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Leute - Villach
Samir links oben umringt von Freunden. In Villach hat er seine Heimat gefunden
Samir links oben umringt von Freunden. In Villach hat er seine Heimat gefunden © KK

Weil du aussiehst, wie du aussiehst...

Verzweifelt: „Unser Freund reist in den Tod!“

Villach – Große Betroffenheit herrscht derzeit bei der Villacher "Heldenschmiede". Auch wir von 5 Minuten wurden von LeserInnen mehrmals auf die Situation des jungen Mannes aufmerksam gemacht. Er sitzt zu Hause - in Villach - und wartet täglich darauf, dass ihn die Polizei abholt. Sein täglicher Begleiter: Angst. 5 Minuten über eine Geschichte, die das Leben täglich schreibt.

 4 Minuten Lesezeit (502 Wörter) | Änderung am 08.08.2019 - 22.01 Uhr

Auch wenn der eine oder andere behaupten wird, das stimmt doch alles so nicht ganz und wir rechnen auch mit Kommentaren auf unserer Seite wie „Abschieben“. Wir schreiben diese Geschichte und erzählen euch von Samir, ein Wunsch-Villacher mit afghanischen Wurzeln. Und denken daran: Was wenn das alles genauso eintreten wird? Wer möchte da schon über Leben und Tod entscheiden müssen.

Todesurteil

Jeden Tag dieser Blick zur Tür. Es ist fix: Samir wird aus Österreich abgeschoben. Er lebte seit fünf Jahren in Österreich.. Seine Freunde kämpften bis zum Schluss für ihn. Vergeblich. Nun wartet er jeden Tag darauf, dass es an der Tür läutet und die Polizei ihn abholt. Er soll nach Afghanistan zurück. Sein Freund Sunny Clayton, Villach bekanntester Sprayer und Chef der Villacher „Heldenschmiede“ bringt es wie folgt auf den Punkt: „Mein Freund Samir ist Hazare und durch sein Aussehen wird er sofort als solcher erkannt. Zurück in der Heimat hat er also zwei Möglichkeiten: Entweder er wird erschossen oder er dient dem Taliban. Er kann, wie wir alle, sein Aussehen nicht verbergen. Es ist sein Todesurteil, denn er wird für die Taliban nicht kämpfen.“

Nachts, um 3 Uhr

„Nachts um 3 Uhr kamen die Taliban um mir den Terrorkampf aufzuzwingen.“ Mein Vater hat mich geweckt und hinten aus dem Fenster geschleust.“ Seitdem hat er seine Familie nie wieder gesehen. Samir ist gelernter Schneider und wollte nie in den Krieg. Er musste fliehen, ansonsten hatten ihn die Taliban getötet, erzählt er. „Nun soll er nach Masar-e Scharif, wo er angeblich sicher wäre. So sagt es das Gericht und glaubt nicht daran, dass er als Hazare sofort identifiziert wird. Ein Aufenthalt in Afghanistan kann ihn bereits nach wenigen Stunden zum Verhängnis werden, da er seine Herkunft nicht verbergen kann.“ (Recherchen bestätigen die Gefahr von Hazaren).

Weil du aussiehst, wie du aussiehst…

Samir spricht beinahe fließend Deutsch, half seinen Freunden wo es ging, machte Schnupperwochen bei Kärntner Betrieben (eine Arbeitsstelle ist im laufenden Verfahren nicht erlaubt) hat auf Grund seiner netten und vorbildlichen Art ein Jobangebot als Bäcker einer bekannten Kärntner Firma bekommen und trainiert junge Afghanen dahingehend, wie sie sich in Österreich verhalten sollen. „Er hat sich innerhalb kürzester Zeit an die westliche Lebens- und Denkweise angepasst. Samir arbeitete täglich daran umzudenken und lebte ganz gleich wie wir. “ Auch sportlich ist er erfolgreich unterwegs, demnächst hätte er zur Europameisterschaft im „Muay Thai“ antreten sollen. Alle Anträge wurden abgewiesen. Das obwohl 13 Schüler der Heldenschmiede innerhalb von 48 Stunden über 2.600 Euro sammelten, um Samir rechtlichen Beistand zu ermöglichen. Ergebnislos.

Hilferuf

Über die Asyl-Debatte haben viele Menschen so einiges zu sagen. Natürlich, das Ganze hat immer mehrere Seiten. „Aber fragt mal Samir. Unser Freund wird sterben, davon gehen wir aus. Kann uns denn niemand helfen? Die Verzweiflung ist groß. Samir wartet zu Hause bis es läutet. Die Angst vor dem Tod ist ihm ins Gesicht geschrieben…“

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