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Anton Kleibner betreibt das Juwelier-Geschäft am Gemeindeplatz:
Anton Kleibner betreibt das Juwelier-Geschäft am Gemeindeplatz: "Inzwischen bin ich gelassener." © 5min.at

Drohungen treffen viele Menschen hart:

Bomben­droh­ungen: „Was können wir eigentlich dafür?“

Arnoldstein – Die fünfte Bombendrohung ist inzwischen im Gemeindeamt Arnoldstein eingelangt. Gefordert wird der Rücktritt des Bürgermeisters Erich Kessler sowie der, seiner beiden Stellvertreter. Viele glauben hier, dass der Täter ein Arnoldsteiner ist und fragen sich: "Ist es wirklich dein Ziel, Unschuldige in Angst und Panik zu versetzen?"

 5 Minuten Lesezeit (674 Wörter) | Änderung am 24.09.2019 - 20.23 Uhr

Dienstag, 24. September 2019, ein Lokalaugenschein: Die Stimmung in Arnoldstein ist angespannt, denn viele der Bombendrohungen langten auf einem Dienstagvormittag ein. Am Gemeindeplatz selbst ist es sehr ruhig. Ruhiger als sonst.

Wann ist es wieder so weit?

Der Blick zum Gemeindeamt am Vormittag ist hier schon Alltag. Eine Anrainerin meint gegenüber 5 Minuten Villach: „Ich habe heute Früh mit meiner Nachbarin gesprochen und gerätselt, ob es heute wieder so weit ist. Wahrscheinlich dann morgen.“ Wir, von 5 Minuten, möchten wissen, wie sich die Menschen hier fühlen. Die meisten wollen anonym blieben. Das akzeptieren wir natürlich. Eine Frau erzählt: „Ich möchte lieber nicht genannt werden. Nicht, dass wir auch zum Ziel werden.“ Ihre Angst ist spürbar, ihre Stimme zittert sehr. „Ich frage mich einfach, was wir alle dafür können. Merkt derjenige denn nicht, wem er hier eigentlich damit schadet?“

Die Angst wird immer schlimmer…

Viele ältere Menschen leben direkt über dem Gemeindeamt. Manche verlassen die Wohnung sofort, wenn eine Drohung eintrifft. Andere bleiben zu Hause. Anfangs wurde noch umliegend großflächig evakuiert. „Mittlerweile ist das nicht mehr so“, erzählt uns eine Mieterin. Sie bleibt meistens ruhig, aber der Gedanke, „Was, wenn doch?“ kommt einem zwangsläufig in den Sinn, sagt sie. „So mancher hier hat große Angst. Es fühlt sich mittlerweile dauernd unbehaglich an. Hier warten einige ja bereits auf die nächste Drohung.“ Eine junge Frau, sie arbeitet am Gemeindeplatz, meint: „Für mich wird die Anspannung immer schlimmer, je länger das Ganze dauert.“ Andere wiederum werden richtig wütend oder empfinden nur mehr Gleichgültigkeit. Viele machen sich eher darum Gedanken, wie lange das noch so weiter gehen soll.

Umsatzeinbußen als Folge

Neben dem Gemeindeamt befinden sich die Raiffeisenbank, ein Reisebüro, ein Eissalon, ein Frisör, ein Juwelier sowie mehrere Büros. Geht eine Bombendrohung ein, steht hier bis circa 13 Uhr alles still. Während dieser Zeit bleiben Kunden aus, dürfen im Falle einer Drohung ohnehin nicht mehr hier parken oder den Platz betreten. Damit einher gehen bei machen Unternehmern natürlich auch Umsatzeinbußen. Eine Anrainerin, welche ebenfalls lieber nicht genannt werden möchte, erklärt uns: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies das Ziel des Bombendrohers ist? Im Haus lebt eine 90-Jährige. Sie bekommt jedes Mal richtig schlimme Panik.“

„Sofort raus aus dem Geschäft!“

Wie eingangs erwähnt, wollen viele nicht öffentlich Stellung nehmen. Die Arnoldsteiner haben Angst zur Zielscheibe zu werden, haben Familie und möchten nichts riskieren. Anton Kleibner, er betreibt das Juweliers-Geschäft am Gemeindeplatz, spricht mit 5 Minuten Villach jedoch ganz offen: „Beim ersten Mal war ich total nervös. Ich habe zu meiner Mitarbeiterin gesagt ‚Sofort raus aus dem Geschäft‘. Wir gingen heim. Beim zweiten Mal dachte ich einfach nur, nicht schon wieder. Beim dritten Mal blieb ich schon gelassener. Aber in der Früh, wenn ich am Gemeindeplatz die Hunde sehe, ja, natürlich etwas Aufregung ist immer dabei“, so Kleibner.

„Dann die Befragungen, ob etwas Verdächtiges beobachtet werden konnte. Aber was ist schon verdächtig? Ich kann ebenfalls bestätigen, dass Kunden ausbleiben. Mich selbst betrifft es nicht so schlimm, denn ich kann während der Zeit in der Werkstatt weiter arbeiten. Aber die Betriebe mit Kundenverkehr trifft es härter. Immerhin müssen Angestellte weiter bezahlt werden, während zugleich an solchen Tagen Umsätze sinken. Spürbar ist jedenfalls, dass es hier ruhiger wird. Generell ist schon weniger los. Auch wenn ich inzwischen lockerer bleibe, schön ist das Ganze nicht. Und schon gar kein Scherz“, betont der Juwelier.

Können all diese Menschen wirklich etwas dafür?

In Arnoldstein gefährdet jemand Existenzen und versetzt die Menschen in Angst. Alles nur, damit der eigene Wunsch erfüllt wird, dass der Bürgermeister Erich Kessler, der sich derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen sehr zurückhält, sowie seine beiden Stellvertreter zurücktreten. Ist das wirklich das, was gewollt war? Können all diese Menschen wirklich etwas dafür?

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