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An Schülerin via WhatsApp

Lehrer: „Hab mir das gut vorgestellt! […] also oben ohne…“

Villach – Klingt wie ein alltäglicher Flirt? Das mag sein. Was jedoch verstörend wirkt, ist, wer als Nachrichten-Absender agiert und wer dabei Empfänger ist. Eine ausgiebige Recherche war notwendig, die schlussendlich zeigte: Ein Lehrer einer höheren Villacher Schule verschickte solche Nachrichten an Schülerinnen. Per WhatsApp. 

 11 Minuten Lesezeit (1399 Wörter) | Änderung am 19.06.2019 - 22.11 Uhr

Schnell ergänzt er jedoch im selben WhatsApp-Chat ein paar Minuten später: „…Sorry – bitte verzeih mir … der Mann ist in mir durchgekommen…“ Der Professor, älter und schon länger im Lehrberuf tätig, versteht sich mit seinen Schülern und Schülerinnen gut. So gut, dass scheinbar Grenzen verschwommen sind. Von seiner Seite aus, so erscheint es zumindest, wenn die Nachrichten genauer analysiert werden. Keine Frage, dass sich Lehrer und Schüler gut mit einander verstehen möchten, dagegen sei nichts einzuwenden. Aber welches Verhalten geht zwischen Lehrer und Schülerinnen wie in diesem Fall moralisch zu weit?

Mehrere Mädchen betroffen

Die Mädchen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Strafrechtlich sind diese Nachrichten also irrelevant. Fragen eines Lehrers an die Schülerin, wie: „Bist schon im Pyjama?“ und die Antwort der Schülerin „Sia“, sind schon ungewöhnlich. Wenn er dann noch antwortet: „Traus mich ja nicht sagen, aber das würd ich ECHT GERN sehen!!!“, geht das zu weit. Von einem gesunden Lehrer-Schüler-Verhältnis kann hier keine Rede sein. Extremer geht es beim Beispiel der Titelzeile unseres Beitrages zu: (*Die Zitate wurden exakt übernommen, Emoticons (Smileys) nicht).

Lehrer: „Du Arme! Wie geht’s deinem Sonnenbrand?“

Schülerin: „Ja es geht… tut immer noch etwas weh.“

Lehrer: „Es hat mir zwar optisch schon gefallen, aber das glaub ich dir, dass es schmerzhaft ist! Bist du zu lange am Balkon gelegen?“

Schülerin: „Ja auf der Terrasse hab nicht gedacht dass die Sonne schon so stark ist.“

Lehrer: „Hüllenlos verbrannt, oder?“

Schülerin: „Fast nit ganz.“

Lehrer: „Sorry, dass i so intim nachgefragt hab… Hab mir das gut vorgestellt. Nit ganz… also oben ohne…“

Schülerin: „Nana hab schon a t-shirt anghabt.“

Lehrer: „Ah ok… sonst wären ja die 2 echt arm dran gewesen! A T-Shirt kann aber nit sein… wo du dich überall verbrannt hast!“

Da die Konversation in diesem Fall von Anfang bis zum Schluss vorliegt, wurden die Textpassagen auch aus keinem Kontext gerissen. Weitere Screenshots von WhatsApp-Chats wurden der Redaktion von 5 Minuten Villach zugespielt: In einem anderen Chat fragte er eine Schülerin nach einem Foto im Pyjama. Sie reagierte jedoch nicht auf seine Bitte. Weiteres schickte er den Mädchen Fotos von ihren Social-Media Profilen zu und schrieb beispielsweise „Pfoahhh!!!“. Betroffen waren in etwa sechs bis sieben Mädchen, wie der Lehrer selbst zugibt.

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Screenshots vom Chatverlauf mit dem Lehrer (seine Zeilen sind weiß unterlegt, das Mädchen in Grün).

