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Überforderte Tierhalter:

Tragisch: Wenn Tiere aus­gesetzt werden

Kärnten – Vor wenigen Tagen wurde im Silbersee Schildkröten entdeckt, wir haben berichtet. Wie nun bekannt wurde, handelt es sich vermutlich um ausgesetzte oder entlaufene Schmuckschildkröten, die bei uns nicht heimisch sind. Wir haben mit Experten über dieses Thema gesprochen.

 4 Minuten Lesezeit (551 Wörter) | Änderung am 29.07.2019 - 19.45 Uhr

Das ist wohl doch alles andere als herzig: Die im Silbersee gesichteten Schildkröten sind vermutlich ausgesetzte oder entlaufende Tiere. Vor Kurzem erreichte uns dazu eine Mail der Tierschützerin Claudia Kaltenegger (von Schildkröte entlaufen vermisst gefunden). Laut ihr handelt es sich um entlaufene oder ausgesetzte Schmuckschildkröten, die sich im Silbersee tummeln.

Schmuckschildkröten haben keine natürlichen Feinde

Gegenüber 5 Minuten erklärt Expertin Helga Happ: „Hierbei handelt es sich um eine amerikanische Tierart.“ Wie Happ erläutert, kommt es immer wieder vor, dass Schmuckschildkröten ausgesetzt werden. „Sobald die Tiere zu groß für das Aquarium sind, werden sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion weggebracht.“ Dies ist allerdings streng verboten. „Schmuckschildkröten haben bei uns keine natürlichen Feinde und sind schädlich für die Kärntner Tierwelt“, betont Happ. Die Schildkröten fressen, laut der Expertin, Kaulquappen, Frösche und viele weitere geschützte Tierarten. Auch der Winter sei für die Schildkrötenart kein Problem: „Die Tiere haben ein natürliches Frostschutzmittel im Blut.“

Auch der Sport- und Zuchtfischereiverein Villach bestätigt gegenüber 5 Minuten: „Im Silbersee werden immer wieder Tiere ausgesetzt.“ Neben den Schildkröten ist auch der Sonnenbarsch dort beheimatet. „Das Tier wurde vor Jahren im Maibachl ausgesetzt und hat sich schnell an die Gegebenheiten und Temperaturen angepasst hat“, so Anja Moser, Schriftführerin des SZF-Villach.

Jährlich mehr als 300 Fundtiere

Aber nicht nur beim Silbersee werden die Exoten ausgesetzt. Happ bestätigt: „Jedes Jahr kümmern wir uns um mehr als 300 Fundtiere.“ Diese werden teilweise direkt zum Zoo gebracht oder von den Experten aufgesammelt. So auch heute, am 29. Juli 2019, beim Tiergarten Eden. Wie Happ erklärt wurde dort eine zwei Meter lange Boa Constirctor gefunden. „Die Leiterin des Tierheims, Heidi Lepuschitz, hat bei ihrer üblichen Kontrollrunde eine Box vor dem Tierheim entdeckt“, erläutert uns Happ. Bei dem Versuch sie zu öffnen habe die Tierfreundin, laut Happ, einen Windzug gehört. Als sie die Riesenschlange entdeckte, alarmierte sie sofort den Reptilienzoo.

„Wir haben das Tier daraufhin geborgen und artgerecht untergebracht“, erzählt uns die Expertin für Reptilien. Auf Nachfrage bestätigt uns Happ: „Der Schlange geht es gut. Allerdings ist sie derzeit noch sehr aggressiv.“

Eigene Auffangstation im Reptilienzoo

Weder Frau Happ noch der Fischereiverein verstehen, warum so mit den Tieren umgegangen wird. „Es ist schade, dass nach wie vor Tiere in freier Wildbahn ausgesetzt werden, ohne über die Folgen nachzudenken“, so der Verein. Happ erklärt: „Solltet ihr ein exotisches Tier finden, dann fasst es auf keinen Fall an, haltet Abstand und ruft die Notrufnummer des Reptilienzoo Happ, die Polizei oder die Feuerwehr an. Wir kommen das Tier dann abholen.“ Der Tiere zuliebe wurde im Zoo eine eigene Auffangstation eingerichtet.

Bevor es zu Tierleid kommt

Auch der Kärntner Tierschutzverein Villach appelliert an die Bevölkerung, sich vor der Anschaffung eines Tieres die persönliche Situation genau anzusehen. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass Platz, Zeit oder die finanziellen Möglichkeiten es nicht mehr zulassen, Haus- oder Nutztiere selber zu betreuen. Zudem empfehlen die Tierliebhaber sich gleich vertraulich an die Tierschutzvereine zu wenden, bevor es zu einem Tierleid kommt. Diese können zwar situationsbedingt nicht immer alle Tiere aufnehmen, stellen aber eine Erstversorgung sicher, und helfen danach gerne, die Tiere zu vermitteln.

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