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Debatte
Die Feffernitzerin hätte vor der Ankunft ihres Busses noch gerne ein einzelne Zigarette geraucht und versuchte ihr Glück in einem Café in der Nähe.
SYMBOLFOTO Die Feffernitzerin hätte vor der Ankunft ihres Busses noch gerne ein einzelne Zigarette geraucht und versuchte ihr Glück in einem Café in der Nähe. © pixabay | markusspiske

Angespannte Situation am Busbahnhof:

„Ich fühlte mich ungerecht behandelt und hilflos!“

Villach – Wut, Hass und frustration im Alltag. Kürzlich berichteten wir von genervten Autofahrern. Nun, wie es einem ergehen kann, wenn man höflich nach einer Zigarette fragt. Beim Warten auf den Bus kam eine 22-jährige Köchin aus Feffernitz vor kurzem nämlich in eine sehr unangenehme Situation. Was nervt euch im Alltag am meisten?

 5 Minuten Lesezeit (652 Wörter) | Änderung am 08.09.2019 - 19.47 Uhr

Hass und Frustration im Alltag sind leider keine Seltenheit. Erst Ende August berichteten wir über das aggressive Verhalten, das manche Personen im Straßenverkehr an den Tag legen. Bei unserer Recherche sind wir auf die Geschichte der 22-Jährigen auf Facebook gestoßen und wollten euch ihre positive Meinung dazu nicht vorenthalten. Im Gespräch mit der Köchin erlaubte sie uns, ihre Geschichte zu veröffentlichen. Sie selbst bleibt anonym.

Was war passiert?

Vor ein paar Tagen war die 22-jährige Köchin am Villacher Busbahnhof und wartete auf ihren Bus. Sie war auf dem Weg zu einer neuen Arbeitsstelle und daher etwas aufgeregt. „Ich rauche eher selten und bin wenn dann eigentlich nur am Wutzeln, aber ich wollte eine einzelne Zigarette weil ich etwas nervös war“, schreibt sie in einem Beitrag auf Facebook.

„Bettler werden nicht bedient!“

Um ihren Wunsch nach einer Zigarette zu erfüllen, begab sie sich in ein Café in der Nähe des Busbahnhofes. „Ich habe mit 50 Cent in der Hand gefragt, ob mir irgendjemand eine Zigarette verkaufen würde. Ein Mann wollte mir bereits eine geben, als die Kellnerin es ihm untersagte„, schreibt die Feffernitzerin auf Facebook. Für die 22-Jährige komplett unverständlich, denn der Mann war schließlich erwachsen und „konnte selbst entscheiden“. Das Argument, warum die Kellnerin das Verkaufen einer Zigarette untersagte: „Bettler würden in ihrem Café nicht bedient werden.“

„Ich hatte Angst, dass er mich vors Lokal schleift“

Natürlich fühlte sich die 22-Jährige überrumpelt und sie wollte erklären, dass sie nicht vorhabe in dem Lokal zu betteln. „Dann mischte sich ein Mann ein, der mich lautstark zurecht wies“, so die Köchin. Er habe ihr Aussagen wie: „Wenn des so weiter geht, homa bold mehr Bettler als Gäst do harinnen. Schleichen Sie sich“, gegen den Kopf geworfen. Das Einschreiten des Mannes stößt bei der 22-Jährigen auf Unverständnis: „Ich denke, mit meinen 22 Jahren, blonden Haaren und einer Blümchenjacke habe ich nicht gerade wie eine Bedrohung für die Kellnerin gewirkt. Daher ist es mir ein Rätsel, warum mich der ältere Herr wie einen Straßenköter verscheuchen musste.“ Sie habe sogar kurz Angst bekommen, dass er sie am Arm packe und aus dem Lokal schleife, beschreibt die 22-Jährige die angespannte Situation auf Facebook.

„Arm, ausgestoßen, traurig, hilflos“

„Gerne hätte ich dem freundlichen Herrn, der mir ohne nachzudenken eine Zigarette gegeben hätte, als Dank noch eine Schachtel gekauft und mir eine Zigarette daraus genommen, bevor ich sie ihm gegeben hätte, aber leider war in der Zwischenzeit mein Bus angekommen“, so die Köchin aus Feffernitz. Sie fand klare Worte, für ihren Gefühlszustand nach dem Geschehenen: „Ich habe mich arm, ausgestoßen, traurig, ungerecht behandelt, verletzt, alleine, fehl am Platz, hilflos und sehr wütend gefühlt.“ Besonders ärgerlich sei für die 22-Jährige gewesen, dass sie keine Möglichkeit hatte, sich auszusprechen.

„Nehmts das Leben ein bisschen lockerer!“

Trotzdem findet die Feffernitzerin an der Situation etwas Positives: „Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, da ich nun weiß, wie viele Menschen behandelt werden und wie sie sich dabei fühlen.“ Warum Personen so viel Hass und Frustration in sich tragen, ist für die 22-Jährige unverständlich. Ihr Wunsch und Apell an alle: „Viel Glück und Liebe und nehmts das Leben ein bisschen lockerer!“

#Debatte: Hass im Alltag

Die Geschichte der 22-Jährigen gab uns in der 5-Minuten-Redaktion zu denken. Hass gegenüber Mitmenschen scheint keine Seltenheit zu sein. Wart auch ihr schon einmal in einer ähnlichen Situation? Was nervt euch im Alltag am meisten? Findet ihr, die Kellnerin hätte das Verkaufen einer Zigarette in ihrem Lokal erlauben sollen? Oder hat sie eurer Meinung nach richtig gehandelt? Bemerkt ihr eine Änderung im Umgangston untereinander in den letzten Jahren? Lasst es uns in den Kommentaren unter diesem Beitrag wissen.

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