Screenshots vom Chatverlauf mit dem Lehrer (seine Zeilen sind weiß unterlegt, das Mädchen in Grün). - © KK

Direktor reagierte ablehnend

Als das Rechercheteam den verantwortlichen Schuldirektor mit diesen Nachrichten von einem seiner Lehrer konfrontierte, reagierte dieser ablehnend auf 5 Minuten und meinte, es wäre eine Frechheit, über so etwas zu berichten. Er wünschte sich, dass 5 Minuten den Beitrag nicht veröffentlicht. Zur eigentlichen Frage, ob die Situation bekannt sei, äußerte er sich lediglich wie folgt: „Der Fall wurde damals behandelt und Sofortmaßnahmen wurden getroffen. Der Lehrer wurde unverzüglich der Klasse verwiesen, und ihm wurde gehörig der Kopf gewaschen. Bis dato gab es keine weiteren Vorfälle, die mir bekannt wären.“ Welche Rolle die Direktion der Schule bei diesem Fall inne hatte, ist bis dato ungeklärt.

Die Vorfälle waren bekannt

Transparenter gab sich Dr. Robert Klinglmair, Bildungsdirektor (der Bildungsdirektion Kärnten) auf die Anfrage von 5 Minuten: „Durch die Information eines Redakteurs von „5 min Villach“ wurde der Bildungsdirektion für Kärnten am 13. Juni 2019 ein angebliches Fehlverhalten eines Lehrers zur Kenntnis gebracht. Seitens der Bildungsdirektion für Kärnten wurde dieser Information umgehend nachgegangen und die entsprechenden Stellungnahmen auf dem Dienstweg eingeholt. Der betroffenen Schule war der gegenständliche Vorfall – wie auch der Bildungsdirektion für Kärnten – bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.“ Wie ist der Direktor der Schulde damit umgegangen? Aus der Stellungnahme der Bildungsdirektion heißt es weiter: „Als Vertreter der Dienstbehörde – in Eigenverantwortung als Reaktion auf die Geschehnisse [wurde er] von seiner Lehrtätigkeit in der Klasse der betroffenen Schülerin [befreit]. Danach sei nach Angaben des […] Schulleiters kein weiteres Fehlverhalten mehr bekannt geworden und [es] hat sich die Situation aus Sicht des Schulleiters beruhigt.“

„Solche Vorfälle haben in unseren Schulen nichts verloren!“

Seitens der Bildungsdirektion wurde noch am 13. Juni 2019 eine schriftliche Stellungnahme des betroffenen Lehrers eingefordert sowie zudem die Leiterin der Schulpsychologie ersucht, eine fachliche Einschätzung zu dieser Causa zu erstellen. „Zu diesem Zweck wird es zu weiteren Untersuchungen sowie einer Vorladung der betroffenen Person kommen, um im Rahmen eines persönlichen Gesprächs weitere Informationen zum Sachverhalt zu erhalten. Erst nach einer abschließenden Klärung und Beurteilung der konkreten Umstände sind weitere Schritte der Bildungsdirektion für Kärnten möglich. Es ist jedoch unzweifelhaft, dass jedwedes Fehlverhalten in dieser Richtung entsprechend der gesetzlichen Möglichkeiten geahndet wird und hier eine Nulltoleranzpolitik in unseren Schulen verfolgt wird. Solche Vorfälle haben in unseren Schulen nichts verloren.“ Wie kam das Verhalten des Lehrers ans Licht? Es wurde eine Gruppe gebildet, die dann geschlossen gegen den Lehrer vorging. Für den Lehrer gilt die Unschuldsvermutung.

Der Pädagoge im Interview: „Mir tut das Geschehene unendlich leid!“

Was hat Sie veranlasst, ihre Schülerinnen via WhatsApp anzuschreiben?

