Zum Thema:

17.07.2019 - 20:59Sanierungs­offensive in Villach17.07.2019 - 18:59Ein per­fektes Biker-Erlebnis mit Zwei­rad Ginzinger17.07.2019 - 18:21Tankwagen verlor mehrere hundert Liter an Schadstoffen17.07.2019 - 14:47Villach trauert um Rainer Brandauer
Leute - Villach
Debatte
SYMBOLFOTO "Kennt jemand diese © KK

Selbstjustiz okay oder nicht:

Darf man eine „Diebin“ mit Foto auf Facebook posten?

Villach – Eine Villacher Unternehmerin postete vor wenigen Tagen auf Facebook: "Kennt jemand diese nette Dame mit Hund? Ihr hat heute um 17.30 Uhr ein Aschenbecher bei mir im Geschäft gut gefallen. Sie vergaß aber, ihn zu bezahlen. Darf bitte gerne geteilt werden, es gibt auch ein Video auf der Überwachungskamera davon".

 2 Minuten Lesezeit (327 Wörter) | Änderung am 05.05.2019 - 14.02 Uhr

Zum Text fügte sie ein Foto der Frau mit besagtem Aschenbecher und ihrem Hund an. Da die Villacherin, sie betreibt ein kleines Geschäft, dies öffentlich gestellt hat und auch meinte, dass es bitte gerne geteilt werden darf – wollten wir von unserer Community wissen – ist Selbstjustiz auf Facebook okay?

Debatte entbrannt

Daraufhin debattierten auch so mancher User, die einen meinten die Unternehmerin handelt absolut richtig, andere fanden das gar nicht okay. Gerade auf Facebook machen solche Postings schnell die Runde. Innerhalb von einer Stunde war der Post bereits über 50 mal geteilt. Durch das Teilen des Postings sehen hunderte Menschen das Foto der Frau – ist das okay? Wie dem auch sei, das Posting wurde mittlerweile gelöscht. Screenshots davon liegen der Redaktion von 5 Minuten vor, weil sich eine Leserin so darüber ärgerte, dass sie uns diese zugeschickt hat.

„Rate davon ab!“

„Von privater Verbrechensaufklärung mittels Veröffentlichung von Lichtbildern in sozialen Medien kann ich nur abraten. Die Verbrechensaufklärung sollte den Polizeibehörden überlassen werden“, so Rechtsanwalt Hanno Stromberger. „Fotos von Personen dürfen nicht veröffentlicht werden, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzt werden. Grundsätzlich verletzt es die Interessen einer Person, wenn ihr Bildnis veröffentlicht wird. Für private Veröffentlichungen fehlt regelmäßig ein Rechtfertigungsgrund.“

Vorsicht in sozialen Medien

„Ein Veröffentlichung ist dann zulässig, wenn die abgebildete Person zugestimmt hat. Im Gegensatz von privaten Interessen kann im Einzelfall eine Veröffentlichung zulässig sein, wenn ein entsprechendes öffentliches Interesse vorliegt, dann aber auch nicht durch Privatpersonen. Auch Polizeibehörden dürfen Fotos von Personen veröffentlichen, wenn dies beispielsweise der Aufklärung einer Straftat dienen soll. Dieses Recht steht Privatpersonen jedoch nicht zu“, so Stromberger und ergänzt: „Bei Veröffentlichungen in sozialen Medien ist große Vorsicht geboten und sind gewisse Spielregeln einzuhalten. Das Posten von Lichtbildern, Videos und (negativen) Kommentaren kann leicht ein teures gerichtliches Nachspiel für denjenigen haben, der unbedacht postet.“

Diskutiere mit uns auf Facebook über dieses Thema:Direkt zum Beitrag auf 5min-Villach (284 Reaktionen)
Kommentare laden
ANZEIGE