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Leute - Villach
Kleo in ihrem Gehege.
Kleo in ihrem Gehege. © KK

Eine Raubkatze im Garten:

Vergessene Legende: Die erste und letzte Löwin Villachs

Villach – Habt ihr vielleicht schon einmal etwas von der Villacher Löwin gehört? Das Gerücht, dass es einmal eine Löwin in Villach gab. Denkt ihr, es handelt sich um eine alte Volkssage? Nein, die Villacher Löwin gab es wirklich und das ist ihre Geschichte.

 7 Minuten Lesezeit (927 Wörter)

Viele von euch werden sich jetzt fragen, was meinen wir mit Löwin? Etwa einen echten Löwen? Tatsächlich handelt es sich bei der besagten Löwin, um eine waschechte Löwin wie sie im Tierlexikon zu finden ist! Zwischen den Jahren 1994 und 2002 lebte eine echte Löwin in der Stadt Villach, in der St. Magdalener Straße. Wir haben ihre Besitzerin getroffen, um ihre wahre Geschichte zu erfahren.

Wo kam die Löwin her?

Die Adoptivmutter der Löwin, Patricia Tosin, ist gebürtige Villacherin und liebte schon seit ihrer Kindheit alles was „Kreucht und Fleucht“, sprich, sie hatte schon immer ein Riesenherz für Tiere. Im Jahr 1994 wurden im damaligen privaten Tierpark Diana im Maltatal, zwei Löwenbabys geboren. Tosin, die eine enge Beziehung zum Tierpark pflegte, wurde um Hilfe gebeten, als eine Löwenmutter ihre Löwenbabys nicht annahm und sogar eines der Babys totgebissen wurde. Gemeinsam wurde nach einem passenden Platz für das übrige Junge gesucht, denn der Tierpark im Familienbetrieb, hatte keine Kapazität für die aufwendige Aufzucht des Löwenbabys. Als sich kein Platz finden ließ, damals gab es keine Löwen im Tierpark Schönbrunn und die Jaguare hatten keinen Nachwuchs, entschieden sich die Zoo-Betreiber das kleine Löwenjunge „loszuwerden“. Doch Tosin konnte das nicht zulassen. „Ich hielt den kleinen Wurm in meinen Händen. Sie schleckte mir die Nase ab und da dachte ich, nein, dass die Kleine getötet wird, das geht gar nicht. Ich nehme sie einfach mit!“, erinnert sich Frau Tosin noch gut an jenen Tag und lächelt.

Ein Freund für die Löwin

„Es war keine Langeweile- oder Jux-Aktion, sondern eine Tierrettung in letzter Minute. Eine schnelle Entscheidung musste getroffen werden“, so Tosin. Und so kam es, dass das 6 Wochen-alte Löwenbaby Kleopatra ins Haus Tosin einzog. Die Aufzucht war anstrengend und zeitintensiv. Alle 2 Stunden musste gefüttert werden, danach der Bauch massiert, und danach der Hintern massiert werden. Unterstützung bekamen sie in jener Zeit vom Kurator für Säugetiere Dr. Kurt Kohler, vom Tierpark Schönbrunn. Das Problem: der Löwe ist ein Rudeltier. Ihn allein zu halten wäre nicht in Ordnung gewesen. Wie der Kurator vorschlug, holte sich Tosin einen Hundewelpen, der einmal sehr groß werden würde. „Es war gar nicht leicht, so schnell einen Hund zu finden“, lacht Tosin. „Wir haben alle Fahrer vom eigenen Transportunternehmen für die Suche ausgeschickt und schließlich wurden sie fündig.“ Das Hundebaby Cäsar wurde dem Löwenbaby vorgestellt und von diesem Zeitpunkt an waren die beiden ein unzertrennliches Team.

Nachbarn sammelten über 5000 Stimmen für die Löwin

Für das Löwengehege wurde ein 50 Quadratmeter großes Gebäude mit Fußbodenheizung neben dem Haus errichtet. Gemeinsam mit einem großen Außengehege mit Panzerglas von ein paar Hundert Quadratmetern, sollte es das neue Zuhause für Kleopatra und Cäsar werden. Als das Gehege gebaut war, wurden die Nachbarn alle eingeladen, um sich das Gehege anzuschauen und die Löwin kennen zu lernen. Sofort hatten alle die Löwin in ihr Herz geschlossen. In Österreich gibt es keine private Raubtierhaltung, deshalb hatte Tosin für Kleopatra einen Gewerbeschein. Trotzdem war es nicht immer leicht, denn das Außengehege bekam keine Genehmigung. Nachdem der gesamte Rechtsweg ausgeschöpft war und Nachbarn in Villach über 5000 Stimmen gesammelt hatten, drohte das Magistrat dennoch mit Abriss. Als es fast keine Hoffnung mehr gab, halfen der Löwin ein Auftritt in der Fernsehshow „der Volksanwalt“ und der damalige Vizebürgermeister von Villach Lang, der seine Unterstützung offen aussprach. Und tatsächlich wurde das Außengehege nachträglich genehmigt.

Die Löwin war nie allein

Täglich begrüßte die Löwin morgens mit lautem Gebrüll ihre Adoptivmutter, wenn sie das Licht im Badezimmer anmachte, welches Richtung Löwengehege gelegen war. Auch die Nachbarn warteten morgens gespannt auf Kleos lautes Gebrüll. Da Tosin ihr Büro im Haus hatte, konnte sie in jeder freien Minute die Löwin besuchen gehen. Kleo liebte es zu knuddeln und zu kuscheln. Im Laufe der Jahre aber, wurde der geliebte Spielgefährte der Löwin, Hund Cäsar, mit 8 Jahren langsam älter und schwächer. Tosin errinnert sich: „Das hatten wir nicht  bedacht, dass der Hund später nicht mehr so fit sein wird. Dann wussten wir, es kommt ein großes Problem auf uns zu.“

Ein neues Zuhause

Gesucht und fündig geworden. In Oberösterreich, in einem Tierpark gab es einen einzelnen männlichen Löwen. Gemeinsam mit dem Direktor des Zoos starteten sie den Versuch. Kleopatra gefiel das Löwenmännchen auf Anhieb sehr gut und so blieb sie im Tierpark. Die Löwin ist allerdings nie dem Tierpark geschenkt oder verkauft worden, wie in Medien oft falsch berichtet wurde. Sie war immer in Tosins Besitz. Bis zum Tod der Löwin mit circa 17 Jahren, war Tosin ohne Unterbrechung, regelmäßig, zu ihrer Löwin gefahren. Hatte sogar zeitweise einen Zweitwohnsitz in der Nähe des Tierparks. Auch heute noch sieht man ein Strahlen in Tosins Augen, wenn sie von ihrer Löwin erzählt. „Es war die schönste Zeit in meinem Leben, wir haben Kleo über alles geliebt“, schwärmte sie. Auch die zahlreichen Nachbarn und Besucher, die die menschenfreundliche Löwin kennen gelernt hatten, werden sie mit Sicherheit nie vergessen. Die erste und vermutlich letzte Löwin Villachs.

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