„Aufgrund des Umstandes, dass all meine SchülerInnen meine Nummer aus den Klassenchats haben, hat sich in den letzten Jahren zum Teil auch ein privater Chataustausch ergeben. Dies ist im Wesentlichen entstanden, weil immer wieder Anfragen von SchülerInnen wegen schulischer Probleme und Themen (wie Schularbeiten, Vertretungsstunden, Notenanfragen und dgl.) und auch sehr persönlichen Themen (Schwierigkeiten in der Klasse, Krankheit, familiäre Probleme) über diese Kommunikationsform eintrafen und „besprochen“ wurden. In weiterer Folge wurden immer mehr Bereiche thematisiert, zudem die Wortwahl immer privater und so habe ich sicherlich die Grenze übersehen, wann das Lehrer-/Schülerverhältnis überschritten worden ist. Es ist heutzutage durchaus üblich, dass Lehrer zu Klassenchats hinzugefügt werden.“ 

Wenn eine betroffene Schülerin „abgeblockt oder nicht zurückgeschrieben“ hat, haben Sie dann weiteren Chatkontakt mit ihr gesucht oder weitere Nachrichten unterlassen?

„Es war nie meine Absicht, Schülerinnen zu bedrängen und es ist mir bewusst, dass die vorliegenden Nachrichten moralisch nicht vertretbar sind. Aus diesem Grund habe ich mich zu der damaligen Zeit auch ausdrücklich bei den Schülerinnen entschuldigt. Seit diesem Zeitpunkt vermeide ich jeglichen persönlichen Austausch mit Schülerinnen über derartige Whatsapp-Gruppen und nutze seither diese Klassenchats nur mehr für rein berufliche, schulische Informationen.“

Finden Sie es normal, dass Sie als Lehrer ein Foto im Pyjama an eine Schülerin verschickt haben?

„Nein, es ist nicht normal und absolut nicht ok. Wie bereits mitgeteilt, ist der gesamte Chatverlauf völlig unangemessen und mir zutiefst unangenehm. Ich wollte mit den Nachrichten keinesfalls Schülerinnen zu nahe treten und habe ihnen dies auch zum damaligen Zeitpunkt erklärt und mich entschuldigt.“

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Sie, wie hat die Direktion der Schule reagiert?

„Nach Bekanntwerden der Vorwürfe, wurde gemeinsam mit dem Schuldirektor eine unmittelbare Lösung gesucht und es hat ein Gespräch mit den Schülerinnen stattgefunden. Ich habe daraufhin die Klasse sofort abgegeben und in dieser nicht mehr unterrichtet. Screenshots vom Whatsapp-Verlauf wurden der Schulleitung übergeben.“

Tut Ihnen das Geschehene leid?

„Mir tut das Geschehene unendlich leid. Nur allzu gerne würde ich diese Sache rückgängig machen können und mir ist es auch zu tiefst peinlich, dass ich solche Nachrichten je geschickt habe. Ich habe aus diesem Vorfall gelernt. Ich habe verstanden, dass es klare Grenzen zwischen Schülern und Lehrern braucht und werde mich in Zukunft daran halten. Ich kontaktiere Schülerinnen seitdem weder über Whatsapp noch über andere Kommunikationsformen in privaten Angelegenheiten.“

Gab es zwischen Ihnen und den betroffenen Schülerinnen nach Aufkommen der Affäre weiteren Chat-Kontakt?

„Der Vorfall hat sich vor über einem Jahr ereignet und seither hat es keinerlei private Kontaktaufnahmen, weder zu den damals betroffenen Schülerinnen noch zu anderen SchülerInnen, gegeben. Whatsapp wird seither von mir ausschließlich für schulische Informationen genutzt. Allerdings ist es unvermeidbar, dass mich SchülerInnen über dieses Medium immer wieder kontaktieren, um Informationen, wie z.B. über Schularbeitenstoff, – Rückgabe, Skikurs und dgl., zu erhalten.“

Anmerkung der Redaktion: Sämtliche Chatverläufe wurden von unserer Grafik nachbearbeitet, sodass ein Rückschluss auf eine Schülerin, wie auch den betroffenen Lehrer nicht nachvollziehbar ist. Die dargestellten Abbildungen sind Screenshots aus den jeweiligen Chatverläufen und liegen im Original vor.
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