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Beim Kreisverkehr vor dem Villacher Hauptbahnhof half die junge Frau einer verzweifelten Alkoholisierten.
Beim Kreisverkehr vor dem Villacher Hauptbahnhof half die junge Frau einer verzweifelten Alkoholisierten. © 5min

16-Jährige Villacherin zeigt Zivilcourage:

„Alle anderen schauten nur zu und lachten“

Villach – Erinnert ihr euch noch an den Polizeieinsatz rund um eine Frau, die vor dem Villacher Hauptbahnhof mitten auf der Straße randalierte? Wie jetzt bekannt wurde, zeigte eine 16-jährige Villacherin Zivilcourage und schritt ein, um der alkoholisierten Frau zu helfen. Dabei schrie sie dem jungen Mädchen des Öfteren zu: „Ich will nicht mehr leben, er schlägt mich!"

 8 Minuten Lesezeit (1043 Wörter) | Änderung am 13.04.2019 - 10.28 Uhr

Diese Meldung schockierte wohl viele Villacherinnen und Villacher: Am Montag, dem 8. April 2019, kam es vor dem Villacher Hauptbahnhof zu einem dramatischen Zwischenfall. Eine auf der Fahrbahn liegende Person setzte sich gegenüber Passanten, die ihr helfen wollten, schreiend zur Wehr. Dann schritt die Polizei ein – die Beamten wollten die 23-jährige Villacherin von der Fahrbahn tragen, doch sie ließ sich immer wieder fallen und versuchte nach den Polizisten zu treten.

Alkoholisierte Frau wollte Leben beenden

Der Hintergrund, warum sich die Frau auf die Fahrbahn legte, birgt Tragik in sich. Eine 16-jährige Villacherin erzählt, was sich dort zugetragen hat: „Ich sah plötzlich eine junge Frau mit zwei grünen Flaschen im Kreisverkehr und sah mit an, dass kein Autofahrer stehen blieb. Ich lief zu ihr hin und versuchte mit ihr zu reden und sie von der Straße zu ziehen, doch ich habe ihr leider nicht aufhelfen können“, so die 16-Jährige gegenüber 5 Minuten. Ihrer Meinung nach war die Dame verzweifelt, wusste nicht was sie tun sollte und versuchte ihr Leben in einem Kreisverkehr zu beenden.

Die 16-Jährige konnte der Frau nicht helfen, da sie erstens nicht alleine stehen konnte und sich zweitens immer wieder fallen ließ. Dabei sagte die alkoholisierte Frau öfters: „Ich will nicht mehr leben, er schlägt mich!“ Die Helferin konnte sie mit ihrer Hilfe und aufmunternden Sätzen von der Straße bekommen, daraufhin setzten sie sich auf eine Bushaltestelle. „Ich sagte zu ihr, sie soll mit mir quatschen und mir alles erzählen. Die Dame wurde jedesmal panisch und fing an zu zittern als ein bestimmter Mann auf sie zukam. Dieser ältere Mann war auch wirklich, sehr verständnisvoll und hörte auf mich, als ich ihm sagte, er sollte sich besser auf die andere Seite setzen und sie bitte nicht mehr angreifen“, erzählt das junge Mädchen.

„Kann mir endlich jemand helfen?“

Es schien, als sei das Gespräch zwischen den zwei Frauen vertrauensvoller geworden, denn die 23-jährige Frau erzählte, dass sie nicht mehr leben wollte, dass sie von ihm geschlagen wird, als sie blaue Flecken zeigte. Noch dazu sei sie schwanger gewesen. Die junge Villacherin erzählt weiter: „Nachdem sie mir gesagt hat, dass sie schwanger ist, fing sie an zu schreien, dass sie Angst hätte. Ich machte ihr klar, dass ihr nichts passieren kann, wenn ich da bin. Wir redeten, sie drehte sich um, sah diesen Mann, schrie und lief auf die Straße.“

Die 16-Jährige? Hinterher. Sie waren beide in Gefahr, ein Autofahrer hätte nur kurz abgelenkt sein können und hätte die zwei angefahren. „Sie schrie, dass sie sterben wollte. Da ich es nicht schaffte sie aufzuheben, verzweifelte ich und schrie laut, ob mir nicht endlich jemand helfen könnte. Die ganze Bushaltestelle war voll mit Menschen und am Bahnhof standen auch sehr, sehr viele. Alles war voll mit Schaulustigen. Ich sah manche an und sie lachten blöd. Lachten sie mich aus? Weil ich ihr eigentlich nur helfen wollte?“

