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Mit der Veranstaltung wollte man keine Verschwörungstheorien schüren, so die BZÖ-Kärnten, sondern Fakten zum Unfalltod Haiders präsentieren.
Mit der Veranstaltung wollte man keine Verschwörungstheorien schüren, so die BZÖ-Kärnten, sondern Fakten zum Unfalltod Haiders präsentieren. © 5min.at

Debatte: Fragwürdig oder in Ordnung?

„Wir können den Führer nimmer lebendig machen“

Villach – Unfall, Mord oder Selbstmord? Über zehn Jahre nach dem Tod Jörg Haiders, wurde Freitagabend dieser Frage in Villach genauer nachgegangen. Wir waren unter den Zuhörern und geben euch einen Einblick in den Abend voller "Beweise" und fragwürdiger Aussagen, wie die Forderung des BZÖ-Generalsekretärs Karlheinz Klement, einige Richter im Amt einzusperren.

 6 Minuten Lesezeit (726 Wörter) | Änderung am 07.04.2019 - 20.46 Uhr

In dem gut gefüllten Gasthof Bacher veranstaltete das BZÖ-Kärnten den Informationsabend mit dem Titel „Jörg Haider – Unfall, Selbstmord, Mord, oder Attentat?“ am Freitag, dem 5. April. Mehr als zehn Jahre nach dem „ominösen Unfalltod“ des Landeshauptmannes, wie es am Abend mehrmals heißt, wollte man dort offenen Fragen nachgehen und Beweise hinterfragen.

Manipulierte Beweise?

Laut Staatsanwaltschaft ist der Fall eindeutig: Jörg Haider war mit 142 km/h und 1,8 Promille Alkohol im Blut unterwegs. Dabei war er auf der regennassen Fahrbahn zusätzlich noch von seinem Telefon abgelenkt. Es kam zum Unfall, den Haider nicht überlebte. Die Redner am Vortragsabend BZÖ-Vorsitzender Helmut Nikel, BZÖ-Generalsekretär Karlheinz Klement und „Wahrheitsfinder“ (von Nikel in der Begrüßung so genannt) Lorenz Pichler sehen das anders. Viele der Beweise seien manipuliert worden und wichtige Hinweise unterschlagen, heißt es.

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Der Gasthof Pacher in Villach war am Vortragsabend gut besucht.

Der Gasthof Pacher in Villach war am Vortragsabend gut besucht. - © 5min.at

Intensive Recherche durch „Wahrheitsfinder“

In mehrjähriger Recherche habe Lorenz Pichler etliche Beweise dafür gesammelt, dass Jörg Haider nicht unter den Umständen gestorben sei, wie es damals in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Der „Wahrheitsfinder“ habe, wie BZÖ-Vorsitzender Helmut Nikel erwähnte, trotz zahlreicher Morddrohungen „unermüdlich recherchiert“. Rund 45 Gigabyte an Daten hat Pichler dabei gesammelt. Die Anschuldigungen, die er erhebt, reichen tief: Das Auto, das „zu den sichersten Autos der Welt gehört“, wie es beim Vortrag heißt, hätte nicht so stark beschädigt werden dürfen; Einige der Aussagen, die nach dem Unfalltod Haiders getroffen wurden, wurden nachträglich geändert; Das Unfallauto war noch vor der Spurensicherung durchsucht worden; Das Mobiltelefon von Haider, mit wichtigen Dateien, sei verschwunden, und viele weitere Punkte wurden besprochen. Die Liste der vermeintlichen Verstöße und Manipulationen ist lang.

„Er hat uns Hoffnung gegeben“

Neben vielen Vorwürfen gegen österreichische Medien und Politiker stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt des Abends: Die Lobpreisungen an Jörg Haider. Aussagen wie: „Jörg Haider hat es geschafft, uns in diesem Land das Selbsbewusstsein zu geben, dass wir stolz darauf sein können“, oder „Er hat uns Hoffnung und Vertrauen gegeben“, waren mehrmals zu hören.

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Mittels Video- und Power-Point-Material wurde durch den Abend geführt.

Mittels Video- und Power-Point-Material wurde durch den Abend geführt. - © 5min.at

Fragwürdige Aussagen von Vortragenden und Publikum

Ob nun Beweise manipuliert wurden oder nicht, Fakt ist, dass manche der Aussagen, die am Abend gefallen sind, für uns aus der 5-Minuten-Redaktion sehr bedenklich waren. Egal ob diese von Vortragenden oder aus dem Publikum kamen. Einer der Teilnehmer aus dem Publikum erklärte deutlich: „Wir können den Führer nimmer lebendig machen.“ Die Aussage ist klar auf unserer Aufnahme zu hören. Während des Abends fiel diese Aussage noch ein zweites Mal. Haider wurde auch direkt „Führer“ genannt.

Direkt nach der Forderung von BZÖ-Generalsekretär Karlheinz Klement an Innenminister Kickl, die Verschlussakte rund um den Unfall Haiders erneut zu öffnen, war aus dem Publikum zu hören: „Dann is ja der nächste Autounfall“. Auch diese Passage haben wir in einem Ausschnitt für euch angehängt. Die Aussage aus dem Publikum ist am Schluss des Ausschnitts leise zu hören.

Fragwürdig war auch die Forderung, diejenigen Richter einzusperren, die den „Mantel der Justiz“ dazu missbrauchen, unrecht zu handeln. Auch diese Aufnahme ist hier zu hören. Die Forderung kam von Karlheinz Klement, der in der Vergangenheit bereits wegen Verhetzung verurteilt wurde. Wir fanden einige der Aussagen, wenn auch rechtlich erlaubt, fragwürdig. Jeder von uns muss aber selbst entscheiden, was er von den gefallenen Aussagen hält.

Ausschnitt: „Führer“

Ausschnitt: „Autounfall“

Ausschnitt: „Richter“

#Debatte: Was meint ihr?

Was haltet ihr von dem Thema? Ist es gut, sich näher mit dem Unfalltod Jörg Haiders auseinanderzusetzen? Oder sollte man den Fall auf sich beruhen lassen? Sind die Aussagen, die am Abend gefallen sind, in Ordnung? Oder grenzt das Ganze an Wiederbetätigung? Schreibt eure Meinung in die Kommentare unter den Facebook-Beitrag. (Anmerkung: Unpassende oder beleidigende Kommentare werden von der Redaktion gelöscht. Solltet ihr so einen Kommentar entdecken, meldet ihn an uns via Facebook-Nachricht.)

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