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Leute - Villach
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Der Umwelt zuliebe

„Auf­geben tut man nur einen Brief!“

Villach – Nach einer Verletzung am rechten Arm bekam Marina Lexe keine Therapie von der Krankenkasse mehr finanziert, denn die Diagnose lautete: "Austherapiert". Zu Unrecht, denn ein Hochheben des Armes schaffte sie damals wie heute nicht. Kurze Zeit nach der Absage suchte sie eine Alternative, um zumindest ihre Hand samt Fingern beweglich zu erhalten. Dadurch lernte sie die Liebe zum Nähen kennen. Seitdem näht die umweltbewusste Villacherin ein Einzelstück nach dem anderen: Ihre "Malefin"-Stofftaschen.

 4 Minuten Lesezeit (567 Wörter)

Die aus Villach kommende Marina Lexe näht für ihr Leben gern und hat ihr Hobby zur Leidenschaft gemacht. Sie fertig fast täglich ihre einzigartigen „Malefin“-Stofftaschen an, die auch gleichzeitig ein Statement gegen die Umweltverschmutzung sind. Wir haben mit ihr gesprochen.

Das Nähen mit einer Hand…

… kann man sich nicht wirklich einfach vorstellen. Doch genau das war für Marina eine Art Selbsttherapie, als sie vor zweieinhalb Jahren keine Therapie mehr für ihren rechten Arm finanziert bekam. „Gelautet hat die Absage: Austherapiert„. Ein paradoxer Befund, wenn man ihrer Geschichte weiter zuhört: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie ich mir selbst helfen kann. Und vor allem, wie ich das letzte Stück meines Armes, das Handgelenk samt Fingern, mobil erhalten kann. Den ganzen Arm hochzuheben, das geht nicht mehr“, erzählt Marina.

„Aufgeben tut man nur einen Brief!“

Doch sie fand einen Weg für sich, das Beste aus der Situation herauszuholen: „Nach einigen Monaten entdeckte ich das Nähen für mich. Jede Person, der ich das erzählte, sagte: „Das kannst du nicht.“ Doch alles auszuprobieren war immer noch besser als gar keine Therapie. Kurze Zeit später stand Marina schon in ihrer Küche, vor ihr: eine Nähmaschine. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung wie man so ein Gerät überhaupt bedient: „Ich hatte null Ahnung! Ich muss sagen, für mich gab es nie ein „Aufgeben“. In keiner noch so schweren Situation. Aufgeben tut man nur einen Brief – das ist ein Spruch meiner Familie.“

Also zerlegte sie die Maschine in alle Einzelteile, setzte sie wieder zusammen, versuchte Hebel und Tasten zu betätigen – und all das mit nur einer Hand. „Das ist gar nicht so leicht gewesen. Schritt für Schritt bin ich immer geschickter geworden. Fädle mal mit der linken Hand ein, lege den Unterfaden ein, neuspulen. Normalerweise ist das nichts Schweres. Ich habe mir selbst viele Tricks ausgedacht. Ich habe so lange geübt, bis ich niemanden mehr an meiner Seite als Hilfe benötigte“, so die Erfinderin von „Malefin“.

Stoff statt Plastik

Wie man mittlerweile sieht, haben ihre Arbeit, ihr Mut und ihr Durchhaltevermögen Früchte getragen. Jedes ihrer Täschchen, für den Einkauf, Alltag oder spezielle Veranstaltungen, ist ein Unikat. Sie fertigt auch originelle Besteckservietten an, keines ist wie das andere. Ihre Stücke lassen sich käuflich erwerben, aber auch bei Charity-Veranstaltungen oder Aktionen im Altenheim hat sie ihre Taschen für Basare bereits zur Verfügung gestellt. Was machen ihre süßen Taschen besonders? Mit „Stoff statt Plastik“ setzt Marina ein deutliches Zeichen gegen die Umweltverschmutzung: „Das Thema bewegt mich schon lange. Als ich im TV diesen Mist in unseren Ozeanen sah, der bis zum Grund zum Liegen kam, schrillten die Alarmglocken. Daraufhin habe ich systematisch meinen Haushalt und den Garten durchforstet. Wow, da blieb mir erst mein Mund offen. Ich war entsetzt. Ich wusste nicht, wie viele Plastiktaschen und Plastikflaschen ich zu Hause hatte. Ich habe alles beim städtischen Müll entsorgt, habe Hausmittel aus Großmutters Zeiten selbst gemacht und angewendet.“

Die mit dem roten Knopf

Ihre ausgefallenen, bunten Taschen haben mittlerweile auch Wiedererkennungswert: Ein roter Knopf. Die Taschen tragen übrigens den Namen „Malefin“, welcher sich aus dem Mädchennamen ihrer Großmutter zusammensetzt – ein schönes Andenken, wie wir finden.
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