Ernüchterndes „Ja, geh!“ der Polizei

Als ein Jugendlicher und eine Frau vom Ordnungsamt eintrafen, dachte die Jugendliche, dass diese Frau nun alles weitere regeln würde. „Das alkoholisierte Mädchen trat plötzlich das erste Mal um sich herum, schrie nach ihrem Vater und dass sie sterben wollte. Nach einigen Sekunden stand Gott sei Dank die Polizei vor mir“, berichtet sie. Das Mädchen ging zu den Beamten und fragte diese mehrmals, ob sie noch etwas von ihr bräuchten. „Ich wurde nur ignoriert. Bis einer der Polizisten unhöflich sagte „Ja, geh“. Daraufhin ging ich nach Hause. Es dauerte nicht lange, bis meine Tränen wie ein Wasserfall über meine Wangen gelaufen sind. Ich wusste persönlich nicht wie ich damit umgehen soll, mir ging es ganz und gar nicht gut. Die Dame war 23, schwanger, Alkoholikerin und hat ihr Leben auf keinste Weise unter Kontrolle“, so die junge Villacherin.

Nicht jeder schaute weg

„Ich habe am Montag meinen Rundgang gemacht, als ich bemerkte das eine weibliche person im Kreisverkehr lag und die junge Dame ihr helfen wollte“, erklärte die zuvor erwähnte „Frau vom Ordnungsamt„, gegenüber 5-Minuten. Sie bestätigte, dass die Betrunkene zu schlagen und treten anfing, als ein weiterer Jugendlicher helfen wollte. Die Polizisten, die daraufhin eintrafen, trugen die Betrunkene aus dem Gefahrenfeld und versuchten sie zu beruhigen. Auf Höhe der Apotheke wollte sie erneut vor ein fahrendes Auto springen. Die Polizisten konnten das zum Glück verhindern. Dann kamen noch mehr Einsatzkräfte vom Bahnhof zur Hilfe. Nach Aussage der Frau beruhigte sich die Betrunkene jedoch nicht und verhielt sich auch den Polizisten gegenüber aggressiv. „Dann wurde sie abgeführt.“ Die Betrunkene sei, wie die „Frau vom Ordnungsamt“ erklärte, bekannt dafür, dass sie trinkt. „Schwanger ist diese Person angeblich seit mehreren Jahren“, erklärt sie.

Wo bleibt die Zivilcourage in Villach?

Für die 16-Jährige bedeutet Zivilcourage helfen, wo man helfen kann: „Leider versteht fast niemand, wie ernst diese Situation wirklich war, warum man helfen sollte und nicht nur blöd zu lachen. Was wäre gewesen, wenn sie wirklich von einem PKW angefahren worden wäre? Ich könnte mir das nie verzeihen.“ Dass fast niemand geholfen hat und dass seitens Polizei kein Dank kam, schockierte und enttäuschte sie: „Das hat mich wirklich sehr getroffen, kein Verständnis beziehungsweise nicht einmal ein Danke von den Polizisten zu bekommen.“ Durch ihr Eingreifen wurde womöglich Schlimmeres verhindert. In solch einer Situation, wäre jeder auf so eine Hilfe angewiesen, was das Mädchen umso trauriger stimmt: „In mir kommt immer mehr das Gefühl auf, dass mir auch keiner helfen würde, wenn ich einmal in solch einer Situation bin.“
Abschließend appelliert sie an alle Villacher und Autofahrer: „Angemessener wäre, statt zu lachen, zu helfen. Versetzt euch in ihre Situation, stellt euch vor ihr liegt auf der Straße und seid am verzweifeln. Ich bin enttäuscht von euch. Ich wollte nicht ausgelacht werden, sondern nur helfen.
Auch die „Frau vom Ordnungsamt“ hat klare Worte an alle Schaulustigen: „Ich finde es schlimm, dass so viele Leute nur dagestanden sind, geschaut haben und Fotos gemacht haben, anstatt herzukommen und zu helfen. Das ist eigentlich traurig!“
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