsen sind. Eines davon ist schwer behindert. Seit ihr Mann plötzlich verstorben ist, bezieht sie 325 Euro Witwenpension plus Ausgleichszulage. Sie selbst war als Bäuerin nie angemeldet. Theresia lebt in einem entlegenen Tal in Kärnten, während ihre Töchter und Söhne im Zentralraum wohnen. Sie besitzt kein Auto und fühlt sich sehr einsam, denn: „Meine Kinder sehe ich kaum. Die Karte für den Bus kann ich mir nur selten leisten.“

Mehr Frauen als Männer betroffen

Armut und Einsamkeit im Alter gehören zu den großen Herausforderungen der Gegenwart. Kärnten liegt bei der Altersarmut über dem Österreich-Durchschnitt. Das besagt eine Erweiterungsstudie auf Basis der jährlichen EU-SILC-Daten, die die Jahre 2012 bis 2016 in Kärnten abbildet. Demnach sind 17 Prozent der Männer über 65 Jahre – in Summe 7500 – und 21 Prozent der Frauen über 65 Jahre – insgesamt 14.000 – in Kärnten armutsgefährdet. Im Österreich-Durchschnitt sind „nur“ neun Prozent der Männer über 65 und 16 Prozent der Frauen über 65 Jahre von Altersarmut betroffen. „Altersarmut trifft mehr Frauen als Männer. Gründe dafür sind die weniger pensionswirksamen Erwerbszeiten wegen der Kindererziehung und Care-Arbeiten“, weiß der Kärntner Caritasdirektor Josef Marketz.

Abschaffung der Notstandshilfe wäre heikel

Caritas Präsident Michael Landau sieht in einer Vollzeitarbeitsstelle mit entsprechendem Einkommen das beste Mittel gegen Altersarmut.  Der Einsatz gegen Arbeitslosigkeit mit entsprechenden Projekten sei ebenso wichtig wie ausreichend Kinderbetreuungsplätze für Frauen, besonders Alleinerzieherinnen, sagt Landau: „Wenn Arbeitszeiten fehlen, etwa durch Teilzeit, steigt die Einkommensarmut im Alter.“

Die politisch angedachte Abschaffung der Notstandshilfe könnte zu mehr Altersarmut führen, so der Caritas Präsident, der am Caritassonntag, 7. April, zu einem Besuch der Caritas-Einrichtungen nach Kärnten kommt und am Sonntag um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche Klagenfurt-St. Egid eine Heilige Messe feiert.

Unterstützung von außen

Das durchschnittliche Nettohaushaltseinkommen eines Menschen liegt bei rund 25.000 Euro pro Jahr, Männer über 65 Jahre liegen knapp über dem Durchschnitt, Frauen, die älter als 65 Jahre sind, mit 21.680 Euro deutlich darunter. Jede fünfte Kärntnerin über 65 Jahre – das sind 13.600 Frauen – kann sich keine unerwarteten Ausgaben leisten. „Von dem vorhandenen Geld können zwar die laufenden Kosten wie Wohnung, Strom, Gas und Essen bezahlt werden, wenn aber ein Gerät kaputtgeht oder ein Zahn ersetzt werden muss, stehen diese Frauen vor einer unlösbaren Aufgabe. Sie brauchen Unterstützung von außen“, sagt Marketz.

Starker Anstieg bei Sozialhilfe-Anträgen

So verzeichnet die Caritas Kärnten einen starken Anstieg von Menschen über 60 Jahren, die in ihrer Sozialberatung Hilfe suchten. Beantragten in dieser Altersgruppe im Jahr 2016 198 Frauen und Männer Sozialhilfe, so waren es 2018 schon 278. Die Zahl der Antragstellerinnen und Antragsteller über 70 Jahre hat sich im Vergleich zum Jahr davor um 15 Prozent erhöht. Die Caritas hilft ihnen mit Beratung und finanziellen Mitteln. „Wenn Menschen überdies unter Einsamkeit leiden und sie es wünschen, dann schicken wir ihnen freiwillige und gut geschulte AlltagsbegleiterInnen nach Hause, weil wir nicht zusehen wollen wie in der Kommunikations- und Informationsgesellschaft, in der wir leben, immer mehr Menschen in unserem Land vereinsamen.“ Der Caritasdirektor appelliert gemäß dem Caritas-Motto „Wir>Ich“ und „gemeinsam>einsam“ an die Kärntner Bevölkerung: „Helfen Sie uns bitte helfen! Schon heute ein herzliches Vergelt´s Gott dafür.“

Die Caritas sammelt am Caritassonntag (7. April) in allen katholischen Kirchen des Landes mit dem Fokus auf die Altersarmut für ihre Hilfsangebote im Inland. Gespendet werden kann auch mit Erlagschein oder online.  

Spendenkonto: Caritas Kärnten

*Name geändert

Diskutiere mit uns auf Facebook über dieses Thema:Direkt zum Beitrag auf 5min-Villach (26 Reaktionen) Direkt zum Beitrag auf 5min-Klagenfurt (7 Reaktionen)
Kommentare laden
ANZEIGE