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Leute - Kärnten
Die Situation an manchen Kärntner Schulen ist für viele Schülerinnen und Schüler kaum zu ertragen.
Die Situation an manchen Kärntner Schulen ist für viele Schülerinnen und Schüler kaum zu ertragen. © pixabay.com

Mobbing an Kärntner Schulen:

„Gewalt stand für mich an der Tagesordnung“

Kärtnen – Mobbing an Kärntner Schulen ist leider keine Seltenheit. Das beweisen auch die zwei Schicksale von Schülerinnen, die sich an uns gewandt haben und damit für zahlreiche Reaktionen bei unseren Lesern sorgten. Zwei weitere Schülerinnen meldeten sich daraufhin bei uns. Auch ihre Geschichten möchten wir euch nicht vorenthalten.

 5 Minuten Lesezeit (698 Wörter)

Das Thema „Mobbing an Kärntner Schulen“ ist weiter verbreitet, als viele vielleicht glauben. Immer mehr Schülerinnen und Schüler melden sich bei uns und erzählen besorgniserregende Geschichten von ihren Erfahrungen an den Schulen in der Region. Zwei Schicksale von Schülerinnen haben wir bereits auf unserer Seite veröffentlicht.

Welle an Reaktionen

Die Welle an Mitgefühl in den Kommentaren war groß. Die Forderung, betroffene Lehrer und Direktoren zur Verantwortung zu ziehen wird von vielen Seiten geäußert. Andere fühlen sich durch die Berichterstattung dazu motiviert, ihr eigenes Schicksal mit der Öffentlichkeit zu teilen und dadurch noch stärker auf die Situation an Kärntner Schulen aufmerksam zu machen. So auch zwei Schülerinnen, die sich vor Kurzem bei uns gemeldet haben. Ihre Erzählungen wollen wir euch nicht vorenthalten und veröffentlichen sie in Form von zwei Leserbriefen:

#Leserbrief: „Das ist Mobbing von Beeinträchtigten auf unterstem Niveau!“

„Die Geschichte der Schülerin, die gemobbt wurde, hat mich an meine Eigene erinnert. Ich hatte ein Schuljahr, das ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Anfang September 2018 wurde bei mir im Klinikum Klagenfurt die Augenerkrankung Morbus Stargardt diagnostiziert, ich habe auf meinem rechten Auge nur noch 20% Sehleistung und links 60%.

Trotz der mehrmaligen Gespräche mit Lehrern und dem Direktor nahm niemand Rücksicht. Ich musste mir täglich Meldungen von Lehrern anhören wie zum Beispiel: „Es ist schon Traurig, wenn man in deinem Alter noch nicht lesen kann“, oder: „Wenn ich du wäre, würde ich nicht weiter Schule gehen, immerhin kannst du nichtmal lesen.“ Daraufhin baten meine Eltern alle Lehrer, die Zettel im Unterricht sowie bei den Tests und Schularbeiten größer auszudrucken, doch dies war anscheinend zu viel verlangt, denn selbst nach Rücksprache mit dem Direktor der Schule, kam keine Unterstützung seitens der Lehrer. Wenn ich einem Lehrer sagte, dass ich etwas nicht lesen kann, sagte man mir nur, ich solle mich nicht so anstellen.

Ich konnte in gewissen Gegenständen gar nicht mehr mitarbeiten, da ich weder die Arbeitszettel, noch das Geschriebene auf der Tafel lesen konnte. Dies war den Lehrern egal, sie machten sich drüber lustig und gaben mir teilweise eine schlechtere Note wegen fehlender Mitarbeit. Als endlich die ersten Lehrer anfingen, wenigstens meine Schularbeiten größer auszudrucken, hatten sie natürlich wieder etwas zu lachen. Eine Lehrerin hat die Schularbeit auf einen A3-Zettel gedruckt und nur gemeint: “Hier hast du deine Zeitung“. Das sind nur ein paar Beispiele davon, was ich mir täglich anhören muss. Meiner Meinung nach ist dies Mobbing von Beeinträchtigten auf unterstem Niveau.“

#Leserbrief: „Immer wieder wurde die Schuld bei mir gesucht!“

„Ich selbst war seit der ersten Klasse Volksschule von Mobbing betroffen. Richtig schlimm wurde das ganze schließlich im Gymnasium. Physische und psychische Gewalt standen für mich von September 2010 bis November 2012 an der Tagesordnung. Büschelweise wurden mir beispielsweise im Turnunterricht die Haare ausgerissen, beim Ballspielen wurde ich so getreten dass mein Schienbein noch Wochen später grün und blau war.

Für meine Lehrpersonen, insbesondere aber für meinen Klassenvorstand, war Mobbing nicht existent. Immer wieder wurde die Schuld bei mir gesucht. Mir wurde nie geholfen. Meine Eltern haben über die gesamte Zeit versucht, alles Mögliche zu tun, um meine Situation zu verbessern, bis hin zu einem Kontaktversuch mit dem zuständigen Ministerium.

Ich musste schließlich die Schule wechseln. Von einer Professorin wurde mir am letzten Tag noch gesagt, dass ich ohnehin nie in die Klasse gepasst hätte.

Mobbing ist KEIN Kavaliersdelikt und das sollte jedem klar sein und auch klargemacht werden! Das mir Wiederfahrene verfolgt mich bis heute und muss auch noch immer intensiv aufgearbeitet werden.“

#Frage: Was kann getan werden?

Auch wir von 5-Minuten sind der klaren Meinung, dass Mobbing kein Kavaliersdelikt ist. Wir möchten uns für die Offenheit vieler unserer Leser bedanken und hoffen, mit der Veröffentlichung ihrer Schicksale etwas zur Verbesserung an der Situation in Kärntner Schulen beitragen zu können. Was meint ihr? Welche Schritte müssten ergriffen werden, um Schicksale wie die von den jungen Leserinnen in Zukunft zu vermeiden? Schreibt es in die Kommentare unter diesen Beitrag.

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